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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-11-26 · Heft 48 (26.11.1878) · p. Seite 757

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 48 (26.11.1878)
Date
1878-11-26
Page
Seite 757 (sequence 5)
Language
German
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<•> i Diese unheilvolle Reformsucht tritt in der neuhebräischen Lite- Im Dienste der modernen Cultur aber kann sie nur eine ten-- ratur in voller Kraft und Rücksichtslosigkeit hervor.!denziöse Bedeutung haben, sie soll den Juden, die noch keine Noch weit schädlicher als die Autodidarie und die Reformj andere Sprache verstehen, europäisches Leben und Wisien zusucht war für die neuhebräische Literatur die falsche Anschauung | gänzlich machen. Allein sie als eine Umgangs- und Literaturhinsichtlich der hebräischen Sprache. Die besagten Literaten ^spräche in allen Dingen zu behandeln, ist ein Nonsens und haben sie als eine vollständig neue oder wenigstens zu erneuern i kann zu nichts Gescheidtem führen. Nun wurde sie als solche mögliche betrachtet und danach sie handhaben wollen. Das! als völlig lebende und nicht als bloße tendenziöse Sprache war grundfalsch und hat viel geschadet. Das Studium und gehandhabt, und das war schlimm. Denn der tendenziöse die Pflege einer Sprache kann von vielfachem Nutzen sein. Es! Schriftsteller muß gewisse Rücksichten nehmen, die andere nicht kann einen rein wissenschaftlichen Werth haben, also einen j brauchen, er muß stets zwei Momente nicht aus dem Auge archäologischen, philologischen oder insofern es uns das Schriftj lassen; erstens, er muß sich des Zieles klar bewußt sein, zu thum eines Volkes vermittelt; es kann auch von religiöser oder j welchem er sein Publicum fuhren will, zweitens, er muß dem nationaler Bedeutung sein, oder es kann irgend einer bestimmten Geiste und Geschmack des Letzteren Rechnung tragen. Hätten Tendenz zu Gebote stehen, indem es einem Vublicum als Dolmetsch! unsere neuhebräischen Schriftsteller das berücksichtigt, wir wären dient. Soll aber die Pflege einer Sprache die Fortbildung; vielleicht um 'JO Procent neuer literarischer Productionen der betreffenden Literatur zürn Ziele haben, so muß folgenden ärmer, aber wir hätten doch dabei eher gewonnen als ver- Änforderungen genügt werden. Tie in Rede stehende Sprache. loren; sie hätten sich beschränkt, den Juden durch leichtfaßliche muß Umgangssprache eines noch lebenden Volkes sein, und, und im jüdischen Geiste gehaltene historische, naturwissenschaft- .muß dieses Volk entweder schon im Besitz politischer Selbsti liche oder sonst welche Schriften, die seinem Charakter, Geständigkeit sein, oder wenigstens nicht hoffnungslos danach; schmacke und Bildungsgrade entsprechen, zur Bildung anstreben. Nun hat das Hebräische schon langst ausgehört. Umj zuregcn und in liebevoller Weise aus den Weg zu führen, gangssprache zu sein und wir Juden sind weder politisch welchen er wandeln sollte. Nun, die erwähnte falsche Anselbstständig, noch ist daraus unser Streben gerichtet, so daß j schauung im Vereine mit der Autodidarie und Reformsucht wir hoffen könnten, die hebräische Sprache zur politischen! haben in den letzten Decennien eine Literatur von hunderten Sprache und die hebräische Literatur zur Nationalliteratur zu von Bänden zu Tage gefördert, aber leider nur herzlich wenig erheben. Die Fortbildung der hebräischen Literatur hat da noch! Lesenswerthes. Es ergreift Einen eine tiefe Wehmuth, wenn wenigstens einigen Sinn gehabt, als die Juden einen Staat im man einen genaueren Einblick in diese Literatur gewinnt. Staate bildeten, und in den engen Mauern des Ghetto noch ein trauriges politisch selbstständiges Dasein mit eigenem Gerichtswesen fristete. Da war noch das Hebräische, wenn auch nicht in aller, so doch in vieler Beziehung Umgangssprache, es war officielle Geschäfts- und Gerichtssprache und die der gesammten jüdischen gebildeten Welt. Tenn fast Alles, was der Jude von theologischem und weltlichem Wissen genossen, geschah vermittelst des Hebräischen. Ihrer bedienten sich auch die Frommen res* 'EM da sie Hn '",2“ nicht sprachen. Diese Bedeutung hat die hebräische Sprache nun nicht mehr. Tie engen Wie viel Talent, wie viel Arbeit und wie viel guter Wille liegt hier nicht unter einem Haufen Schutt begraben, aber auch wie viel fteche Charlatanerie, sich breit machende Unwissenheit und aberwitziger Cynismus stolziren unverschämt einher. Haben unsere Pioniere, wie I. B. Lewinsohn, Ai. A. Günzburg, A. B. Lebensohn, S. Finum noch Talent, Wissen und sittlichen Ernst gehabt, so waren sie doch mehr oder weniger von jenen erörterten drei Uebelständen nicht frei und ging in Folge dessen dem neuhebräischen Dichter einerseits der feinfühlende Geschmack und die ästhetische Durchbildung des Mauern des Ghetto vom Sturme der Zeit mächtig erschüttert,! modernen, anderseits die naive unmittelbare Naturanschauung stürzen. Gottlob, immer mehr zusammen. Ter jetzt so großes und die Freiheit und Kraft des Ausdrucks des Dolksdichters Drang nach allgemeiner Bildung, unsere gegenwärtige politische j ab; ebenso dem jüdischen Publiciften der gesunde publicistische und sociale Stellung macht uns die Kenntniß der Landes-^ Tact und die gewandte Vielseitigkeit; ihre Nachzügler aber spräche zur Nothwendigkeit, und ist auch patriotische Pflicht, j sind meistentheils erbärmliche, naseweise Stümper, oberflächlich sie nach Kräften zu pflegen. Das schließt allerdings das Stu^ aufgeklärte, halbgebildete Jeschiwa-Bachurim, ausgerüstet mit dimn der hebräischen Sprache noch nicht aus. Sie ist noch I jämmerlich geringem Wissen, aber mit großer Frechheit und immer und wird auch immer von großer Wichtigkeit für uns kleinlichem Ehrgeiz, als Schriftsteller zu brilliren. Diese bleiben. Sie ist mit dem Wesen unserer Religion eng verj Universalgenies, die mit gleicher Unwissenheit und mit gleicher bunden, sie ist noch gewissermaßen ein Kitt, welcher alle Juden Unverschämtheit auf allen Gebieten der Wissenschaft und in auf der weiten Erde zusammenzuhalten geeignet ist; ebenso ist es zu wünschen, daß die jüdische Wissenschaft sich ihrer bediene, damit sie, diese Wissenschaft, Gemeingut aller Juden werde. allen Arten der Poesie herumpfuschen, sind Sie betrachten die Literatur nur als Arena ihres Ehrgeizes. Da ihnen nichts heilig ist, entblöden

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