Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-27 · Heft 116 (27.9.1838) · p. Seite 469

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 116 (27.9.1838)
Date
1838-09-27
Page
Seite 469 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224973--01313-3306788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

469 in einen neuen Beweis der großen Wahrheit, daß Emancipation das einzige Mittet zur Veredlung einer unterdrückten Menschenklaffe ist. Wir brauchen aber nicht so weit zu gehen, um zu diesem Resultate zu gelangen; denn Jedem, der blos eine Erfahrung von 30 — 40 Jahren hat, wird es ausfaltcn, welche große Veränderung bei uns mitLage und Sitten der Juden in diesem kurzen Zeiträume vorgegangen ist, und Niemand kann bezweifeln, daß diese Veränderung dadurch bewirkt wurde, daß sie allmälig an Rechten und Pflichten mit den übrigen Bürgern des Staates gleichgestellt worden sind. Frederik der Sechste löste das Band der Leibeigenschaft, wclches so schwer auf dem Bauernstände lag; er hob den Sklavenhandel auf, und gab dadurch dem Aufhören der Sklaverei einen wichtigen Anstoß, und schenkte spater den Fceinegern Bürgerrechte; er war es auch, welcher allmatig die Bande löste, die auf den Juden lasteten, indem er ihnen namentlich das Recht zu bürgerlicher Nahrung einraumte; er stellte sie gleich mit den Christen in Hinsicht auf Militairdienst, und sorgte für den Unterricht der jüdischen Jugend. So sind jetzt die Juden im Besitz der meisten bürgerlichen Rechte; freilich giebt es noch mehrere Aemttr, von denen sie ausgeschlossen sind, obgleich man aber vielleicht meinen könnte, daß man, was einige betrifft, noch zu ängstlich ist, so lasten sich doch immer mehr oder weniger wichtige Gründe, aus ihrer Religion entnommen, für diese Ausschließung anführen. Das Recht aber, von dem hier die Rede, ist ein reines Bürgerrecht, ein Recht, auf das jeder dänische Bürger großen Werth setzt. Es scheint um so mehr Grund vorhanden zu sein, es ihnen einzuräumen, da kürzlich durch das Communalgesetz für die Handelsstädte, welches von der Versammlung in der vorigen Session geprüft wurde, die Juden nicht davon ausgeschlossen sind, eligirte Bürger und bürgerliche Rathsherren zu werden. Es wäre erinnert worden, daß in der Standeversammlung auch Sachen vorkamen, welche das christliche Kirchenrrnd Schulwesen betreffen; — es würde aber kaum der Entscheidung über diese Sachen schaden können, wenn ein oder zwei Bekenner des mosaischen Glaubens zugegen waren; wogegen man eher Etwas dagegen einzuwenden hatte, daß Sachen, welche die Juden als solche betreffen, von einer Versammlung geprüft werden, welche aus lauter Christen besteht. Es wäre angeführt, daß die Juden nur in einem oder nur sehr wenigen Landern Zutritt zu der Volksrepräsentation hätten; aber, als Frederik der Sechste das Band der Leibeigenschaft löste, fragte er nicht, ob die Leibeigenschaft in Rußland und Polen, ja nicht einmal, ob sie in Holstein gehoben wäre, und als er den Sklavenhandel aushob, fragte er nicht, ob er bei andern Nationen verboten wäre. Daß der König nicht sogleich bei der Einrichtung der Srandeinstitution den Juden Wählbarkeit gegeben, davon könnte vielleicht der natürliche Grund darin gesucht werden, daß er erst erfahren wollte, wie ein Solches zu den Wünschen des Volks stimme. Nachdem noch Agent Nielsen sich für die Niedersezzung'eines Committöe ausgesprochen hatte, wurde durch Abstimmung, welche auf Kaufmann Ludwigsens Begehren mit Kugeln geschab, mit 24 gegen 22 Stimmen entschieden, daß der Vorschlag der Prüfung eines Committöe unterworfen werden solle, und zwar aus 3 Mitgliedern, wozu durch Stimmenmehrheit der Oberst Brock, der Bischof Otlgaard und der Stistsamtmann Rosenörn gewählt wurden. Belletristik. Pietät. Erzählung nach dem Talmud. O daß Jeder feine Aeltern ehrte, — Spricht der weise Rabbi, der Gelehrte, Zu den Schülern, die ihm nahn - Wie der Heide Dama Ben Retina Einst in Askalon gethan! Käufer waren zu ihm hingekommen, Die von einem Edelstein vernommen, Den er kostbar nannte sein: — Und für tausend goldene Sehubün Gingen sie den Handel ein. Um den Stein zu holen, tritt in'S Zimmer Ben Retina, wo der Demant immer Wohl verwahrt im Kästchen lag; — Sieh, da schläft sein Vater auf dem Divan, Müd' und matt vom heißen Tag. Und eS stützt der Vater seine Füße Auf daS Kästchen, daß er so genieße Ruhiger des Schlummers Glück; Leise schleicht da auS dem Zimmer Dama Zu den Fremden schnell zurück. „Zürnet nicht, so redet er zu ihnen, „Daß ich ohne jenen Stein erschienen, „Den ihr ungesäumt begehrt; „Doch verbeut es mir die Kindesliebe, „Die des Vaters Schlummer ehrt." „„Ha! wir glaubten nie, so sprachen Jene, „„Daß voll Eigennutz der Heiden Söhne, „„Doch Du giebst uns den Beweis! „„Run, so bringe gleich herbei den Demant, „„Doppelt zahlen wir den Preis!""

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.