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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-11-26 · Heft 48 (26.11.1878) · p. Seite 759

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 48 (26.11.1878)
Date
1878-11-26
Page
Seite 759 (sequence 7)
Language
German
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75)9 worden, das sehr zu schätzen ist. Ich erwähne hier zum Bei-' unterstützt wird, kann sie nur ein Mal jährlich erscheinen. So spiel die Erzählungen von Bagroff, die auch in der t>atcr= ■ ift die Thätigkeit dieser Literatur noch einer sehr geringe, und ländischen Literatur einen ehrenvollen Platz einnehmen; die § kann man noch von ihrer Wirksamkeit kaum sprechen. Erzählungen von Lewanda und N. Nabbinowitz; die überaus I So viel von unseren literarischen Bestrebungen hinsichtlich werthvollen wissenschaftlichen Arbeiten von Pros. Chwolsohn,! der Lösung der Judenfrage. Was der „Verein zur Verbreitung Orschansky und Margolius und deren publicistische Artikel. | der Bildung unter den Juden in Rußland" zur Lösung der Leider haben wir jetzt kein Organ in der Landessprache. „Die i besagten Frage geleistet und leisten konnte, werde ich im hebräische Bibliothek", herausge geben von Herrn Landau, bringt nächsten Briese besprechen. F. (1. uns sehr gediegene Leistungen, aber weil sie leider sehr wenig > ^£eLblLllCj 6llOCC&tXc6tdt. Deutschland. Leipzig, 74. Nov. (Privatmitth.) Die Zeit, in welker ' behauptet wurde, daß es der Religion ganz gleichgültig sei j welche politische und sociale Wandelungen vor sich gehen, indem die Religion lediglich aus den Seelenzustand des Individuums einzuwirken habe, ist wohl vorüber. An und sür sich schon kann in unsrer Zeit unter den mächtigen Strömungen der politischen und socialen Anschauungen von einer Einwirkung der Religion aus das Individuum nicht viel mehr die Rede sein, wenn sie eben jene Strömungen außer Acht und außerhalb ihres Gesichtskreises hält. Es war daher ein richtiger Takt der A. Z. d. I., schon von den vierziger Jahren her den socialen und politischen Grundinhalt des Judenthums an's Licht zu kehren und zu betonen und so dem Judenthume seine Stellung zu den socialen Verhältnisien zu bewahren. Es wurde deshalb auch in diesen Blättern die socialistische Erscheinung oft erörtert und so kann der Vortrag, welchen einer unsrer hervorragenden Glaubensgenossen, Herr Ludwig Bamberger am 21. October hier gehalten, und welcher ein gerechtes Aussehen gemacht hat, nicht unerwähnt gelassen werden. I Mit großer Klarheit und Bestimmtheit zeigt er, daß das So-' cialistengcsetz nur von Wirkung sein könne, wenn „die deutsche! Nation zugleich zur Erkenntniß von der Falschheit der socia-! listischen Projectenmacherei überhaupt kommt." Bamberger' hat schon 1873 das Wort gegen die socialdemokratische Bewegung genommen; er hat im Anfang des laufenden Jahres, bevor die Attentate aus den Kaiser geschahen, auf die nahe Gefahr der Explosion hingewiesen und die Ursachen nachzuweiscn gesucht, aus welchen gerade in Deutschland die Socialdemokratie so schnell einen ausgedehnten Boden finden konnte. Seine Weisheit datirt sich also nicht erst von dem Augenblicke, wo die Meuchelmörder ihre Geschosie aus das Haupt des deutschen Reiches richteten. Es ist vielmehr eine bewährte Einsicht, die sich vernehmen läßt, und deshalb um so mebr gehört zu Werder: verdient. Vor Allem verurtheilt er die aus falschen Ansichten und Gefühlen hervorgegangene Hinneignung zu dem socialistischen Theorien, die sich in so vielen Schichten des deutschen Volkes gezeigt hat, und scheut sich nicht, diese Connivenz bei dem Reichskanzler, bei Lasker und Bennigsen nachzuweisen und zu bekämpfen. Er brandmarkt den Socialismus als die höchste Reaction, welche alle Errungnisie der Menschheit Umstürzen, und längst überwundene Zustände der Knechtung wieder zurückführen will. Darum sind es gerade reactionäre Mächte, welche dem Socialismus Vorschub leisten. Ten Kern der Opposition gegen das Socialistengesetz bildete das Centrum und er erinnert daran, daß desien Führer heuchlerisch sich für Vertreter der Freiheit ausgeben, während sie „nur aus die Unterdrückung der geistigen Bewegung, d. i. jeder menschlichen Bewegung hinzielen. „Diesen, welche doch die Allgewalt der römischen Kirche beanspruchen und die Autorität der Bischöfe auch sür die öconomischen Verhältnisie verlangen, gesellen sich die orthodoxen Protestanten, namentlich einige Sectirer (christlich-socialistische), welche sich im Staate zurückgedrängt -fühlen, und nun „wild und frivol crperimentiren, sich ihre Anhängerschaft bis in die möglichst unklaren und unruhigen Elemente hinein zu verschaffen",! um sich wieder eine Herrschaft im Staate zu erwerben. Hieran schließen sich die rcacnonären Fractionen, welche in den Zunftzwang, in die äußerste Beschränkung der Freizügigkeit, der freien Wahl des Berufes, der Verheirathung u. s. w. zurückdrängen wollen und die alte Feudalherrschaft zum Ziel haben. Wir brauchen hierbei nicht zu bemerken, daß es gerade dic- | selben finsteren Mächte waren und sind, welche den schändlichen I Feldzug gegen die Juden auf dem Wege schamlosester An- ' schuldigungen ausführen und denen die bürgerliche Gleichstellung der schärfste Dorn im Auge ist. Sie sind es auch, welche j dem Socialismus die Bahn frei erhalten wollen, um die bestehende Gesellschaft in die äußerste Verwirrung zu stürzen und dann sich ihrer zu bemächtigen — ein sür sie selbst sehr gefähr-; liches Experiment. Nichts ist aber in dem Vortrage des Herrn , Bamberger interessanter und belehrender, als wo er von dem * vielangefochtenen Kapital und Bürgerthum spricht. Er sagt: „Was ist denn Kapitale Kapital ist alles, was zur Erhaltung,

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