Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1878)
- Date
- 1878-11-05
- Page
- Seite 715 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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715 gerade diese, als das Artilleriefeuer der Türken auf's Fürchterlichste wüthete, unter dem Rufe des Schema Jisroel sich auf die Verschanzungen stürzten und den Sieg entschieden. Bei solchen Beweisen der Tapferkeit und der Vaterlandsliebe können doch Wohl schließlich bessere Verhältnisse nicht ausbleiben. Der „Hamelitz" bestätigt diesen Bericht aus eigener Kenntniß in seiner Nummer 15 d. I. Bon n, 27. October. (Liter arische Notitzen.) Vom 1. Januar des nächsten Jahres will der Lehrer an der Simultanschule S. Freuthal in Kattowitz eine Israelitische Jugend-Zeitung" unter dem Titel „Joseph" herausgeben. Der Gedanke ist gut; es kommt nun darauf an, wie er ausgeführt wird. Im November soll eine Probenummer ausgegeben werden. — Die amerikanischen Blätter, zumal die jüdischen, halten an ihrem alten Grundsatz fest, alles Gedruckte als ihr unbedingtes Eigenthum zu betrachten. Auch die in Chicago neu erscheinende Wochenschrift The Jevrish Advance verfolgt diesen Pfad. So druckt sie in ihrem deutschen Theile z. B. in N. 16 drei und eine halbe Spalte Nachrichten aus der A. Z. d. I. ab. Dagegen hätten wir nun nichts einzuwenden. Auch die Gewisienhaftigkeit loben wir, mit welcher sie auch unsre Druckfehler mit abdruckt, z. B. „Wendel" statt „Mendel". Aber so gewiffenhaft ist sie nicht, um wenigstens die Paar Buchstaben „A. Z. d. I. hinzuzufügen und hiermit wenigstens ihre Quelle anzugeben. — Ieuil Ein Kabbiuersermuar in Frankfurt a. -. Oder im Fahre 1763. (Schluß.) 7) Der Universität würde anzubefehlen seyn, wie solches die königlichen Verordnungen und Edikte schon überhaupt erfordern, sich aller Sanftmuth und Menschenliebe gegen die jüdischen Lehrer und Lernende zu befleißigen, insbesondere über die Sitten der christlichen Studiosorum mehr zu Wachen, damit dieselben durch einen ärgerlichen Wandel denen jüdischen Studenten nicht anstößig werden, sondern vielmehr die Lehre Christi in allen Stücken zieren; weshalb auch dieselbe sich gegen die jüdischen Lehrer und Schüler verträglich, und mit aller anständigen Leutseligkeit betragen müßten. Mit dieser Einrichtung würde die Universität sich um so mehr zu beruhigen haben, als sonst zu fürchten steht, daß die Juden dennoch ihre Zwecke zu erhalten und weit mehr bedenkliche und nachtheilige Freiheiten zu erlangen Mittel finden mögten. (Berlin.) Den 9 Mai 1763. Sack. Das vorstehende Gutachten scheint uns darum merkwürdig, weil es aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts von Seiten eines christlichen Theologen die Idee einer jüdisch-theologischen Fakultät ausspricht, wie wir sie 1837 als ein zu erreichendes Ziel ausstellten, ohne daß sie bis jetzt ihre Verwirklichung gefunden , d. h. einer Lehranstalt der jüdischen Theologie, welche mit einer Landesuniversität organisch verbunden ist.r; Sack dachte sie sich so, daß die Lectionen derselben in den Lections- 1) Die Gerechtigkeit verlangt es. hier zu erwähnen, daß der vielberufene Minister Eichhorn, als wir im Jahre 1838 die Erlaub niß zu Sammlungen behufs der Gründung einer mit einer preußischen Universität verbundenen jüdisch - theologischen Fakultät nachjuchten, diese Erlaubniß sofort gewährte, womit er doch mittelbar wenigstens bekundete, daß er einer solchen Verbindung nicht geradezu entgegen sein würde. leton. katalog der Universität ausgenommen würden, daß sie von christlichen Studenten auch besucht werden könnten, während ihre jüdischen Schüler nicht minder die Universitätsvorlesungen zu hören berechtigt wären. Abgesehen von den Ausdrücken, die er über die jüdische Religion sich gestattet und die im Munde eines damaligen Theologen noch ganz milde sind, ist Sack von wohlwollender und sogar vorurtheilsloser Gesinnung beseelt. Er verlangt von Profesioren und Studenten eine freundliche Behandlung der Juden und meint, die christlichen Studenten sollten durch ihre Aufführung der jüdischen Jugend keinen Anstoß geben; er räumte also der jüdischen Jugend den sittlichen Vorzug ein. Dennoch war das Gutachten nur vom grünen Tisch aus versaßt. Sack muß wohl keine Kenntniß von der Beschaffenheit einer damaligen Jeschiba und der in ihr herrschenden Methode gehabt haben, um eine solche Verbindung mit der Universität zu planen, die wohl auch schwerlich von der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt beabsichtigt war. Wenn er meint, daß die Beständigkeit der Juden in ihrer Religion daraus entstände, daß sie nur mit Katholiken zusammen kämen, von der protestantischen Lehre aber bald bekehrt würden, so müffen wir ihm dies schon zu Gute halten. In der Thal waren die protestantischen Länder zu jener Zeit noch viel ungastlicher gegen die Juden als die katholischen Länder, und der große König unduldsamer gegen sie als der große Kurfürst. Der Anschauungsweise jener Zeit entspricht es, wenn Sack für jeden Bogen hebräischen Druckes einen halben Thaler Censurgebühren verlangt, oder sogar 200 Stück Dukaten jährlichen Gehalt für den Censor oder Inspektor der Anstalt, welchen die jüdische Gemeinde zahlen soll! Das wäre in damaliger Zeit ein hoher Gehalt gewesen, wo z. B. Sack selbst in seinen früheren Jahren als Prediger in Magdeburg jährlich nur — 150 Thaler bezog! — >Mit diesem Gutachten, scheint es, hat die Sache selbst ihr j Bewenden behalten. _ 45*