Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1878)
- Date
- 1878-12-03
- Page
- Seite 773 (sequence 5)
- Language
- German
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773 Emporschießen und Entfaltung, ja bald wieder abgestorben, j maßen erblichen Beschäftigung mit dem Landbau zu, so trt Er geht sogar von der Ansicht aus, daß in der Lebhaftigkeit! Peräa, Babylonien, Syrien, Aegypten, auch Wohl auf Eypern: des Geistes dem israelitischen Stamme die Befähigung zum j aber selbst dort war es nur theilweise zu ermöglichen, und in Handel innegewohnt habe. Diese Ansicht müssen wir völlig j anderen Ländern der Diaspora nur wenig oder gar nicht, bestreiten. Der Geschichtsschreiber darf eine besondere Befähi- Ferner, wo es anging, bildete sich ein Theil von ihnen in gung nicht annehmen, wenn er dieselbe durch anderthalb > den landesüblichen Industrien aus, jedenfalls in Babylonien Jahrtausende ohne irgend welche Bethätigung sieht, ja bei und Aegypten, aber Wohl auch noch anderwärts. Und an stattgefundenen Versuchen, wie unter König Salomo, dieselben nach besten Tode bald wieder aufgegeben sieht, und wenn es endlich einer völligen Umwandlung der Berhältniste, eines Zwanges durch den Kampf um das Dasein bedarf, um eine solche Befähigung zu Tage zu fördern. Zwei Nachweise werden uns daher in dem vorliegenden Werke besonders interessiren: der erste, daß die Juden in Palästina niemals irgend welchen nennbaren Handel getrieben, und der zweite, auf welche Weise ste, nachdem sie durch die Länder zerstreut waren, zur Handelsthätigkeit übergingen. Diesen letzteren führt Herzfeld mit großer Belesenheil aus. Wir wollen deshalb hier Einiges aus seinem Schlußworte (S. 271 flg.) wörtlich anführen: „Die erfolgten beiden Exile und die Rückkehr aus dem baby- Handwerkern für das tägliche Bedürfniß, wie Bäcker, Fleischer, Schneider, Schuster u. s. w., sowie an Solchen, welche sich zu Handlangerdiensten verschiedenster Art hergaben, hat es unter ihnen, namentlich da, wo sie in größerer Menge beisammen wohnten, gewiß nirgend gefehlt, gleichwie in jeder größeren Gemeinde auch später selten; und wo die übrige Bevölkerung nicht gerade feindselig gegen sie gesinnt war, welches bestere Berhältniß in der alten heidnischen Zeit viel öfter als nachmals unter den Christen vorkam, da werden diese jüdischen Handwerker auch Wohl von ihr einige Verwendung gefunden haben. Aber rücksichtlich aller dieser Arten eines bescheidenen Broderwerbs waren nicht selten die Umstände ungünstiger, und außerdem die Rührigsten, die Aufgewecktesten mochten sich zu Ionischen lasten aber nicht zu, hier noch weiter von Israel als! diesen mechanischen und zugleich nur geringen Verdienst zu- Ganzem zu reden, die Theile des zerrissenen Volkes mußten! sichernden Lebensberufen nicht sonderlich hingezogen fühlen; der eigene Wege gehen und gingen sie. Die aus Babylonien j Handel, welchen sie in vielen Ländern und Städten ihres heimgekehrten Juden lebten Jahrhunderte lang in den dürfj Aufenthaltes blühen sahen, mußte ihrer natürlichen Lebhaftigtigsten Verhältnissen und oblagen den erwähnten Beschäftigungen; feit mehr Zusagen, ohnehin war er in vielen Fällen der ihnen ihrer vorexilischen Ahnen, nicht gerade mit Ausschluß des Handels, aber dieser war bei ihnen kaum nennenswerth. Indessen sahen wir, daß und warum es hierin ganz bedeutend anders in der griechischen Zeit wurde: in den zweihundert Jahren vor der Zerstörung Jerusalems durch Titus waren die palästinensischen Juden zwar immer noch kein Handelsvolk, zugänglichste Erwerb, trug auch, wie gesagt, mehr ein, und nicht selten schon werden sie — wie freilich noch viel häuftger im Mittelalter — in dem Besitz von Vermögen das wirksamste Mittel erblickt haben, Schutz gegen Uebelwollen oder eine erträgliche Stellung sich zu erwirken. Konnte es da fehlen, daß Viele von ihnen sich diesem Gewerbe mit Eifer ja sie wurden dies auch niemals, aber neben Landbau und j zuwandten, und daß ihr Erfolg abermals Viele auf diese Bahn etwas mehr Gewerbfleiß als früher wurde doch der merkan-! zog." „Daß es an Geschick zur Handelsthätigkeit den Juden tilische Verkehr jeder Art in Palästina reichlich in dem Maße niemals gefehlt habe, wurde schon vorhin zugestanden, die betrieben, wie bei jedem anderen Culturvolke des Alterthums: jetzige Uebung darin steigerte aber ihre merkantilischen Fähigvon nicht gerade ausgeprägter Handelsrichtung, wogegen die j feiten noch, und dies, verbunden mit dem reichlichen Gewinn jüdische Bevölkerung der palästinensischen Seestädte allerdings' dieser Beschäftigung, erweckte'wirklich allmälig eine entschiedene diese Richtung entschieden nahm und Jerusalem in Folge der! Neigung für dieselbe, welche den ältesten Juden fremd war. früher aufgezählten Anlässe — nicht etwa eine Handelsstadt, j Diese erwachte Neigung hat aber auch zur Verbreitung des Wohl aber der Sitz eines ganz bedeutenden Handels war. j jüdischen Stammes und zu den Richtungen, nach welchen hin Nach seiner Zerstörung und vollends nach der Katastrophe vom dieselbe ersolgte, wesentlich beigetragen. Nämlich allerdings Betar sank der palästinensische Handel außerordentlich: völlig hörte er auch da nicht auf, wie oben genugsam nachgewiesen wird gar manche Weiterwanderung von Einzelnen oder Wenigen, wie von Vielen aus einmal, in der Absicht ausgeführt worden wurde, allein von welchem Belange konnte er bei einer Be-! sein, in dem neuen Wohnsitze ohne Vorliebe jede Weise des völkerung sein, die nicht etwa decimirt, sondern auf eine, Broderwerbs, die er darbieten würde, zu ergreifen; aber die Decima zusammengeschmolzen und ausgeplündert, sowie auch! schon damals (zu Ende des ersten christlichen Jahrhundertsnachgehends vielen Verfolgungen und allen Erpressungen ausj so außerordentlich große Verbreitung der Juden setzt eine solche gesetzt war„Ganz andere Bahnen mußten die Juden in! Unzahl von immer neuen Fortwanderungen voraus, daß zu den unzähligen Ländern ihrer Zerstreuung gehen. Wo es > ihrer Erklärung das angegebene Motiv allein schwerlich ausanging, wendeten sie sich freilich immer noch gern der gewisser-1 reicht. Und bei dem Suchen nach einem ferneren fand ich kein