Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1878)
- Date
- 1878-11-19
- Page
- Seite 742 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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742 tornnt," bald von einem anderen, daß die daselbst herrschendes Orthodoxie eine unübersteigliche Schranke ziehe. Dies Hilsts aber doch nichts: die Juden stnd im völligen religiösen Verfall, und da kein Mensch auf die Länge ohne Religion bleiben könne, so Ware es ganz gewiß, daß bald alle Juden Christen^ werden l Was müssen das für Kinder sein, welche die Londoner! Misstonsgesellschaft mit solchem Zuckerbrode zu täuschen verj meint! Hätten wir Jemanden vor uns, dem wir auch nur ein! Stückchen richtiges Urtheil zutrauten, so würden wir zu ihm! sagen: Gieb uns doch nur einen Beweis für Deine Behaup-; tung — im vorliegenden Falle unterlaßen wir dies, weil eben j unsre Voraussetzung nicht zutrifft. Wir könnten einfach den Stiel umdrehen, und sagen: Die protestantische Kirche ist im; Verfall, und wer stch von Euch etwas Religion retten will,! der muß stch zum Judenthum flüchten. Wir könnten dies! sogar mit recht einleuchtenden Beweisen erhärten. Aber wozu! sollte dies führend Lasten wir die Thatsachen sprechen, und! diese ist im vorliegenden Falle, daß die Londoner Missionsgesellschaft mit ihren 136 Missionären 710,000 M. ausgeben! muß, um stch einige Täuflinge zu erwerben, unter denen zwei Drittel abestynische Bettler sind. — i Bonn, 5. November. (Privatmitth.) Der außerordent-, liche Professor der Geschichte an der k. Universität zu Bonn, vr. Martin Philippson, hat einen ehrenvollen Ruf als ordentlicher Profestor der Geschichte an der Universität zu Brüssel erhalten und angenommen. Es geschah dies durch die einstimmige Wahl der Facultät und des Verwaltungsrathes. Königsberg, im November. (Privatmitth.) Die A. Z d. I. hat der Wirksamkeit des Haupt-Comitcs für die Unterstützung russischer Israeliten, welches am 14. Oct. 1869 in der zu Berlin stattgehabten Generalversammlung der Alliance | isr. univ. in Königsberg eingesetzt wurde, stets eine besondere! Aufmerksamkeit gewidmet. Daß man der Hülfsbedürftigkeit i unter 3 Millionen Menschen einen vollen Beistand zu leisten nicht vermöge, war man sich selbstverständlich von Anfang an! klar. Aber es galt, des Guten so viel wie die vorhandenen Mittel ermöglichten, mit Anstrengung und Hingebung zu thun. Und daß dies geschehen, wird jeder Unbefangene einräumen, welcher den Generalbericht liest, den das Comitc an die am 12. August d. I. zu Paris stattgefundene General-Versammlung abgestattet hat, und aus dem Sie wohl, den formalen! Theil übergehend, die wichtigsten Stellen mitzutheilen mir ge-! statten. Es heißt darin:! 54 Waisen 11 Waisen schloß, wurden nach überseeischen Ländern (Amerika, England, Schweden) befördert. 865 Personen. b) In Folge des Aufrufes des Central-Com., hervorgerufen durch die große Sterblichkeit der Nothstandejahre 1867 und 68 gelangten beiderlei Geschlechts zur Adoption Seitens Privater und Gemeinden und wurden dieselben, durch uns ausgewählt, equipirt und an ihren resp. Bestimmungsort befördert. c) Aus Kosten des Com. sind ferner . . hier und bis nach vollendeter Schulzeit vollständig durch uns unterhalten worden. ä) Bei Lehrherren, theils Kaufleuten, theils Handwerkern und Gewerbetreibenden aller Art wurden, zum Theil verwaist, untergebracht, bei mehrjähriger Lehrzeit equipirt, subventionirt und ausgebildet .... e) Ebenso sind vollständig auf Kosten des Com. für verschiedene Gewerbe ausgebildet worden bei kurzer Lehrzeit von 4—6 Monaten t) Die Zahl der Studirenden, denen durch unsere Unterstützung Beginn und Vollendung ihrer Studien ermöglicht worden, beträgt g) Zu Lehrern wurden ausgebildet . . . In Summa: 1089 Personen. 94 Knaben 42 18 Personen. O // h) Freier Schulunterricht theilweise incl. Subvention wurde gewährt jährlich . . . 30—50Kindern. Zu diesen durch uns direct beförderten, ausgebildeten, erzogenen und subventionirten Personen treten noch: 1. Die Pfleglinge des Memeler Comitcs — ausgebildete Handwerker, untergebrachte Lehrlinge,subventionirte Schüler, c. 150—200 Personen, deren Kosten direct durch unser Comitc bestritten wurden, in die angeschlostene Kastenaufstellung mit einbegriffen sind. 2. Die Pfleglinge des Berliner Comitvs, das gleichfalls mehr als 200 Personen — exclusive seiner Mitwirkung bei Weiterbeförderung von Auswanderern und Waisen — aus eigenem Mitteln zur Existenz verholfen. 3. Ebenso hat das Local-Comitö zu Cöln Jahre hindurch eine große Anzahl meist russischer junger Leute Behufs ihrer weiteren Ausbildung für Rechnung des Central- Com. untergebracht. Endlich sind im Laufe der Jahre einige Hundert Personen! durch Bewilligung von größeren und geringeren Reisesubven- Der besseren, Uebersicht halber stellen wir hier nochmals Dionen in den Stand gesetzt worden, ein beabsichtigtes Ziel die Resultate unserer Thätigkeit, sowie den durch dieselbe ver-! gU erreichen, da solchen Bewilligungen immer eine sorgfältige ursachten Kostenaufwand zusammen: , Prüfung der Verhältnisse voranging und gewohnheitsmäßige a) bis zum Ende des Jahres 1873, wo in Folge der Einj Bettler streng ausgeschlossen wurden. führung der allgemeinen Wehrpflicht in Rußland die Bej Hiernach ergiebt sich, daß mehr als 2000 Personen der förderung von Auswanderern aus Rußland definitiv ab-; All. Isr. resp. deren Organe es zu verdanken haben, daß sie