Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1878)
- Date
- 1878-12-10
- Page
- Seite 786 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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hinausschießt. Zuerst ist es nicht richtig, von der „Doppelnatur des mosaischen Gottes" zu sprechen, die „auseinandergeriffen" werden könnte. Denn wenn auch im mosaischen Gotte das weltschöpferische und das höchste ethische Princip erkannt wird, so dies doch nicht als getrennt oder trennbar, sondern als vollkommen identisch, als vollkommene Einheit Selbst ein Blick auf die vom Verfasser angeführten Schriststellen lehrt, daß in ihnen die Identität des schöpferischen und ethischen Gottes nachdrücklich zum Bewußtsein gebracht werden soll. Aber schon die Schöpfungsgeschichte hebt den ethischen Inhalt und Zweck des Schaffens durch die Bemerkung hervor, daß es „sehr gut" war. Die Sintfluth, welche doch, wie 1 Mos. 8, 22 zeigt, eine Vollendung des Schöpsungswerkes, wenigstens der Erdenschöpfung sein sollte, wird aus rein moralischen Gründen erklärt. Die Schrift selbst nun deutet das Verbot, das Abbild irgend eines Dinges zu machen, dahin, damit es nicht zu götzendienerischen Vorstellungen und Culten veranlaffe; sie verbietet diese Abbildung eines Dinges nicht an sich, sondern sobald es zu götzendienerischen Zwecken geschieht, wie das zweite der Zehnwotte erweist, und ebenso ö Mos. 4, 16: „daß ihr nicht verderbet und machet euch ein Götzenbild, die Gestalt irgend eines Götzen, die Form eines Mannes oder Weibes, die Form irgend eines Thieres ff.", woran sich das Verbot der götzendienerischen Anbetung der Sonne, des Mondes und der Sterne (V. 19) schließt, bei denen an eine Abbildung gar nicht gedacht wird („daß du nicht deine Augen hebest gen Himmel und schauest die Sonne und den Mond und die Sterne, das ganze Himmelsheer und dich verleiten ließest und dich vor ihnen bückest und ihnen dienest"). War deshalb doch selbst ein Altar aus behauenen Steinen zu fertigen verboten (2 Mos. 25; Rambam Mor. Neb. III. 45) — abgesehen von der Symbolik des Natürlichen (s. unseren Commentar zur Stelle). Fragt man aber nun, warum jede Abbildung des Göttlichen götzendienerisch sein müßte, so lautet die einfache Antwott: weil dadurch das Unendliche endlich, das Unbegrenzte begrenzt, das Vollkommene einseitig in Vorstellung und Bewußtsein würde. Nicht weil durch eine bildliche Darstellung das schöpferische (demiurgische) und das ethische Princip in Gott „auseinandergeriffen", aus der Einheit in die Zweiheit gebracht würde, wie der Verfaffer meint, sondern eben weil die Vorstellung des Unendlichen und Allheiligen in Gott „entweiht", verdorben, vernichtet würde, und damit an die Stelle des Monotheismus der Polytheismus getreten wäre. Es wäre ganz daffelbe gewesen, schon wenn Gott als Schöpfer allein oder als höchstes ethisches Princip, also selbst nach dem „Auseinanderreißen" bildlich hätte dargestellt werden sollen. Auch da wäre das Unendliche einer endlichen Modalität unterzogen, das Göttliche zum Ungöttlichen, Beschränkten, also in sein Eegentheil gebracht worden. Wir können daher dem Verfaffer auch nicht beistimmen, wenn er fortfährt: „Erst als das Christenthum diese beiden Theile des Absoluten von einander löste und im Gottvater den Urgrund aller physischen, im heiligen Geist den aller ethischen Realität und im Gottsohn die Jncarnation des ethischen Princips erkannte muß wohl heißen anerkannte), ward der Kunst die Möglichkeit'geboten, das Göttliche auch bildlich darzufiellen und dem absolut religiösen Inhalt auch sichtbare Gestalt zu geben." Aber nicht durch die „Voneinanderlösung dieser beiden Theile des Absoluten", sondern weil durch die Menschwerdung Gottes - die „Jncarnation^ das Christenthum zum Heidenthume zurückgekehrt war, wie wenigstens der Monotheismus dies ansehen muß, gestattete es auch die Abbildung des Göttlichen in heidnischer Weise. Trotzdem ist es der christlichen Kunst nie gelungen, Gott den Schöpfer und den heiligen Geist als höchstes ethisches Princip zu einer wirklichen bildlichen Darstellung zu bringen, sondern es gelang ihr dies nur in der Jncarnation in der Person Jesu, weil eben jene das Unendliche begreifen, diese das menschlich Endliche. Denn Niemand wird den alten Mann mit dem langen Batte und den ausgebreiteten Händen für eine wirkliche bildliche Darstellung des göttlichen Schöpfers ausgeben wollen; es ist nichts als Convenienz. Ebenso ist die Taube nur ein Symbol des heiligen Geistes, das ebensowenig den heiligen Geist bildlich darstellt, wie die Eule die Minerva und der Pfau die Juno. Die Griechen wie die Aegypter bedurften zur Unterscheidung ihrer Gvttergestalten von den übrigen Menschengestalten der Symbole; in der christlichen Kunst ist die Taube das Symbol und der heilige Geist ist weggeblieben. — Am Beginn des l. I. von Nr. l an haben wir in einer Reihe von Attikeln, „die Versuchung" überschrieben, dargethan, daß die alttestamentliche Vorstellung von der Versuchung die Idee, der göttlichen Erziehung des Menschen durch seine Geschicke im Erdenleben enthalt und lehtt, und daß die Vorstellung von einem bösen Princip, von einem die Menschen verleitenden, Gott und das Gottesreich bekämpfenden Wesen, von dem Teufel oder Satan in den heiligen Schriften Israelis auch nicht im Entferntesten vorkommt, ja der Anschauung derselben schnurstracks widerspricht. Wir nahmen zu diesem Zwecke alle bezüglichen Stellen der heiligen Schrift durch und wiesen ferner nach, daß daffelbe auch von den nachbiblischen, in griechischer Sprache abgefaßten Schuften gilt, so daß der realexistirende Teufel eine chttstliche Idee und ein christliches Dogma ist, welches im dritten Jahrhundett, wenn auch nur abgeschwächt, in jüdische Kreise drang. Mit dem, was wir dott ausgefühtt, stimmt auch Herr Byk überein, indem er den Gegenstand vom ästhetischen Gesichtspunkte betrachtet. Er spricht (S. 260) von der „symbolischen Darstellung des Bösen", und wollen wir hier seine zutteffende Besprechung anführen: Zunächst gehört hierher „die biblische Versinnlichung des Bösen in der Gestalt der Schlange. Wir begegnen zwar