Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1878)
- Date
- 1878-11-19
- Page
- Seite 743 (sequence 7)
- Language
- German
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743 unvermeidlichem Elende entrissen und es zu ehrenvoller gesicherhöhere Anstalten, die sogenannten Mittelschulen, zu ermöglichen, ter Existenz geführt worden stnd. - Und unter den unzähligen hierher überstedelten Juden stnd gar Verausgabt wurden seit der Einsetzung des Hauptgrenz-; Viele, die nicht blos des besseren Erwerbs wegen, sondern im comitös bis Ende 1877: j Interesse der regelmäßigen Schulbildung ihrer Kinder hierin Königsberg (einschl. Memel) . . M.207,100 83 Pf. , her kommen. „ Berlin. „ 36,010 31 „ | Diese und ähnliche Erscheinungen beweisen zur Genüge, Im Ganzen M. 243,111 24 Ps. wie die ausgestreute Saat allmälig ausgeht und Früchte trägt. Erwägt man, daß die Auswandererbesörderung pro Kopf Vor Allem aber steht Eins fest: Wir haben durch unsere c. M. 120 betrug und dieser Zweig unserer Thätigkeit den\ Thätigkeit, durch unsere den Einzelnen zugewandte Fürsorge, 800 Personen gegenüber eine Ausgabe von M. 103,800 absorj den Sinn für die Nothwendigkeit und für den Segen der birte, und die Unterhaltung der Waisenknaben, von denen i Bildung geweckt und zur Nacheiferung angespornt; gar Mancher einzelne bereits länger als 7 Jahre, alle aber durchschnittlich beschreitet, angeregt durch gegebenes Beispiel, den Weg der Selbsthilfe und in jedem Einzelnen, den wir in eine gesunde Geistesatmosphäre verpflanzen, erziehen wir uns einen Gehilfen, einen Sendboten der Aufklärung und Gestttung, dessen Beispiel befolgt, dessen Stimme gehört wird, wenn auch nur 3—4 Jahre, unter unserer Obhut weilten. Pro Kopf c. M- 400 jährlich betrug, so ergiebt stch, daß gerade der Zweig unserer Thätigkeit, den wir seit den letzten Jahren vorwiegend pflegen: „Handwerkerausbildung und Schulbesuch", verhältnißmäßig den geringsten Kostenaufwand verursacht, indeß Wirtin dem kleinen Kreise der eigenen Familie. — aus diesem Wege gerade am umfangreichsten und stichhaltig- Königsberg, 15. Juli 1878. sten zu wirken vermögen. Um aber endlich den Nachweis zu führen, daß unsere Thätigkeit im weiten Umfange gewirkt, es sich nicht — wie l)r. Bamberger. Salomon Feinberg. Dr. Samuelson Stuttgart, im Nov. (Privatmitth.) Bekanntlich besitzt die Universität Straßburg in dem Professor Geffken einen Mann, dies vielfach behauptet worden — um bloße „Einzelrettungen"der Vieles besser weiß als andere Sterbliche und unter Ande- und „Wohlthätigkeitsacte" handelt, die das Programm der' rem ein bitterböser Gegner des deutschen Reiches und alles Gesellschaft ausschließt, daß vielmehr durch das westrussische dessen, was in diesem geschieht, sowie ganz besonders Bismarck's Hülsswerk gradezu, allerdings innerhalb bestimmter Grenzen — auch ist. So ein Professor, der sich seine Voraussetzungen geschaffen ein moralischer Einfluß im Sinne des ersten Paragraphen unseres hat, wendet eine fürchterliche Logik in seinen Folgerungen an, Gesellschastsstatuts geübt, richtigere Anschauungen auch in.bis er schließlich gezeigt hat, daß die Welt untergehen müsse, solchen Kreisen und solchen Personen gegenüber verbreitet! wenn sie sich nicht schnell genug zu den Voraussetzungen des worden sind, denen direct zu helfen wir nicht in der Lage i Herrn Professors bekehrt. Da nun Geffken in dicken Büchern waren, mögen zwei Thatsachen genügen: j und in Brochüren sich als einen Gegner aller freiheitlichen Ten- 1. Während wir bei Beginn unserer Thätigkeit gerade j bengen unsrer Zeit bekennt, ist es nicht zu verwundern, daß er einer in den russ. Rabbinern die heftigsten Gegner und Bekämpfer j Versammlung der hiesigen deutfch-conservativen Partei einen Vorunserer aus Ausbildung der dortigen Jugend gerichteten Betrag hielt, welcher derselben anfangs sehr gefiel. Nachträglich wurstrebungen fanden, dieselben alle Hebel ansetzen, die Bevölkerung ' den sie inne, daß der Professor auch gegen das Socialistengesctz und davon zurückzuhalten, uns ihre Kinder anzuvertraucn, Bildung i in einer Weise über den Reichskanzler gesprochen, die ihnen doch zu in ihren Augen mit Glaubensentfremd üng gleichbedeutend war, j arg erschien. In einer anderen Partie jedoch stimmten sie ihm sind es seit Jahren die ftömmsten und angesehensten Rabbiner, - bei. Er klagte nämlich den General-Postmeister Stephan die mit uns in Beziehung treten, um uns für das Schicksal i an, weil er am Sonntag Vormittag die Postanstalten inThätigdortiger Waisen zu interessiren, und sie uns vertrauensvoll! feit lasse, und behauptete, Stephan habe erklärt, er thue dies, übergeben.! weil er „den Israeliten am Sonntag ihre Briefe und Zeitungen 2. Während die große Masse der hier und in Memel weilenden russ. Kinder in den IJateniidraseliim hausten, deutsche Schule und Elementarunterricht für sie gar nicht existirte, geradezu perhorrescirt wurde, giebt es momentan beispielsweise in unserer Stadt nur noch vereinzelte Kinder, die des Unterrichts entbehren, werden sie, nicht in Folge polizeilicher übermitteln lassen müsse." Obschon der Unsinn und die Tendenz dieser Behauptung offen liegen, nahm sie doch das Organ der hiesigen Deutsch-Conservativen, die „Stuttgarter Zeitung" als richtig an und man kann sich denken, zu welchen mißliebigen Bemerkungen sie sich dabei heranließ. Ein hiesiger sehr geachteter Israelit ftagte bei dem Vorstände der Teutsch-Con- Vorschrift, sondern zumeist aus eigenem Antriebe der Eltern! servativen an, ob Geffken wirklich diese Aeußerung gethan uns Zugeführt, begnügen sich nur schwer mit dem Elementarj habe. Dieser bestätigte es nicht allein, sondern fügte hinzu, unterricht der Volksschulen, sind vielmehr die Eltern zu per-! daß es ihnen, den Deutsch-Conservativen, fteistehen müsse, bei sönlichen Opfern bereit, um ihren Kindern den Eintritt in > jeder Gelegenheit gegen diese Ausrede Stephan's zu protestiren.