Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1878)
- Date
- 1878-11-12
- Page
- Seite 731 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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731 stützungen zur Miethe wurden 22,209 Fr. und für Wöchnerinnen öl 55 Fr. verausgabt. Außerhalb des Waisenhauses, unterhält das Comite gegenwärtig 87 Waisen und verlassene j Kinder, die in Familien untergebracht sind, mit einem Aufwands von 18,798 Fr. Die Volksküche vertheilte 113,862 Por-i tionen, wozu auch an Peßach und beim Ein- und Ausgang; des Jom Kippur der Unterhalt der israelitischen Soldaten und ' Gefangenen kommt. Während des Winters vertheilt die Volksküche auch Frühstück an die jüdischen Kinder der Elementarschulen. Sie erhielten 155,322 Portionen mit einer Ausgabe von 7512 Fr. Diese wohlthätige Einrichtung hat die Aufmerksamkeit des Gemeinderaths von Paris auf ssch gezogen und er hat beschlossen, sse nach dem jüdischen Vorbilde für die Kinder aller Elementarschulen herzustellen. Nicht minder versorgt unser Comitä die Zöglinge der Gemeinde- und Consistorialschulen mit Kleidung und verausgabte es 1877 für! diesen Zweig 23,512 Fr. Unter 610 Begräbnissen wurden! 174 auf Kosten des Comito's veranstaltet. Das Comito verwaltet auch die jüngste Stiftung des Barons Gustav v. Rothschild mit einer Rente von 12,000 Fr. zu Gunsten der aus dem Hospital entlassenen Reconvalescenten, denselben eine Zeitlang Unterhalt zu geben und zur Wiedererlangung ihres durch die Krankheit unterbrochenen oder verlorenen Erwerbes zn verhelfen. Diese kurze Schilderung zeigt wohl, welcher Hingebung und Anstrengung sich die Mitglieder des Comite's unterziehen, und erweist von Neuem, daß das gegenwärtige Geschlecht der Juden keinem vorangegangenen an Sinn und Thalkraft für die Werke der Wohlthätigkeit nachsteht, wohl aber sich zugleich durch eine angemessene Organisation auszeichnet. Belgien. Cambridge enthält diesmal (1878/79) zum ersten Male seit der Gründung der beiden alten Universitäten (Oxford und Cambridge) den Namen eines Israeliten, nämlich des Dr. Schiller- Szinessy. Die Bemühungen, welche gegenwärtig in Palästina zur Hebung der wirthschastlichen Lage der dortigen Juden gemacht werden, haben den greisen Gönner seiner Stammesgenossen, Sir Moses Montesiore — welcher in voriger Woche seinen 94. Geburtstag gefeiert hat — veranlaßt, sich zu einer neuen Reise in das gelobte Land zu rüsten, um sich von dem Fvrt-! gang dieser Bestrebungen zu überzeugen und zu ihrem Gelingen! selbst sein Theil nach Möglichkeit beizutragen. Serbien. Belgrad, 30. October. Ein Telegramm der „D. Z." meldet: Die Juden frage wird der nächsten Skupstina nicht vorgelegt, sondern bis zur K onstituante aufgeschoben, welche im nächsten Jahre einberufen werden soll. Die angesehensten hiesigen Kaufleute befürchten, daß Serbien wieder in das panslavische Fahrwasser hineingezogen wird und gedenken deswegen eine Petition an die Regierung' zu richten des Inhalts, daß > den panslavistischen Agitationen entschieden entgegentreten wcr-! den möge. (Also in Serbien wie in Rumänien dasselbe Spiel. Man i will Zeit gewinnen, da die Verwickelungen im Oriente wieder . stärker sind als je und einige der Großmächte z. B. Oesterreich,! bereits die Unabhänigkeit der beiden Staaten durch Erhebung ihrer General-Consulen zu Gesandten thatsächlich anerkannt j haben. Redact.) Rußland. Brussel, 3. Nov. (Privatmitth.) Die neueste Entwickelung der politisch-religiösen Verhältnisse in Belgien verdient anerkannter Weise die allgemeine Aufmerksamkeit. Belgien, > während des letzten Zeitraumes der Herrschaft der Ultramon-l tanen unterworfen, hat in der jüngsten Zeit dieses Joch zer-j brochen und der liberalen Partei die Oberhand durch die Wahlen in die Kammern gegeben. Es fragte sich nun, ob bei den! Gemeinderathswahlen dieselbe Strömung durchbrechen werde, i Dies geschah auch wirklich in vielen und bedeutenden Orten. { Es wird nun auch interessiren, daß bei diesen letzten Wahlen j zwei Israeliten, Herr Bischofsheim in Brüssel und Herr JulesLevY in Namur mit großer Stimmenzahl in den Gemeinderath gewählt worden. Bei der geringen Zahl der Juden in Belgien, nämlich c. 1500, ist dies hoch anzuschlagen. Großbritannien. Petersburg, 16. Octob. (Privatmitth.) Heute sende ich ihnen folgende für unsre Glaubensgenossen sehr erfreuliche Mittheilung, die ich wörtlich aus dem „Golos" vom 16 Octob. übertrage. Er schreibt: „Aus Taganrog (Gouvernement Ecaterinoslaw) schreibt man uns vom 7. October Hierher ist aus der Caucasischen Armee ein Jude Gerzow angelangt, der bei Erzerum für seine Tapferkeit zum Offizier ernannt und mit einem Georgen-Orden geschmückt worden ist. Die Juden von Taganrog gaben ihm zu Ehren in der Wohnung des Rabbiners ein Festmahl. Vor dem Essen, nach dem Gebete für den Kaiser, das der Cantor und der Synagogen-Chor ausgeführt hat, hielt der Rabbiner eine Rede, in der er den Anwesenden erklärte, wie groß die Gnade des Czaren — „Befreiers" ist, der alle seine Unterthanen, ohne Unterschied des Glaubens, nach ihren Verdiensten belohnt." II. Cambridge, 29. Oct. (Privatmitth.) Die Electoral Roll d. i. die Liste des engeren academischen Wahlkörpers von 46*