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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-17 · Heft 51 (17.12.1878) · p. Seite 810

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 51 (17.12.1878)
Date
1878-12-17
Page
Seite 810 (sequence 10)
Language
German
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sind, von nun an eine „Harbieh" (Kriegssteuer) zu entrichten haben, um so einen Theil der Lasten der Landesvertheidigung zu tragen. Wir geben hier zugleich einige DÄails über die Juden Afghanistans. Die Muttersprache derselben ist das Persische, das überhaupt die Umgangssprache aller höheren C lassen dieses Landes ist, das bekanntlich früher einen Bestandtheil des persischen Reiches bildete. Die größten jüdischen Gemeinden befinden sich in Kabul, Herat, Kandahar, Ghizini und Lalkh. In elfterer Stadt befanden sich auch die Ruinen einer Synagoge, und behaupten die dortigen Juden, dieselbe wäre noch unter der Regierung des babylonischen Königs Nebuchadnezar erbaut worden, da schon damals eine jüdische Gemeinde n Kabul existirt haben soll. Ihr Ritus unterscheidet sich wesentlich von dem ihrer abendländischen Glaubensgenossen; sie beziehen ihre Religionsbücher zumeist aus Teheran oder Maskat. Auch ihre Rabbiner holen sie sich aus Persien; es fungiren dieselben zugleich auch als Richter. In den Städten bewohnen sie eigene Viertel (Mahal-i-Jehudijeh), welche Abends geschlossen und nach Sonnenaufgang wieder geöffnet werden- Jhre Tracht ist ganz die afghanische, nur tragen sie einen schwarzen Turban als Zeichen der Trauer um das zerstörte Jerusalem. (Nach Angaben eines persischen Reisenden soll dieser schwarze Turban blos ein Unterscheidungszeichen sein.) Sie betreiben mit Vorliebe die Arzneikunst; den nöthigen Unterricht ertheilen die Aerzte oder zur Noth auch die Wundermänner und Heiligen. Amerika. Ncw-Aork, 2. Nov. (Privatmitth.) Wer da glaubt, daß die Staaten der amerikanischen Union durch ihre Constitutionen, das Staatsprinzip und den allgemeinen Geist vor den religiösen Wirren und Kämpfen gesichert seien, der irrt sich sehr. Tie neue und die alte Welt sind trotz ihrer Verschiedenheiten doch so innig mit einander verquickt, daß die in Europa zu schroffen Gegensätzen und harten Reibungen gelangten Parteien ihr Widerspiel auch in Amerika finden. So die socialistischen Trübungen, die namentlich in Californien unheilvoll aufgewühlt sind, so die confessionellen Kampfe. Ein Hauptfchauplatz für die letzteren war lange Zeit die Hauptstadt von Connecticut, dieses Neu-Englandsstaates, New-Haven. Vor einiger Zeit glaubte man diesen Krieg beendigt, indem man einen neuen Erziehungsrath wählte, der über die Einführung der Religionsübungen — Beten, Singen und Bibellesen — in die öffentlichen Schulen entscheiden sollte. Die gedachte Angelegenheit reicht ihrer prinzipiellen Natur wegen weit über die Grenzen von Localstreitigkeiten hinaus, und verdient daher auch an dieser Stelle besprochen zu werden. Zu diesem Zwecke führe ich einen Artikel der heute erschienenen Nummer der „New Yorker Handelszeitung", dieses nicht blos in Amerika hochangesehenen Blattes an, welcher alles Nöthige aussagt: „Die der Wiederherstellung religiöser Uebungen in den Stadtschulen günstige Majorität des neugewählten Schulrathes ging, auf die amtlich festgestellte Mehrheit der Bürgerschaft gestützt, sicherlich von guten Absichten aus, als sie bei ihrem weiteren Gebühren zu dem Zwecke der Befriedigung der Wünsche der beiden Hauptreligionsparteien, der Protestanten und Katholiken, zu dem beliebten Auskunftsmittel des Compromisses ihre Zuflucht zu nehmen beschloß. Aber freilich geschah dies, wie es scheint, in so ungeschickter Weise, daß das Ergebniß kein anderes als erneuter und erbitterterer Kampf sein konnte. War über die Frage des Bibellesens in den Schulen leidliche Einhelligkeit vorhanden, so beschloß man, die Ausarbeitung eines Programms für die weiteren Andachtsübungen einem aus protestantischen und katholischen Geistlichen bestehenden Ausschüsse zu übertragen und dieser brachte ein „Manual" zu Stande, dessen Unterbreitung an den Schulrath schwerlich verfehlen kann, dessen Frieden in bedenklichster Weise zu gefährden. Nach diesem „Manual" soll nach einem allgemein gehaltenen Gebete an Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist in Form eines Responsoriums zwischen dem Lehrer und den Kindern, nicht nur das „Vaterunser", jedoch unter Weglassung des Schlusses, sondern diesem auch eine direete Aufrufung der Maria, der „Mutter Gottes" und diesem zum Ueberflusse auch noch das sogenannte „Apostolische Glaubensbekenntniß" folgen. Es bedarf keiner Ausführung, daß eine solche fashionable Musterkarte, welche an das bekannte nationale Witzwort „von pays your money and you takes your choice“ erinnert, nur geringe Aussicht auf allgemeine Billigung und Annahme haben kann, vielmehr nur den Deckel der religiösen Pandorabüchse auf's neue zu öffnen verspricht. Werden die Katholiken den für ihre „Mutter Gottes" gewonnenen Boden nicht wieder aufzugeben geneigt sein, so muß selbstverständlich deren Anrufung durch ihre Kinder allen englischen Protestanten ein unübersteiglicher Stein des Anstostes sein, sowie andersseits wieder dm Mitgliedern der liberalm Religionsgemeinschaften, wie den Unitariern — der „Freidenker" nicht zu erwähnen — die Verpflichtung ihrer Kinder auf das „Apostolische Glaubensbekenntniß" mit seiner Jungfrau Maria", feiner „Gemeinschaft der Heiligen" und seiner „Auferstehung des Fleisches" kein Gegenstand der Gleichgültigkeit bleibm kann. Zum Ueberfluß sind dmn auch noch die Bekenner des mosaischm Glaubens mit einer Verwahrung gegen die neue Gottesdienst- Ordnung in den öffentlichen Schulen aufgetreten, und zwar mit unbestreitbar ebenso gutem Rechte wie die christlichen Glaubensgenossen. Der jüdische Rabbi Dr. Kleeberg in New- Haven protestirte gegen die Einführung einer Liturgie in den Schulm, welche nicht aus einem Einverständnisse aller Glaubensgesellschaften hervorgegangen. Er beruft sich darauf, daß die Juden von New-Haven ein Contigent von nicht weniger als

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