Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 116 (27.9.1838)
- Date
- 1838-09-27
- Page
- Seite 470 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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470 Und -sie sehen Dama ohne Weilen Wieder in des Vaters Aimmer eiten, Der so eben nun erwacht: Und er bringt den Edelstein den Käufern, Die entzückt von seiner Pracht. „Nimm', so rufen ste mit freudigem Blicke, „Aween Tausend jetzt der Gold es stücke, „Die wir jüngst Dir zugesagt, „Gern weht gäben mehr -wir für den Demant/ „Da er wahrlich uns behagt!" — Doch cs spricht der Heide edlen Sinnes: „Nimmer übt' ich wegen des Gewinnes „Die mir heil'ge Kindespflicht; „Tausend der Sehubim mir gebühren, „Doch die andern mag ich nicht!" Berlin. Ludwig Liber. Corresprudenzen, Auszüge, Repliken, Odessa, I. August 1838. Zur Entlarvung eines Pseudonymen. ^Schluß.) Doch da fein Ding so schlecht ist, daß man ihm nicht auch eine gute Seite abgewinnen tonnte, so muß ich, um da6 Sunm Cuique zu bewahren, dem Verfasser, trotz aller seiner Lügenhaftigkeit, Lächerlichkeit, Gemeinheit und Ignoranz, womit feine Scbrifr überschwemmt ist, einen kleinen Ueberrest von Gewissendafrigtcir zusprechen; ind^m er sich nicht scheuet zur Steuer der Wahrheit sich selbst als offenbarer Lügner öffentlich an den Pranger zu stellen. Denn in seinem Vorworte sagt er: „Schließlich muß ich bemerken, daß die Pseudonvmnar unter die ich mich berge (verberge) keineswegs dahin gedeutet werden möge, als wollte oder konnte ich etwa meine Ansichten nicht vertreten, und meine Behauptungen nicht verbürgen. Die litcrärische Polemik ist heut zu Tage so verdächtig, daß man sogar jedes Urtheil, daö der Sache gelten soll, aus Kesten der Persönlichkeit schreibt. Darum eben habe ich meinen Namen verschwiegen, damit der Leser vorläufig sonjcbcw persönliche Verhältnisse wegfthen, und nur die Sache berücksichtige." Diese Phrase ist so, wie die meisten in dieser Schrift, unklar weil undeutsch, und bedarf eines Commentars, diesen aber glaube ich in der Persönlichkeit des Verfassers, wie sie durchgangs in seiner Schrift sich abspiegelt, gesunden zu haben. ES stellt sich heraus, daß ihm zwar Kenntnis; deS Talmuds, seiner Comwentare und Epitome nicht abzusprechen, wol aber der gänzliche Mangel alles übrigen Wissens, selbst bis aus das Verstehen eines für die früheste Jugend in deutscher Sprache geschriebenen Lesebuchs, zuzusprechen sei; dann, daß er vernachlässiget in seiner Erziehung, wild und roh ausgewachsen, aller sittlichen Bildung ermangele, und daß er den taimudischen Satz — an^'Ttät nmK n"n ^3 brnri-in allzu oft bewährt. Ferner, daß er eine große Dosis von Authadie oder Gefallen an sich selbst besitzt, seinen etwaigen Werth überschätzt, und sich als einen ithü TJ"P hält. Daraus gehet hei'vor, daß er mit dieser Phrase sagen wollte: „Hatte ich dieser Schrift meinen berühmten Namen vorsetzen wollen, so würde dessen Celebemät schon hinlänglich gewesen sein, alle Gründe und Einwendungen der Gegner mederzuschlagen, da ich es aber nicht wollte, so ließ ich mich zur Polemik herab." — Zugegeben, wenn die Polemik auf eine Art wie es einem gebildeten, und besonders einem sanft- und demüthigcn Rabbi, wie er sein soll, geziemt, in einem den Gegner und das Publikum, welches man für die Wahrheit gewinnen will, bescheidenen und belehrenden Ton sich äußert. Nicht aber in einer