Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1878)
- Date
- 1878-11-19
- Page
- Seite 745 (sequence 9)
- Language
- German
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745 und als Märtyrer ihr Leben hingegebcn, die Schwachen haben der Gewalt nachgegeben. Anders die schädlichen Beschlüsse und Zwangstaufen des rrav. nr« Vereins „Schomer-Jsraels" der mit Worten, mit der Kunst der Ucbcrredung ohne Zwang die Seelen, der viele Tausend Juden sangen will, um ste von der jüdischen Lehre abzuwenden. Mit welchen Worten werden wir uns vor Gott vcrthcidigen können, der uns Gnade stndcn ließ in den Augen unseres srommes Kaisers, in dessen Schutz wir srei leben und unsere Religion srei ausüben und alle Bürgerrechte besitzen, wie werden wir uns vor Gott entschuldigen können? An Euch, Ihr Führer Israels, ist es, das Volk zu warnen, damit cs ja nicht in die Versammlungen des „Schomer Israel" komme, an seinen Berathungen nicht erscheine, sonst werden sie durch seine Sünden vernichtet werden und durch seine glatte Zunge angclockt, ihm Gott bewahre folgen, auch soll es bei dieser Nichttheilnahme nicht sein Bewenden haben, sondern die Führer, Vorsteher und angesehenen Gemeindeglieder jeder Stadt sollen einen Protest unterschreiben, daß sie mit den Beschlüssen des „Schomer Israel" nicht einverstanden stnd, nicht seine Sache ist cs sür uns, Verbesierungen und Ordnung einzusühren, sein Gutes ist nur Böses in den Augen wahrer Frommen, welche vom Glauben ihrer Väter nicht abweichen; wenn wir so Vorgehen, haben wir unsere Seele gerettet und bleiben rein vor Gott und Israel. Dies stnd die Worte desjenigen, der zur Ehre der Lehre mit zerknirschtem Herzem spricht und Ihre Antwort erwartet. Krakau, Dienstag, Wochenabschnitt, in dem sich die Worte „Fürchtet keinen Menschen" stnden 60.x. (n"Hri: der Knecht der Knechte Gottes. Simon Schreiber m p. Rabbiner der Gemeinde und des Kreises Krakau." Wien, o. Nov. tPrivalmitth. Aus Neugierde blätterte ich jüngst im „Dienstreglement sür das k. k. Heer" erster Theil und sand in demselben zwei Bestimmungen, die ich hier dem Wortlaute nach reproduciren will. Im Paragraph 30 lautet Absatz 239: „Den verschiedenen Religionsgebräuchen soll übrigens auch bei der Wahl der Menagcartikel thunlichst Rechnung getragen und wo die Berücksichtigung der Cultussorderungen Einzelner nicht möglich ist, diesen sür die betreffende Zeit das Menagegeld baar ausbezahlt werden." Im 8- 33 der Absatz 255: „An Sonntagen, so wie an Feiertagen der verschiedenen Glaubensgenossenschastcn ist der betreffenden Mannschaft das Ausgehen behufs Verrichtung der Andacht nach Zulässigkeit des Dienstes auch Vormittags zu gestatten." Man wird zugeben, daß diese Bestimmungen nichts zu wünschen übrig lasten. Sie haben bereits von der Reform auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes, die der Gemeindevorstand mit dem Beginne des jetzigen Schuljahres hier eingcführt hat, Notiz genommen. Der Unterricht der Bibel im Urtexte wurde gänzlich ausgelastcn. Die Schüler und Schülerinnen werden im Hebräisch-Lesen geübt, resp. sollen ste mit der Liturgie vertraut gemacht werden. Um die entstandene Lücke auszusüllen errichtete der Vorstand eine hebräische Sprach- und Bibelschule, die aus drei Elasten besteht und soll jede Elaste wöchentlich einen dreistündigen Unterricht erhalten. Dieselbe wurde in den letzten Tagen von dem Obmann der Schulsection, Herrn I)r. Leop. Kompert, feierlich eröffnet. Es haben sich beiläufig 300 Schüler aus den Volks- und Mittelschulen gemeldet. Wir können nur wünschen CETi Xi “T ZZZ^ riVfi. Nebenher will ich bemerken, daß -ich jüngst auf eine Notiz in der Opinione vom 19. October d. I. aufmerksam gemacht wurde. Dieselbe berichtete über eine Prüfung in der Talmud - Thoraschule in Rom. Diese zählt 200 Schüler und besteht auch eine Abtheilung zur Heranbildung von Cantoren. Amerika. Ncw-Aork. 25. October. (Privatmitth.) Es ging durch mehrere Zeitungen die Mittheilung, der Präsident der Vereinigten Staaten habe den amerikanischen Eonsul zu Galatz durch eigenhändiges Schreiben beauftragt, die Unabhängigkeit Rumäniens anzuerkennen, und dem Fürsten Karl Glückwünsche zu überbringen — alles Ties vor den meisten Großmächten, vor der Herstellung der Gleichberechtigung. Man kann denken, daß diese Nachricht durchaus nicht mit Gleichmuth ausgenommen wurde. Genauere Informationen aber haben erwiesen, daß ste aus der Luft gegriffen ist und von gewisten europäischen Blättern in tendenziöser Weise verbreitet wurde. — Die Einsicht in den wahren Vortbeil und der Zug unserer Zeit nach Vereinigung haben es endlich bewirkt, daß der ..Board of I)eiegates“ und die Union der jüdischen Gemeinden Amerikas sich verschmolzen haben, was für ihre Wirksamkeit, deren Aufgaben doch nur dieselben waren, nur sehr nützlich sein kann. — Der Wohltbätigkeitssinn unserer amerikanischen Glaubensgenossen hatte Gelegenheit, bei den furchtbaren Verheerungen des gelben Fiebers in einigen Südstaatcn der Union sich in ausgezeichneter Weise zu bethätigcn. Sie gaben mit vollen Händen zur Abhülfe des allgemeinen Elends, und dann wieder für die Bedürfnisse der unglücklichen Glaubensgenossen. Da durch die Seuche viele Väter und Mütter hingeraffr wurden, so wird die i Noth durch die Versorgung und Erziehung der überaus zahl- rcic&en Waisen weit über die Gegenwart hinausreichen, und! gerade hieraus ist besonders Acht zu geben, da sich das Mit- : gefübl mit einem bestimmten Nothstand nicht lange auf der j Höhe zu erhalten pflegt. Nicht bloß die jüdischen Gemeinden : als solche, die Armenvereine, die Logen der Buo-Veritb, soni dern auch viele Individuen haben bedeutende Spenden dargej bracht, von denen die amerikanischen Blätter wimmeln. 47