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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-10 · Heft 50 (10.12.1878) · p. Seite 795

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 50 (10.12.1878)
Date
1878-12-10
Page
Seite 795 (sequence 11)
Language
German
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705 Bochum mit wahrhaft künstlerischer Meisterschaft vorgetragen und wenngleich der Name des Sängers im Programm nicht erwähnt ist, so glauben wir doch seiner Bescheidenheit nicht zu nahe zu treten, wenn wir ihn nennen — es war der Sohn des Herrn Hermann Herz aus Bochum. — Was nun die Auswahl der einzelnen Piecen anbetrifft, so figurirten darin die Meisterwerke unserer berühmtesten Componisten: Beethoven, Bach, Haydn, Mendelssohn :c., allein zu unserem Bedauern vermißten wir jeden speciell hebräischen Gesang. Es fehlt doch nicht an solchen Compositionen. Männer wie Sulzer, der berühmte Altmeister des jüdischen Chasonesch, ferner Lewandowsky, Japhet re. haben recht schöne und erhabene Sachen geliefert, die schon in vielen Synagogen eingeführt sind. Ein kund gab, erhielt auch ich Erlaubnis, Warschau zu besuchen. Ich that es in Begleitung meiner Frau und meiner lieben Kleinen; mein Bruder, der die Amnestie sich zu Nutze gemacht hatte, empfing uns mit offenen Armen, wir waren die glücklichsten Menschen in der Welt. Neue Bekanntschaften wurden angeknüpft, alte erneuert. Von diesem Besuche heimgekehrt blieb ich in ständigem brieflichen Verkehr mit meinen Otammesgenossen und den Meinen. Die hochherzigen Intentionen unseres hochsinnigen humanen Kaisers in Betreff Polens, die auf fteier Basis fußenden neuen Umgestaltungen decweiten unermeßlichen Reiches, hatten in Polen grade die entgegengesetzte Wirkung hervorgebracht. Anstatt des engern Anschluffes an Rußland, welches auf dem Wege des hübscher ’-rv-; r;rb, ein *pic, eine erhebende rvr---; ■ Fortschrittes Riesenschritte machte, riefen die milden, humanen würde auch dem christlichen Zuhörer, der die deutschen Gesänge, Zugeständniffe, die nicht erst durch gewaltsame Erschütterung und so schön sie auch waren, mehr oder minder in jedem geistlichen! blutige Umwälzungen errungen zu werden brauchten, chimärische Concert oder bei Aufführung von Oratorien zu hören bekommt, i Träume hervor, von dem großen und mächtigen Lruderreiche sich etwas specifisch Neues gebracht haben; auch würde man damit! gänzlich loszureißen. — Demonstrationen auf Demonstrationen unseres Erachtens dem eigentlichen Zwecke des Chor-Verbandes, folgten. Von gewiffer Seite wurde der Heroismus und die eine Uniformität beim gottesdienstlichen Gesänge, der doch größtentheils in den heiligen Klängen der hebräischen Sprache zum Herrn erschallt, näher -getreten sein. Auch hat es uns befremdet, daß der Reinertrag dös Israel. geistlichen Concetts ausschließlich zum Besten der christlichen Bochumer Lehrer- Wittwen-Caffe bestimmt war; wir sind zwar nicht so confesfionell exclusiv — es war ja immerhin ein sehr wohlthatiger Zweck — allein wir glauben dennoch, daß der Verband sich die Sympathien vieler Gemeinden und deren Lehrer erworben hätte, wenn er mindestens einen Theil des erzielten Ertrages der rheinisch-westfälischen jüdischen Lehrer-Wittwen-Caffe zugewendet hätte. Wir wünschen übrigens, daß dem Verbände sich im Laufe der Zeit noch viele Gemeinden anschließen Opferfreudigkeit meiner Landsleute für das Vaterland künstlich aufgestachelt, indem man ihnen Gott weiß welche falsche Hoffnungen auf Hilfe von Außen vorspiegelte. Die Leichtgläubigen ließen sich bethören und griffen endlich zur offenen Jnsurrection. So brach der Aufstand von 1863 aus. Ich wurde anfangs aufgefordert, mit Hand anzulegen an die Befteiung des Vaterlandes und als ich vor der Unbesonnenheit eines solchen Schrittes und deffen schrecklichen Folgen warnte, wurde ich noch mehr bestürmt, ja sogar von der damaligen geheimen Nationalregierung bedroht, beschimpft und als Feigling gescholten. Ein Kampf erhob sich in meinem Busen, den Jedermann ganz natürlich finden wird. Auf der einen Seite meine feste Ueberzeugung, daß der Aufstand ein namenloses Unglück mögen, zur Hebung und Förderung der gottesdienstlichen! sei, weil er nur zum endlichen Untergänge führe, auf der Andacht'). 0. 1) Wir können den beiden Rügen nur unsre Zustimmung au*= sprechen, und haben uns überzeugt, daß sic Berücksichtigung finden werden. Redaktion. Eine gegen fettige Rettung. Einer wahren Begebenheit nacherzählt, von Leon Mcuücködurg in Koretz (Polhynicii). (Fortsetzung.) anderen das Drängen und Bestürmen meiner Landsleute. Wie ein Schatten wandelte ich monatelang umher, ohne zum Entschlüße kommen zu können. Ich hatte keine Ruhe, keine Rast Tag und Nacht. Endlich ließ man in meine Hände falsche Berichte von den Siegen des Nationalheeres und die glühenden Aufrufe eines Langiewitsch gelangen. Wie zündende Blitze j fielen sie in meine Seele. Tie alte Liebe zum Vaterlande er-! wachte in mir in ihrer unbesiegbaren Stärke. Das polnische : Herz riß den Verstand mit sich fort und in einer Nacht verschwand i ich, ohne von Weib und Kind Abschied genommen zu haben, i Du kannst Dir leicht denken, wie sehr mein Herz litt. Nach j langem Umherirren auf Umwegen kam ich nach dem östlichen Mein liebes Weib beschenkte mich mit einem Knaben und', Polen, das unter dem Namen Podlaschien bekannt ist. — einem Mädchen. Selbst als die Kriegsfurie im Süden des! Dort führte den Guerrillakrieg ein Anführer mit dem Psen- Reiches wüthete, wurden wir sehr wenig davon berührt.j donym „Krug". Ich trat in seine Schaar — wurde aber bald Als bald hernach der jetzt regierende Kaiser den Thron bestieg inne, welche Erfolge solche schlecht organisirte Mannschaften und damit ein neuer Umschwung in allen Verbältnissen sich erzielen können, sobald ihnen reguläres, gut eingeübtes Mi-

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