Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1878)
- Date
- 1878-11-26
- Page
- Seite 760 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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760 Erneuerung und Vermehrung der Mittel zum Leben verwendet' Reichstag das Socialistengesctz votirt und erlassen haben, und wird. Kapital ist jede angesammelte Kraft, über die der! täglich socialistische Schriften und Zeitschriften verboten werden, Mensch zur Erreichung des Lebenszweckes verfügt; Kapital! das k. Consistorium der Provinz Sachsen die berufene Schrift ist der ganze Vorrath von Werkzeugen, über den die Welt!des Pastors Rudolf Todt: „Der radicale deutsche Soverfügt, um Güter zu schaffen und zu erhalten, um die Be-1 cialismus und die christliche Gesellschaft", die soeben in einer friedigung aller Lebensbedürfnisse mehr und mehr zu vervoll-! zweiten vermehrten Auflage erschienen ist, durch einen Erlaß kommenen. Von dem kleinsten Werkzeuge bis zur vollkomempfiehlt, während doch dieses Buch die Grundsätze des mensten Maschine, von der kleinsten Werkstätte bis zur riesigsten Spinnanstalt, welche tausende von Spindeln Tag und Nacht in Bewegung setzt, ist alles Kapital." „Den Gegensatz zwischen Socialismus nicht allein billigt und rechtfertigt, sondern auch auf dem Wege der willkührlichsten und abenteuerlichsten Exegese im Neuen Testament ausgesprochen findet. Nach ihm ist Kapital und Arbeit Hervorrufen heißt ein Ding, das nur Eins! die socialistischc Gesellschaft die wahre christliche und der christist, in zwei zerschneiden. Kapital ist nichts als gesammelte Arbeit. Das Kapital zerstören, heißt die Arbeit untergraben, und das Kapital solcherweise vertheilen, daß der Trieb zu dessen Ansammlung vernichtet wird, heißt eben das Angesammelte und die Kraft und Lust zur Ansammlung selbst verliche Staat, die christliche Obrigkeit verpstichtet, die socialistische Gesellschaft herzustellen. Wenn also die staatliche Auffichtsbehörde durch das Gesetz angehalten ist, die Bekenner des Socialismus in Wort und That vor die Thür zu setzen, so öffnet ihnen das k. Consistorium die Pforte, um, wenn sie nur den Nichten." — Ebenso klar spricht Bamberger über das „Bür-! Mantel der Gläubigkeit umwerfen, sie wieder herein spazieren gerthum", welches nichts Anderes ist als „der gesunde Men-! zu lasten! Daß Herr Pastor Todt zu den christlich socialistischenverstand." Er sagt: „Die Sache des Bürgerthums ist nicht die Sache einzelner Theile der Bevölkerung, welche sich, wie man behaupten will, nur im erworbenen Besitze schützen, sich engherzig abschließen wollen gegen die Leiden und Bedürfniste anderer Schichten der Nation. Das Bürgerthum im wahren Sinne schließt 'alle Elemente des Volkes in sich ein. schen Grundsätzen auch die Republik rechnet, und sich das kön. Consistorium auch dies gefallen läßt, muß auffallen. Weniger auffällig jedoch ist, daß das Consistorium hiermit auch die schändlichen Angriffe und Verdächtigungen gegen die Juden billigt, welche der evangelische Pfarrer losläßt; wir wissen es ja längst, daß die protestantischen Pietisten neben den süßlichen weil es in ewigem Austausch der Bestandtheile zu allen steht, > Worten der Missionäre auch die vergifteten Waffen des Judenweil es keiner Klasse das Recht einräunrt, weder nach oben j Hasses führen. Eine Erklärung jenes Consistorialerlasses zu noch nach unten eine Kraft für sich zu sein. Die Sache des geben, ist Sache dieser Behörde selbst. Wir wundern uns Bürgerthums hat ihren großen Beruf, weil sie die Sache des gesunden Menschenverstandes, zugleich der Verantwortlichkeit, der Sorge für sich selbst ist. Das Bürgerthum, das sich quält im Erwerb, aber auch durchdrungen ist, mehr noch als der blos für den Tag Arbeitende, von der Nothwendigkeit zusparen, Kapital zu schaffen und weiter zu wirken; aus den Fleiß, die Thatigkeit der Einzelnen den Fortbestand der Familie zu bauen; dieses Bürgerthum hat einen besonderen Beruf in der phantastisch bewegten Gedankenwelt unsrer wirthschaftlichen Streitigkeiten; ihm ist die Erhaltung der Kräfte und die Vertheidigung gegen alle gefährlichen Angriffe besonders anvertraut." — Ich muß aufhören zu citiren, sonst würde ich noch die Stelle anführen, woder Redner mit kurzen aber zutreffenden Worten von der chimärischen „Gleichheit des Socialismus, von der vorgeblichen Beschränkung des Arbeiters, während alle Klassen, besonders die industriellen und merkantilen in ganz gleicher Weise von Nachftage und Angebot abhängen, vom Glück und Unglück spricht, wie weit es mit dem Besitze verbunden sei u. s. w. Ich will mir nur Vorbehalten, in einer folgenden Correspondenz einige erläuternde Bemerkungen über den Standpunkt des Herrn Bamberger hinzuzufügen. Magdeburg, 11. Nov. tPrivatmitth.) Es ist eine seltsame Erscheinung, daß, während die Reichsregierung und der nur, daß Licht und Schatten so ungleich vertheilt werden, die Socialisten hüben empfohlen, die Socialisten drüben — allerdings gesetzlich — verfolgt werden. Speyer, 12. November. 'Privcrtmitth., Beifolgend sende Ihnen unter Kreuzband -4 Nummern der hiesigen ultramontanen „Rheinpfalz", worin ein, mit der Ueberschrift „Semitisches" versehener fortlaufender Leitartikel enthalten ist, der an strotzendem Hasse, an Gemeinheit und Ruchlosigkeit, Wohl nicht leicht übertroffen werden kann. Dieses Blatt brachte schon öfters ähnliche Artikel gegen Juden und Judenthum, die man entweder ignorirte, oder in einem andern hies. Blatte replicirend kurz abfertigte. Diesmal jedoch scheinen mir die Gränzen für ein gelindes Vorgehen, oder gar für Schweigen, als auch die der Gesetze weit überschritten. Wir begegnen hier einer vollkommenen Volksaufteizung und haben unter Umständen periculum in mora. Die Staatsbehörde wurde bereits auf die Verderblichkeit und Gefährlichkeit dieses Scriptums aufmerksam gemacht; was erfolgen wird, wollen wir abwarten. Der Autor jenes schmachvollen Artikels scheint wahrscheinlich dadurch entschlüpfen zu wollen, daß er ein Conglomerat von Citaten— jedoch ohne genaue Angabe der Duellen— bringt, die aus finstern Zeiten und aus Schriften herstammen, die heute gewiß confiscirt werden würden. U.