Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1878)
- Date
- 1878-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in s diS S'/r Bogen. Preis Biertelsährig sMark. Inserate werden mit so Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen au. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoll in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionelle» Anaelezenheiren wende man sich an I»r. *. Dgilipplon in Bonn; hinsichtlich der Jnieraie an "A. Woffe in Leipzig «ns veffen Ki ialcn i» verii«. BreSlau rc. Inserate, welche bisDonnrrstag eingcbcn, finden in der daramfiolgenden sruuimcr Berücksichtigung. Beilagen werden mit I Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 10. December 1878. Jß 50. Inhalt. Leitende Artikel: Analekten: IV. Die Physiologie des Schönen voir S. A. Byk. V. Eine französische Anschauung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Köln, Aus Mittclschlesien, Detmold. Frankfurt a. M. — Oesterreich-Ungarn: Leinberg. Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Correspondenz: Steele. — Eine gegenseitige Rettung (Forts.). Bonn, 4. December. Analekten. IV. Die Physiologie des Schönen von S. A. Byk. (Leipzig. Schäfer, 1878.) Wir haben in Nr. 1. S. 11 l. I. des tüchtigen Werkes „die vorsokratische Philosophie der Griechen" von demselben Autor Erwähnung gethan, von welchem uns jetzt die in der Ueberschrift genannte Arbeit vorliegt. Der Vers, ist weder ein Schöpfer noch ein Anhänger eines bestimmten metaphysischen Systems, und läßt sich darum nicht verleiten, auch die Aesthetik in das Prokrustesbett eines einzigen metaphysischen Princips zu zwangen, wo die Fülle der Erscheinungen ein einfaches Gesetz nicht zuläßt. Herr Byk geht vielmehr dieser Mannigfaltigkeit der ästhetischen Elemente und Bildungen als selbstständiger Denker nach. Wir können ihn natürlich an dieser Stelle auf seinem Wege nicht begleiten, stoßen aber in seinem Werke auf einige Stellen, die uns auch auf unsrem Gebiete interessiren und die wir nicht unbeachtet vorüber gehen lasten wollen. Zuerst beantwortet der Verf. (S. 103 f.) die Frage: warum die Israeliten nicht zur bildenden Kunst kamen? Er sagt: „Den mosaischen Gott, der neben seiner Eigenschaft als Schöpfer und Erhalter der Welt, auch zugleich das höchste ethische Princip ist «Ps. 89, 12—15;Jes. 40, 12 — 15; 41, 17—20; 42, 5—6; 45, 18—19), kann die Kunst unmöglich darstellen. Sein Doppelwesen entzieht ihn jeder Dersinnlichung durch die Kunst. Als absoluter Grund alles Vorhandenen, ist er das von jeder concreten Form sich unterscheidende abstracto Sein, welches Alles erhält, aber weder in der Bestimmtheit der Gestalt vorhanden ist, noch dieselbe zur Manifestation seines rein abstrakten Wesens benöthigt, als ethischer Gott aber, die absolute Sittlichkeit, welche die ethische Form zu ihrer Bedingung hat, in der allein sie sich bethätigen und zur Erscheinung gelangen kann." „Diese Doppelnatur des mosaischen Gottes macht es der Kunst unmöglich, ihn in seiner Totalität darzustellen. Jede künstlerische Darstellung wäre ein Auseinanderreißen des in sich einigen Gottes, der sowohl di-, höchste Abstraction, als der absolute Grund der Individualität, ist und deswegen durch keins von beiden in seiner Totalität zur Erscheinung gelangen kann Die Abstraction würde nur den Schöpfer und Erhalter der Welt als deren absoluten physischen Urgrund, die Individualität nur den ethischen Gott versinnlichen. Daher der völlige Mangel von Bildern im mosaischen Cultus. Der absolute Inhalt des jüdischen religiösen Bewußtseins kann nicht in einem Bilde zusammengefaßt werden. Auch das höchste Kunstwerk erreicht das jüdische Ideal nicht, es würde dem Schöpfer seine ethische Qualität oder dem sittlichen Eros seine demiurgische Eigenschaft nehmen und so durch die Darstellung des einen Theils den andern Theil des Absoluten aufheben."—So scharfsinnig bi;:- ist. so glauben wir doch, daß der Verfasser hierbei über das Ziel