Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1878)
- Date
- 1878-12-10
- Page
- Seite 793 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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793 land, immer mehr die verdiente Anerkennung findet, dürfen wir den Umstand anführen, daß derselben von einer auswärtigen Familie ein Legat von dreitausend Mark bestimmt wurde. Nicht oft genug können wir auf die Bestrebungen dieses segensvolt wirkenden Vereins aufmerksam machen, der alljährlich seinen nothleidenden Mitgliedern, sdwie den Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder die wohlwollendste Fürsorge durch sichere und nicht unbedeutende Pensionen gewährt. Hiervon wird die am Schluffe dieses Jahres stattfindende Vertheilung wieder Zeugniß geben, von welcher wir Ihnen sofort Mittheilung machen werden. — An die israelitischen Lehrer und Rabbiner unseres Vaterlandes richten wir darum wiederholt die dringende Aufforderung, sich diesem bewähtten Vereine als active Mitglieder anzuschließen, der ihnen in Tagen der Noth und im Falle der Dienstunfähigkeit, sowie ihren Hinterbliebenen wirksame Unterstützung in Aussicht stellt. Sollte es indeß möglich sein, daß Jemand aus sogen, „religiösen Bedenken" sich von dem Beitritt zurückgehalten sähe, so sagen wir, daß diese Zurückhaltung eine völlig unbegründete ist, denn die Achawa ist und bleibt jeder Parteirichtung vollständig fremd. Oesterreich-Ungarn. Lemberg, 26. Nov. (N. Fr. Pr.) Der schon seit zehn in Galizien mit den merkwürdigen „Eigenthümlichkeiten" unseres Landes. Nach diesem politischen Berichte wurde der sinanzielle Bericht erstattet, welcher eine gar nicht ungünstige sinanzielle Lage des Vereins nachwies. Die Generalversammlung genehmigte beide Berichte und dankte dem abtretcnden '.'lusschusse. Nach unwesentlicher Statutenänderung schritt die Generalversammlung zu den Neuwahlen, wobei der bisherige Vorsitzende, Or. Emil Byk, und ebenso die anderen Functionäre wiedergewählt wurden. Rumänien. Bukarest, 26. Nov. Fürst Carl hat eine Proclamation an die Einwohner der Dobrutscha erlaffen, worin Ausdrücke Vorkommen, über die ganz Europa sich wundern muß. Heben wir nur einen Satz heraus: „Das rumänische Recht läßt keinen Unterschied der Race oder der Religion zu; Euer Glaube und Eure Familie wird den gleichen Schutz genießen wie der Glaube und die Famile der Christen." Wie kann der Fürst im Angesichte Europas eine solche Behauptung wagen in dem Augenblicke, wo Europa den Rumänen die Gleichstellung aller Racen und Religionen zur Bedingung gemacht, Rumänien darüber Wuth schnaubt und erklätt, es müffe erst eine Constituante berufen, um hierzu die rumänische Verfaffung zu ändern! Die rumänische Verfaffung, also das rumänische Recht, kennt nur die Freiheiten und Rechte der Christen Jahren in unserer Stadt bestehende verfaffungstreue politische! wenn der Fürst in seiner Proclamation Arideres aussagt, so Verein „Schomer Israel" (Hüter Jsrael's) hielt gestern die; wird Jedermann leicht das Wott dafür finden. — Warten zehnte ordentliche Generalversammlung. Der Vorsitzende des, wir also die Constituante ab! Einstweilen war es uns ein Vereins eröffnete die zahlreich besuchte Versammlung mit einer i Trost zu erfahren, daß, wie Herr v. Bleichroder an Crümieux längeren Rede, in welcher über die Thätigkeit des Ausschuffes. geschrieben, der deutsche Reichskanzler dem ersteren von Neuem im abgelaufenen Jahre Bericht erstattet wurde. Darin wurdeversichert habe, Rumänien müffe auch die Bestimmung des zunächst des in diesen Tagen verstorbenen langjährigen Präsidenten der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, l)r. Julius Kolischer, welcher im Jahre 1873 auch Präsident des verfaffungstreuen Central-Wahlcomit6s war, wärmstens gedacht. Hierauf wurden ausführlich die Gründe entwickelt, welche den Verein veranlaßten, die gegen die Mehrheit der polnischen Reichsraths-Abgeordneten gerichtete Bewegung zu unterstützen, welche den letzten Lemberger Reichsraths-Ersatzwahlen ihre Entstehung verdankt. Als hauptsächlichste Thätigkeit des Ausschuffes im letzten Jahre bezeichnete der Bericht die Gründung des jüdischen Cultusgemeindetages in Galizien, welcher die Mission hat, Bildung und Fottschritt unter den Juden Galiziens zu verbreiten. Nachdem noch die Ursachen des Mißerfolges der letzten Handelskammerwahlen besprochen und der Petition an den Grasen Andraffy wegen Gleichstellung der Juden in den ehemaligen türkischen Provinzen erwähnt wurde, gab Redner zum Schluffe ein Bild der Entwicklung des Vereins wahrend der zehn Jahre des Bestandes und begründete die Nothwendigkeit eines besonderen jüdischen politischen Vereins Berliner Vertrages hinsichtlich der Juden erfüllen und die Anerkennung der Unabhängigkeit werde von Seiten des deutschen Reiches nicht eher erfolgen. Bukarest, 27. Nov. Die bei der heute stattgehabten Eröffnung der Kammern von dem Fürsten Carl verlesene Thronrede spricht aus, Rumäniens Unabhängigkeit sei von ganz Europa anerkannt (dies ist, wie die Thronrede weiterhin selbst sagt, noch nicht der Fall! Redact.). Die benachbarten Mächte hätten bereits diplomatische Vertretungen am Hose des Fürsten geschaffen (allerdings „die benachbarten", d h. Rußland und Oesterreich. Redact.). Die Thronrede spricht sodann die Zuversicht aus, daß die übrigen Großmächte bald diesem Beispiele folgen würden, und fügt hinzu, die rasche Herstellung amtlicher diplomatischer Beziehungen zwischen diesen Staaten und Rumänien hange theilweise von den Kammern ab- Diese werden alsbald auf verfaffungsmäßigem Wege dae> Land in die Lage versetzen, den Erwartungen Europas zu entsprechen und dem moralischen Interesse zu genügen, welches Rumänien selbst zu Gute komme, nämlich aus der Verfassung 50