Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1878)
- Date
- 1878-11-19
- Page
- Seite 744 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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744 Man hat deshalb an den General-Postmeister die Frage gerichtet, ob er wirklich, jene Aeußerung gethan, und erwartet die Antwort mit Spannung. Oesterreich-Ungarn. Lemberg, 6. Nov. ^Privatmitth.) Die Bombe ist geplatzt. Sie machte einiges Geräusch, aber verwundet hat sie nicht. Wie ich bereits gemeldet, fanden Besprechungen, besonders von Seiten des Krakauer Rabbiners, des heißblütigen Simon Schreiber statt, um gegen die Creirung eines Rabbiner- Seminars zu intriguiren. Es ist nun doch bezeichnend, daß der Mann keine Genossen fand, die sich mit ihm in die Oeffentlichkeit wagten. Er allein hat ein Circular an die Vorstände der Israelitischen Gemeinden in Galizien gerichtet und unterschrieben. Es ist ferner bezeichnend, daß dieses Circulär nicht hebräisch, sondern deutsch abgefaßt ist, und daß es keine einzige Bibel- und Talmudstelle enthält. Gesteht Herr Schreiber hiermit nicht selbst zu, daß die Kenntniß des Hebräischen, der Bibel und des Talmud in Galizien sehr darnieder liegt und immer mehr erlischt? und dieser Zustand ist es ja gerade, der den Plan zur Gründung einer Rabbiner-Bildungsanstalt erwirkt hat, weil es bereits an Lehrern und Rabbinern überall in unsrer Provinz fehlt. Nebenbei ist das Circulär in einem Blättchen auch hebräisch abgedruckt worden und erweist, daß Herr Schreiber selbst ein sehr mangelhaftes Hebräisch schreibt. Ich gebe hier das Circulär wieder, wie es der „Lemberger Israelit" in seiner Nummer 21 veröffentlicht. In Deutschland mögen sich die Rabbiner-Seminare zu Breslau und Berlin, auch das des 4>r. Hildesheimer merken, wie der Krakauer Rabbiner über sie und ihre Schüler urtheilt. Da in einem Blatte wie die A. Z. d. I. auch dem grimmigsten Gegner und vielleicht diesem am wenigsten das Wort entzogen wird, hoffe ich, daß sie dem Machwerk des Herrn Schreiber den nöthigen Raum gewähren. „An die geehrten re. Vorsteher israel. Gemeinden in Galizien. Euch meinen FriedenSgruß vorausschickend und nach 500 maligem Kniebeugen vor der Herrlichkeit Euerer Gelehrsamkeit komme ich Knecht der Knechte Gottes im Aufträge der Großen Israels, um meine Stimme laut wie eine Posaune erschallen zu laffen und unsere Glaubensgcnoffen zu warnen, damit sie sich ja nicht verstricken im Netze, welches die Mitglieder des Vereins, der sich den Namen „Schomer Israel" usurpirt, gelegt haben. Als sie die Gemeinden Israels zu einem Gemeindelage eingeladen, haben sie auch an die Krakauer Gemeinde eine Einladung geschickt, aber jeder, der die echte Wahrheit liebt, lachte sie aus, denn wer sind sie, wer hat sie als Führer an die Spitze gestellt, als Räthe Herrn und Richter, wer hat ihnen den Stab der Gesetzgeber in die Hand gegeben, der Stab ist ein zerbrochenes Rohr, es ist die Keckheit eines Königs ohne Krone, wer wird denn auf ihren Ruf hören, welche ehrenhafte Gemeinde wird denn ihre Würde erniedrigen, Männer in ein Versammlungshaus dieser da zu schicken, um von ihrem Munde Rath zu hören. Wehe dem Klugen in ihren Augen, ihnen gegenüber stehen Männer, die auf den Trug ihres Herzens sich verstehen. Jetzt haben sie in Nr. 13 dieses Jahrganges des welken Blattes, „Israelit" bekannt gemacht, daß ihr Unternehmen gelungen ist, und daß dort namhaft gemachte Delegirte der heiligen Gemeinden Galiziens auf ihren Ruf gekommen sind. Sie haben mit diesen Worten nur unser Lachen hervorgerufen und nur die gute Nachricht verkündet, daß von den 300 heiligen Gemeinden Galiziens nur eine geringe Zahl erschienen ist, und auch diese Wenigen ohne Vollmacht von der ganzen Gemeinde, aus eigenem Antriebe, um Neuigkeiten zu hören. Allein auch beim Lachen empfindet das Herz einen Schmerz und vergießt das Auge Thränen beim Anblick solcher boshaften Pläne und Ränke unserer Glaubensgenoffen, es genügt ihnen nicht für ihre Person das Joch der Lehre und der Gebote abgewälzt zu haben, ohne daß man sie daran hindert, sie trachten vielmehr, die ganze Provinz zu Ketzerei zu verführen und da haben sie den Anfang gemacht, indem sie in der ersten Versammlung beschloffen haben, ein Seminar oder „Vorbereitungsschulen" zu errichten, aus den Rabbiner und Lehrer hervorgehen sollen, welche von Gott und seiner Lehre abtrünnig sind, welche den größten Theil ihrer Zeit mit profanen Wiffenschaften zubringen und nur 10 Stunden wöchentlich sich mit Bibel und Talmud beschäftigen sollen, und solche sollen als Rabbiner heiliger galizischer Gemeinden fungiren. Schauet hin, welche traurige verwüstende Wirkungen die Seminare in Deutschland, Preußen und Italien hervorgebracht haben, sie haben schlechte Rabbiner, Lehrer des Bösen herangebildet, Prediger, Füchse, die Gottes Weinberg zerstören, Männer ohne Glauben, die an den Talmud öffentlich und in ihrem Herzen an die Bibel nicht glauben. Diese Ungläubigen und Gottesleugner, die sich Philosophen und Forscher nennen, sie haben die meisten Gemeinden Deutschlands zur Ketzerei bekehrt und solche Männer wollen die Mitglieder des „Schomer Israel" zu Rabbinen haben, damit sie in ihrem Schutze ein freies Leben führen und ihre Kinder an der Hand solcher Rabbiner derart erziehen, daß an den Namen Jude nicht mehr gedacht werde. Ich schwöre bei meinem Leben, daß dieser Beschluß des „Schomer Israel" schädlicher ist als alle Verfolgungen und Zwangstaufen, die unsere Vorfahren in früheren Zeiten, in Portugal Spanien und dergl. auszustehen hatten, denn die Glaubensstarken unseres Volkes haben jeder Versuchung wiederstanden