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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-17 · Heft 51 (17.12.1878) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 51 (17.12.1878)
Date
1878-12-17
Page
Seite 807 (sequence 7)
Language
German
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807 6aoccßtix:ßteu. Deutschland. Berlin, 4. December. Die Auslassungen des Abg. Schröder-Lippstadt, des frommen Ultramontanen, dessen Spitzname ich hier aus guten Gründen nicht wiederholen mag, haben allgemeinen Unwillen erregt, da man sie einer preußischen Kammer für durchaus unwürdig erachtet. Beispielsweise führe ich hier an, wie sich die „Nationalzeitung" darüber ausläßt. „Daß ein Mitglied des Centrums, Herr Schröder, bei dieser Gelegenheit eine Judenhetze in Scene setzte, kann nicht überraschen; ist es ja eine längst bekannte Thatsache, daß je religiöser, je „christliche sich ein Blatt oder ein Verein geberdet, er um so gehässiger nach jener Richtung ist. Die Höhe ihrer Weltanschauung und Cultur kennzeichnen diese Elemente damit selbst und geben den sichersten Maßstab für ihre Bedeutung in unserer Entwickelung selbst an die Hand, Berlin glauben wir aber als den am meisten ungeeigneten Schauplatz für solche Vorstellungen bezeichnen zu können. Gerade auf diesem Berliner Boden haben die vom „Allerchristlichsten Könige" verjagten Hugenotten, haben Böhmen und Wallonen, haben wegen ihres Glaubens und ihrer Gesinnung Verfolgte jeder Art sich zusammengefunden und man hat bei diesem Zusammenleben nie nach Stamm, Abkunst und Religion gestagt, sondern sich zu gemeinsamem Staatsthum verbunden. Vor hundert Jahren hat bereits Gotthold Ephraim Lessing hier gelebt — Herr Schröder-Lippstadt kommt für Berlin zu spät." Das Beste an der Sache ist, daß solche Dinge morgen vergessen sind, was wiederum beweist, daß sie in unsrer Zeit keine Wurzeln haben. Der Nachtheil fällt nur auf die Ultramontanen selbst zurück, da sie sich immer von Neuem als Rückläufer documentiren, deren Ziel das Mittelalter ist und die nur mit der Stirn gegen unsre Zeit stoßen, ohne sie durchbrechen zu können. Der Abg. Windhorst (Meppen), bekanntlich Führer des Centrums, hat bei dem preußischen Abgeordnetenhause einen Antrag auf Wiederherstellung der §§ 15, 16 und 18 der preußischen Verfassung eingebracht. Diese Paragraphen wurden im April 1875 aus der Verfasiung gestrichen, da sie, welche die Selbstständigkeit der Kirchen und Religionsgenossenschasten, ihre bisherigen Rechte und Besitzthümer garantirten, mit den Maigesetzen in manchen Punkten im Widerspruch standen. Die A. Z. d. I. gab damals in Nr. 17 und 18 (1875) ihre Ansicht über diese Aufhebung vom allgemeinen und jüdischen Standpunkt ausführlich zu erkennen. Das Judenthum und die Juden waren bei dieser Aufhebung wenig interessirt, denn da sie keine Machtstellung dem Staate gegenüber beanspruchen. braucht sich der Staat ihrer nicht zu erwehren und ihnen nichts zu gewähren. Jetzt, nachdem das Austrittsgesetz erflosien, haben wir noch weniger Jnteresie daran. Offenbar will das Centrum durch die Wiederherstellung dieser Paragraphen sich und der Regierung den Weg bahnen, die Maigesetze zu beseitigen. Es wird sich zeigen, ob die Regierung sich dieser Wiederherstellung anschließt, oder entgegensetzt, um endlich zu erfahren, wohin die vielbesprochenen Verhandlungen mit Rom hinauslaufen. Auch kann man hieraus schließen, daß, weil jene Verhandlungen über die Köpfe des Centrums hinweg mit der Curie geführt werden, das Centrum theils Fühlung mit der Regierung erlangen, theils auch eine Rolle in den Verhandlungen spielen will. Was unsere Religionsgenoffenschaft betrifft, so würde ihr durch die Wiederaufnahme dieser Paragraphen in die Versaffung weder etwas genützt noch geschadet werden. — Uebrigens bleibt es dem Centrum unvergeffen, daß es gegen das Socialistengesetz gestimmt hat, und soll dieses Votum bei dem Papste «inen sehr unangenehmen Eindruck gemacht haben. — Zur Feier der Wiedergenesung unseres Kaisers und seines Einzuges in die Residenz wird am Samstag in fast allen Synagogen des Landes ein Dankgottesdienst stattfinden. Da hierfür keine obrigkeitliche Anordnung wie z. B. für die evangelische Kirche vorliegt, so hat diese steiwillige Bethätigung echt patriotischer Gefühle ihren besonderen Werth. Gleiwitz, im Decemb. (Privatmitth.) Auf Anordnung der Königl. Regierung zu Oppeln fand unter dem Vorsitze unseres ersten Bürgermeisters Herrn Kreide! die Ersatzwahl für sieben auszuscheidende Mitglieder des Repräsentanten-Collegiums hiesiger Gemeinde am 26. v. Mts. statt. Mit überwiegender Majorität wurden vier derselben wieder gewählt; unter ihnen, trotz mannigfacher , von einer kleinen Partei mit Verve betriebenen Agitation gegen denselben, auch der bisherige Vorsitzende Sanitätsrath vr. Freund, der nun seit länger als zwanzig Jahren dieses Ehrenamt der Gemeinde bekleidet. Durch die Wiederwahl gerade dieser ihrer Vertreter hat die Gemeinde zur Genüge bewiesen, daß der zur Zeit von einer schwachen Minorität^ erhobene und auch in Ihrem geschätzten Blatte besprochene Widerspruch gegen mehrere von der Gemeinde-Verwaltung in vollkommenster Uebereinstimmung beschlossene und ausgeführte Maßnahmen und Einrichtungen von der bei weitem größeren Majorität der Gemeinde nicht getheilt worden ist Unsere Simultanschule, die unschuldige Urheberin dieses vorübergehenden, von einer gewissen „friedliebenden" Seite aber, bis zumWahltische geschürten Zwiespaltes, ersteut sich übrigens seit ihrem Bestehen, O st e r n d. I., eines forts chreitenden Ge-

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