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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-17 · Heft 51 (17.12.1878) · p. Seite 811

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 51 (17.12.1878)
Date
1878-12-17
Page
Seite 811 (sequence 11)
Language
German
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300 Kindern in den Stadtschulen haben, und daher, wenn auch nicht aus Furcht, daß ihre Kinder dem Glauben ihrer Väter abspenstig gemacht werden könnten, das Recht bei der Gebetfrage ebenfalls gehört zu werden, in Anspruch nehmen müßten. Es kann nach Alledem keinem Zweifel unterliegen, daß der Religionsfriede in der Hauptstadt Connecticut's durch den unlängst berichteten Majoritätssteg der kirchlichen Partei ebensowenig gestchert erscheint wie, wenn es erlaubt ist „Kleines mit Großen zu vergleichen", die „orientalische Frage" durch den berühmten Berliner Vertrag sich als „gelöst" darstellt. Da wir jedoch, gestützt auf Beobachtung und Erfahrung vieler Jahre, uns noch immer nicht der optimistischen Ansicht entschlagen können, daß in völlig freiem Gemeinwesen schließlich, wenn auch langsam, doch der gesunde Menschenverstand d. h. das praktisch Gute, die Oberhand gewinnt, so geben wir uns auch in Bezug auf die endliche Lösung der religiösen Schulfrage der Hoffnung hin, daß diese Lösung im Sinne der absoluten Verweltlichung des öffentlichen Schulunterrichts, der unbedingten Ausschließung aller Religionsübungen aus den Schulen erfolgen werde, welche mit den Mitteln aller Steuerzahler erhalten werden, armsomehr als für die religiöse Erziehung der Kinder durch die Kirchen und Sonntagsschulen aller Glaubensgemeinschaften hinreichend Fürsorge getroffen ist. Nur auf diesem Wege kann der bürgerliche Friede dauernd gesichert und erhalten, das gefährliche Element religiöser Agitation von dem öffentlichen Leben ferngehalten und dann das echtamerikanische Princip, daß das politische Gemeindewesen mit der Religion als einer Privatsache nichts zu thun habe, zur Wahrheit gemacht werden. Leider ist das bisher nicht in wünschenswerther Ausdehnung der Fall gewesen, vielmehr hat eine, und zwar von echtamerikanischer Seite ausgehende, Agitation offen das Ziel verfolgt, das friedericanische Axiom, „daß jeder Mensch ein unbestreitbares Recht habe, nach seiner Fa^on selig zu werden," zu nichte zu machen." Bonn, 8. December. (Notizen.) Wie das Jew. Chr. berichtet, hat seit Jahrhunderten znm ersten Male in Lanarca auf Cypern wieder die gottesdienstliche Feier der letzten jüdischen Festtage stattgesunden. Die Gemeinde bestand aus Israeliten der verschiedensten Nationalitäten, der Vorbeter und die Thorarollen waren aus Alexandrien gekommen. Bonn, 8. December. Literarische Notizen.) Der israelitische Weltbund. Rede, am I. Tage des Hüttenfestes 5639 gehalten von I)r Ad. Iellin ek. Wien, Waizner 1878. Nachdem der treffliche Redner in der Einleitung die Anhänglichkeit der Juden an ihre Vergangenheit hervorgehoben, und wie sie dadurch verleitet werden, die Gegenwart zu mißachten, bezeichnet er als ein vorzügliches Werk der letzteren die Grünwird eine 1840 zu Wien gehaltene Rede von Crömieur in französischer Sprache veröffentlicht, die, wie alle Reden des berühmten Advocaten, einen vollen Gefühlsausguß darbietet. — Theoretisch-practisches Lehr- und Uebungsbuch zur Erlernung der hebräischen Sprache für den Schul- und Privat-Ilnterricht, bearbeitet von Carl W eill. Karlsruhe, Selbstverlag 1879. Der Verf. hat für die grammatikalischen Formen, soweit sie zum Elementarunterricht im Hebräischen gehören, zahlreiche Beispiele aus dem ersten Buche Mos. als schematisirte Hebungen zusammengestellt, und ist das gut ausgestattete, besonders mit deutlichen hebräischen Typen versehene Büchlein zur Einübung dieser Formen recht brauchbar. — Tiferet Jisrael. Schilderungen aus dem inneren Leben der Juden in Mähren in vormärzlichen Zeiten. Ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte von vr. M. H. Friedländer, Rabbiner in Kanitz. Brünn, Selbstverlag 1878. Nicht erst seitdem die Juden die volle Gleichberechtigung im Staate besitzen, denn dies ist in einigen Ländern, z. B. in Oesterreich erst seit kurzer Zeit der Fall, sondern schon viel früher trat ein völliger Umschwung in der Lebensweise, in den Sitten und Bräuchen der Juden ein, so daß viele Gewöhnungen und Einrichtungen, die lange Jahrhunderte hindurch bestanden hatten, verschwunden oder doch abgeblaßt sind. Die jetzt Heranwachsende Generation weiß sogar wenig mehr von ihnen, da die Wandelung sich bereits bis in die kleinste Landstadt erstreckt hat. Es ist daher eine verdienstliche Arbeit, jene alten Sitten und Gebräuche, wie sie theils schon erloschen, theils im Absterben begriffen sind, zu schildern und so der Nachwelt wenigstens in ihren Contouren zu erhalten. Ausgezeichnete Schriftsteller haben dies und mit Erfolg im Gewände der novellistischen Dichtung versucht; indeß kann auf diesem Wege zwar stellenweise ein belebteres, anderweitig aber nur lückenhaftes Bild gegeben werden. Herr Friedländer wollte uns Schilderungen in objectiver und vollständiger Weise liefern und ist ihm dies recht gut gelungen. Ohne Schönfärberei, ohne Klage über das Geschwundene, aber in gemüthvoller Würdigung des religiös sittlichen Inhalts dieser alten Sitten, zeichnet er sie einfach und anziehend, zwar speciell aus Mähren, doch paßt das Tableau auf die meisten deutschen Länder, wenigstens mit geringen Abweichungen. Geburt und Erziehung, Verlobung und Trauung, Erwerb und Lebensweise, die Gemeinde, das Rabbinat, die Synagoge, die Wohlthätigkeitsanstalten werden uns vorgefühtt; doch können wir uns nicht genug wundern, daß der Vers, die Behandlung der Kranken und Gestorbenen, die Bestattung und Leichenfeier mit Stillschweigen übergangen. Als das Resultat zieht er die Glaubenstteue und die Familieneinigkeit der alten Juden unter dem schweren Druck, dem sie fast erlagen, leugnet aber auch nicht den vielfachen Aberglauben, der diesen Gebräuchen anhing. düng der Alliance isr. univ. und vergleicht die Wirkungen Wir hätten hinzugefügt, daß dieselben auch besonders die eigenderselben mit den vier Pflanzen des Lulab. Im Anhänge j thümliche Mischung von Naivetät und Scharfsinn bezeugen, die

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