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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-03 · Heft 49 (3.12.1878) · p. Seite 775

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 49 (3.12.1878)
Date
1878-12-03
Page
Seite 775 (sequence 7)
Language
German
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775 Emancipation an sich als einen sehr schweren politischen Fehler zu bezeichnen. Als Hr. Cremer dazu überging, den seit Jahrhunderten sich gleichgebliebenen jüdischen Character nach dem Wortlaute des alten Testaments nachzuweisen, forderte der anwesende Vertreter der Polizeibehörde ihn auf, das Thema fallen zu lasten da dastelbe eine Aufreizung der verschiedenen Gesellschastsklasten enthalte." — Bemerkungen hierzu wären überflüssig. Der ganze Vorgang ist durchaus charakteristisch für den Verlauf der Umtriebe gegen die Juden. Wenn übrigens alles, was nach dem Sinne dieser ultramontanen Wortführer begangener „politischer Fehler" ist, beseitigt werden sollte, würden wir richtig bei Papst Gregor VII anlangen. — Wir wollen hier doch nicht unbemerkt lasten, daß der vieljährige Vorsitzende der Stadtverordneten- Versammlung, unser Glaubensgenoste Dr. Straßmann, sein Amt niederzulegen sich veranlaßt fühlte, jedoch durch eine Adresse sammtkicher Stadtverordneten, welche ihn ihres unbedingten Vertrauens versicherten, diesen Entschluß wieder ausgegeben hat. Die „R. Z." berichtet: Die christlich-sociale Arbeiterpartei hielt am 15. November in Antons Salon (Berg- und Elsasserstraßen Ecke) eine sehr zahlreich besuchte Versammlung, zu der auch viele Socialdemokraten, darunter der frühere Reichstagsabgeordnete Auer, erschienen waren. Die Versammlung bewahrte bis zu Ende einen vollkommen ruhigen Character. Vor Eintritt in die Tagesordnung richtet Herr Stöcker die Aufforderung an die Redner, sich aller Angriffe auf die Juden zu enthalten; er selber werde jede im Fragekasten etwa befindliche Frage, worin der Juden Erwähnung gethan werde, kurzer Hand vernichten. Nachdem unter Einleitung durch eine Piece auf dem Klavier das von dem Hofprediger Stöcker intonirte Lied Moritz Arndt's: „Deutsches Herz verzage nicht, thu' was dein Gewisten spricht", gesungen worden, hielt Herr Hofprediger Stöcker einen längeren Vortrag über: „Rückkaufsgeschäfte und Wucherthum." Redner bezeichnete die „Wucherfreiheit" als eine „Grausamkeit", für deren Aufhebung man wirken müsse und gab eine Statistik der in Berlin bestehenden Rückkaufsgeschäfte. Die folgenden Redner pflichteten chm sämmtlich bei. Herr Versicherungsagent B a l l i n empfahl, sich in Lebensversicherungen einzukaufen, damit man bei eintretender Geldverlegenheit nicht den Wucherern in die Hände falle, sondern nur einfach die Versicherungspolice zu verpfänden brauche. Die Sitzung schloß, ohne daß irgend ein Zwischenfall die Ruhe gestört hätte. (Daß Herr Stöcker völliges Stillschweigen über die Juden seinen Anhängern zur Pflicht machte, erweist, daß die Staatsbehörde, ihm die Unterlassung des Klassenkampfes und so auch gegen die Klasse Bürger, welche sich zur jüdischen Religion bekennen, zur Bedingung gemacht hat, worin wir nichts mehr als eine Befriedigung des allgemeinen Rechtes finden.) Hannover, im November. (Privatmitth.) Es ist erfreulich, daß allmählig sowohl der Unterstützungsverein für israelitische Lehrer für ganz Deutschland, Achawa, als auch die zu demselben Zwecke in einzelnen Ländern und Provinzen gegründeten Kassen in den besten Flor kommen und für die Zukunft eine wachsende wohlthätige Wirksamkeit verheißen. Dies lehrt uns auch der in diesen Tagen ausgegebene „dritte Rechenschaftsbericht über die Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover." Mit dem 1. Juli 1876 trat die Kaffe in Wirksamkeit, d. h. zahlte sie Unterstützungen aus. Mit diesem Tage besaß sie einen unangreifbaren Fonds von 31410 M. Von 1. Juli 1876 bis 31 December 1877 nahm sie außer 298 M. für den unangreifbaren Fonds, an Zinsen, Beiträgen und Spenden 4341 Al. ein, wovon sie 918 Mark verausgabte, worunter 850 Al. an 2 Lehrer. Der Fonds belief sich daher am 1. Januar 1878 auf 35000 M. Es versteht sich, daß, die Folgezeit eine viel größere Summe für Pensionen und Unterstützungen erfordern werde, und es muß daher dafür gesorgt werden, daß der Fonds immer mehr wachse und durch dessen Zinsen später die Mittel hergegeben werden, um die berechtigten Ansprüche vollständig zu befriedigen. Allerdings lief bis jetzt der bei weitem größte Theil der fteiwilligen Beiträge aus der Stadt Hannover selbst ein und verhältnißmäßig nur wenige andere Gemeinden haben sich daran betheiligt. Möchten daher die wiederholt erlassenen Aufforderungen ein willigeres Gehör finden, wie es auch immer noch ein großer Theil der Lehrer unterläßt, sich an der Kasse zu betheiligen, und doch sind von dem Vereine Maßnahmen getroffen worden, welche den Lehrern diese Betheiligung sehr erleichtern. Es ist kaum zu begreifen, wie diese Lehrer sich und die Ihrigen, statt berechtigte Ansprüche durch kleine Geldopfer zu erwerben, lieber einem Bettel um Almosen im Unglücksfalle aussetzen! Aus dem Grotzherzogthum Weimar, im November. (Privatmitth.) Zu den traurigen Pflichten der A. Z. d. I. gehört es, Act zu nehmen von den vielen gehässigen Kundgebungen, die gegenwärtig wieder im deutschen Vaterlande gegen unsere Glaubensgenossenschaft so überaus häufig sind. Wir haben es hier nicht mit einer solchen zu thun, wie sie unter die bekannten Rubriken extremer Parteien, wühlerischer Hetzer zu bringen sind. Die großherzogliche Bezirksdirection zu Dermbach hat die Redaction und Verbreitung einer Brochüre „Agitation gegen den Wucher im Eisenacher Oberland" angeordnet. In dieser Brochüre bemüht man sich wiederholt, darauf hinzuweisen , daß die Wucherer Juden seien. Es wird zwar vorsichtiger Weise gesagt, daß das Justizamt Dermbach auch Ausnahmen kenne — aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Hiergegen hat nun der Großh. Landesrabbiner Dr. Croner ein Schriftchen „Judenhaß oder Nächstenliebe?" (Eisenach, Hofbuchdruckerei, 1878.) erscheinen lassen, in welchen im wahrhaft

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