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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-17 · Heft 51 (17.12.1878) · p. Seite 806

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 51 (17.12.1878)
Date
1878-12-17
Page
Seite 806 (sequence 6)
Language
German
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BÖ6 der in der klaren Erkenntniß des Lebens, seines Werthes und seiner Bedingungen, sowie in der treuesten Pflichterfüllung nach Recht und Liebe sein Streben und sein Erreichen hat. Wir Veranlassung, das ihm als eigentliches Lebenselement einwohnende Princip des Monotheismus zu modificiren, vielmehr es mit unerschütterlicher Treue streng und rein aufrecht zu erhalten. können hierfür dem Autor nur unfern aufrichtigen Dank darj Hieran schloß sich nun der Glaube, durch die Verbreitung der bringen. Er stellt diese seine edlen Juden als durchaus ebenbürtig mit seinen edlen Christen auf dasselbe Niveau. Gehen wir aber auch hier auf den eigentlichen Kern ein, so treffen wir ebenfalls auf jene Unsicherheit, die wir in den Ansichten des Derfaffers über die specifisch christlichen Erscheinungen fanden. Schon darin zeigt.sich dies, daß Heirathen zwischen Juden und Christen ein Lieblingsthema des Verfassers sind, und zwar durch die Civil- und die altjüdische Trauung. Aber er läßt diese Heirathen doch nur zwischen Juden und Kindern getaufter Juden stattfinden, wobei gar nicht ersichtlich ist, warum diese Christinnen bei der Eigenthümlichkeit ihrer Ueberzeugung, und da ihre Männer den jüdischen Satzungen Gotteserkenntniß über alle Völker der Erde., durch die Erfüllung aller Menschenseelen von dieser Gotteserkenntniß („wie das Waffer das Meer erfüllt) und durch die daraus nothwendig erfolgende Herrschaft der Liebe, des Rechtes und des Friedens die gesammte Menschheit in Eintracht und Sittenreinheit wandeln werde. Dies ist der Begriff der messianischen Zeit, wie ihn der älteste Prophetenspruch, den Jesaias und Micha wiederholen, ausspricht, und der allein einen Grundzug des Judenthumes bildet. Dem tiefen Verfall, dem unermeßlichen Unglück des Volkes gegenüber gestaltete sich dann später das Bild der Wiederherstellung Israels und der Läuterung desselben zu der Vorstellung eines persönlichen Messias, der treu anhangen, nicht zur Religion ihrer Väter zurückkehren,! die Zerstreuten Israels wieder sammeln, die Gefangenen bewelcher sie ohne ihren Willen abgewendet worden? Wie gefreien, Zion in all' seiner Herrlichkeit und in noch größerer sagt, Ehen zwischen Juden und wirklichen Christen läßt der1 wiederherstellen und Israel zum Haupte der Völker erheben Autor ganz außer Sicht. Dann aber schaut der Verfaffer werde. Mit schwachen Anfängen bei einigen Propheten, die Judenthum und Christenthum so als identisch an, daß er einen j das Wort Messias (rVw2) in diesem Sinne noch gar nicht tiefer greifenden Unterschied nicht anerkennen will. In beiden > kennen, wurde, je unheilvoller das Geschick des Volkes wurde, Religionen sei die Wesenheit der Glaube an einen einzigen diese Vorstellung energischer erfaßt und mannigfach mit orienta- Gott und an die Welterlösung, ob diese bereits gekommen oder! lischer Phantasie ausgestaltet. Für das Judenthum aber bleibt noch kommen werde, mache keine wesentliche Differenz aus als wesentliche Grundlage seines wirklichen Inhalts immer (Bd. l. S. 73 u. a. £>.). Wir unsrerseits erkennen die wohlnur die mosaische Forderung: Gott erkennen, in seinen Wegen wollende, echt menschenfteundliche Gesinnung des Autors willig 1 wandeln, ihn lieben und ihm dienen mit ganzem Herzen und an; allein gegen diese Definition werden beide Religionen. mit ganzer Seele. Gegen diese Auffaffung wird wiederum protestiren. Was heißt „Welterlösung"? Soll dies nicht ein! das Christenthum protestiren. — Sicherlich hat unser Verfaffer mysteriöser Ausdruck bleiben, unter dem sich Jeder denken mag,! Recht, wenn er meint, daß der eigentliche Lehrinhalt beider was er will, so heißt er nichts Anderes, als: eine allgemeine, j Religionen Juden und Christen nicht blos nicht verhindert, durch einen Dritten hervorgebrachte, jedem Menschen darum. sondern vielmehr verpflichtet, in wahrhafter Würdigung und angeborme sittliche Verderbniß wird durch eine, wiederum von j Duldung neben und und mit einander zu leben und jede Art einem Dritten vollbrachte, für jeden Gläubigen wirksame sitt-; des Verkehrs in gegenseitiger Gleichachtung zu Pflegen. Wenn liche Erlösung aufgehoben. Hiermit wird das Christenthum er dies aber auf eine völlige Nivellirung beider Religionen übereinstimmen, hieraus aber auch seine dem Monotheismus stützen will, so greift er fehl, erregt von beiden Seiten bemodificirenden Dogmen nothwendig und folgerichtig ziehen, gründeten Widerspruch und befördert dadurch nicht die Errei- Das Judenthum jedoch wird gegen diese „Welterlösung" prochung des Zieles, sondern benachtheiligt sie. Hiermit scheiden testiren. Es erkennt gar keine solche an; es erkennt eine an > wir von dem vorliegenden Roman, deffen weitere Besprechung geborene Verderbniß der Menschenseele nicht an, sondern eine! wir Andern überlasten, aber mit dem Wunsche, daß er aller im fteien Willen des Menschen nothwendig begründete Be-; Orten die verdiente freundliche Aufnahme erfahre.l) fähigung und Neigung zum Guten uud wiederum zum Bösen, - - den Kampf dieser beiden in der Menschenseele, und wenn diese > i) Da das Wort „Iada" im Buche selbst nicht vorkommt, hätte sich der ersteren abunk der letzteren zugewendet hat. die »" eine Anreuwn, dietes Titels n°n.I>ch «°n „ , , ~ , . . „erkennen" geben sollen, da er der dem größeren Therle des Publr- Umkehr, auftrchtlge Reue und Befferung, worauf durch die. cums nicht eine so gründliche Kenntniß des Hebräischen, wie er sie Barmherzigkeit Gottes die „Versöhnung mit ©ott" erfolgt, besitzt, voraussetzen konnte. Jedes Individuum sündigt durch sich und für sich allein, und - hat die Umkehr und Versöhnung durch sich und für sich allein! * _ zu bewirken, wozu ihm die Religion überall die Mahnung und die Gelegenheit darbietrt. Hieraus hatte das Judenthum keine,

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