Sprache, wie sie in dieser Schrift durchaus herrscht, die von bitter böser Galle übersprudelr, und durch die niederträchtigsten Jnvektiven und der krassesten Vehemenz, deren sich salbst der moderigste Troßbube schämen würde, sich ausspricht., und wie der Verfasser in der Vorrede so elegant sich auszusprechen beliebt, mit Prügel drein schlägt, und dem Gegner das Mavl zu stupsen sucht. Bei aller der anscheinenden Redlichkeit des Verfassers, welche durch das Bekenntnis, daß nicht Rabbi Gamaliel Justus, -sondern er als Anonnmus der Verfasser dieser Schrift sei, sich kund giebt, 'liegt in diesem Geständnisse selbst noch eine versteckte Lüge, indem or von sich selbst im Singular spricht, da dock aus dem verschiedenartigen Srvl und der mannigfaltigsten Darstellungsweise, welche in diesen Blättern sich äußert, es auch dem ungeübtesten kritischen Auge sonnenttar sich darstellt, daß dieselbe nicht auv einer einzigen Feder geflossen sei, sondern daß drei verschiedene Comprlatoren daran gepfuscht haben. Der eine hat die rabbinischcn Citaten als das Gerippe dazu geliefert, und da er sich bewußt war, daß sein Mitarbeiter, der Uebersetzer dieser Citaten, nicht Hebräisch, und um so weniger Rabbinisch versteht, und er selbst sich nicht verständlich deutsch auszudrücken vermag, so bat er, wahrscheinlich um seinem Helfershelfer die Arbeit zu erleichtern, diese rabbinischcn Ciraken vorläufig in dem gewöhn sichern jüdisch-deutschen Jargon übersetzt. Der Zweite hat aus Unkenntnis der rabbinischcn, und nicht hinlänglicher Kenntniß dev deutschen Sprache, diese Stellen schlecht und unrichtig übersetzt, und dazu eine, theils aus unverdau et philosophischen und theils aus rabbulifrischen Floskeln, bespickt mit einigen lateinischen Brocken zusammengesetzte Sauce, doch ohne Satz, zubereitet; so wie der Dritte, welcher der Eingangs gedachte Exporteur zu sein scheint, eine aus dem tiefsten Sumpfe der Gemeinheit geschöpfte ekelhafte Gauche darüber geschüttet hat. Aus den hohlen rabbulisten und sophistischen Phrasen, schiefen Wendungen, Verdrehungen und Spiegelfechtereien, deren dieses Machwerk voll ist, scheint sich zu ergeben, daß die beiden zuerst genannten Impostoren sich mit der Juristerei befassen, und der eine ein Jurist ohne Jurisdiction, so wie dcr zweite ein Jurist ohne Praxis sei, obgleich er zugleich in die Theologie hineinpfuscht und als Religionslehrer sich geltend machen will. Der Dritte aber scheint auf der Skala dcr bürgerlichen Thätigkeit und Nützlichkeit rief unter Null herabgesunken zu sein. Ich könnte zwar diese Charakteristik weiter extendiren, wäre es mir blos um die Entlarvung dieser Betrüger zu thun. Aber mein Zweck ist einzig und allein die Ehre meiner Familie zu retten, und den Schandfleck, den diese Impostoren ihr aufdrängen wollen, zu beseitigen, und da mußte ich freilich zeigen, welche Verdorben heit des sittlichen Charakters dazu gehört, die Vaterschaft einer so elenden Mißgeburt von fick abzuwenden, und sie mit der frechsten Schamlosigkeit einem andern aufbürden zu wollen. Auch für Sie, verehrtoster Herr Redakteur, glaube ich meine Bitte, diesen Aufsatz in Ihrem Blatte aufzunehmen motrvirt zu haben, und bin mit aller gebührenden Hochachtung Odessa, 1. August 1833. Mardocliai Justus, kais. russischer Commerzien-Consulent. Redacteur: Dr. L. Philippfon. - Verlag von Baumgärtnerö Buchhandlung. — Druck von I. B. Hrrschfeld