Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1878)
- Date
- 1878-11-05
- Page
- Seite 714 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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714 Mitglied der Gemeinde, welches ihr viele Jahre angehört hatte. Nun erwäge man, daß es hier sehr leicht ist, dem religiösen Bedürfniß auf seine Weise zu genügen. Man betet das übrige Jahr entweder für sich, oder in den verschiedenen Synagogen, die nicht sehr gefüllt sind; zu den Festen giebt es Minjanim, und zur Bestattung der Leichen giebt es Friedhofsgesellschaften, die mit den Gemeinden nicht identisch find. Selbstverständlich will ich diese Zustände nicht entschuldigen, sondern nur erklären, und die Wirklichkeit ins rechte Licht stellen. Bestehen aber einmal solche Verhältnisse, so ist es natürlich, daß die Zahl der Gemeindelosen immer mehr wächst, was allerdings für die Zukunst nicht sehr erfreulich erscheint. — Nach der Angabe des Hebre^v Leader giebt es in New- Nork gegenwärtig zwanzig Polizeidiener und einen Polizei- Wachtmeister jüdischer Religion. Bonn, 27. October. (Notizen.) Das Curatorium der „Prediger-Mannheimer-Stiftung", schreibt man aus Wien, war in der Lage, am Geburtstage des Stifters (17. October) 1000 Fl. zu vertheilen, und zwar .899 Fl. 28 Kr. Zinserträgniß des Fonds und 100 Fl. 72 Kr. Jahresbeiträge und Spenden. Von 42 Petenten wurden 19 berücksichtigt: 8 Lehrerswittwen, je 4 Rabbinerswittwen und Lehrer, 2 Waisen (von 2 Elternpaaren) und 1 Rabbiner. Es erhielten: Einer der Petenten 200 Fl. und 2 ä 100 Fl., 8 ä 50 Fl. und 8 ä 25 Fl. Der Fonds besteht jetzt aus Effecten im Nominalwerthe von 21,000 Fl. — Aus Leobschütz schreibt man uns: Am 16. October wurde das 40jährige Vorsteheramts-Jubiläum des Herrn B. Holländer feierlich begangen. Seit 1838 bekleidet er mit unermüdlichem Pflichteifer und den besten Erfolgen das Amt des Vorstehers der hiesigen jüdischen Gemeinde und schuf in ihr die segensreichsten Institutionen für Gottesdienst, Unterricht und Wohlthätigkeit. Seit vielen Jahren ist er auch städtischer Rathsherr und Waisenrath und seine Verdienste wurden höheren Orts durch den Kronenorden für Nichtcombattanten im Jahre 1870/71 anerkannt. Ein feierlicher Gottesdienst, Gratulationen, Adreffen und Telegramme von nah und fern und ein Festmahl bezeugten dem Jubilar die Theilnahme und Würdigung, die das seltene Ereigni erweckte. Möge es ihm vergönnt sein, in zehn Jahren auc das 50jahrige Jubiläum zu feiern. — Aus Münster schreibt man uns unter dem 22. October: Herr Elias Meyer in Aachen, der für wohlthätige und gemeinnützige Anstalten schon so viel Erhebliches gethan, hat bei Gelegenheit seiner Hebersiedelung nach Berlin der Marks-Haindorf'schen Stiftung, deffen Curatorium er seit längerer Zeit angehört, ein Geschenk von 1000 Mark gemacht. — Aus Aachen schreibt man uns am 25. Oct.: Da der langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Elias Meyer, nach Berlin übersiedelt, so versammelten sich am 23. d. M. die Vertreter unserer Gemeinde im Hause des Herrn Meyer, um von demselben in feierlicher Weise Abschied zu nehmen. Zuerst ergriff der Rabbiner Dr. Iaulus das Wort und rief dem Scheidenden, indem er deffen erfolgreiche öffentliche Thätigkeit beleuchtete, in schwungvollen und ergreifenden Worten Namens der Gemeinde und Namens der Armen derselben im Besonderen ein herzliches Lebewohl zu. Hierauf dankte Herr L. Leopold, derzeitiger Vorsitzender des Vorstandes, dem Scheidenden im Namen der Gemeindevertretung, deren unermüdlich thätiges Mitglied Herr Meyer 30 Jahre hindurch war, und überreichte ihm gleichzeitig eine von der Gemeinde gewidmete und aus Künstlerhand hervorgegangene Adreffe, die in einer silbernen, kunstreich gearbeiteten, mit in Hautrelief und Niello ausgeführten symbolischen Darstellungen verzierten Mappe ruhte. Nach Verlesung der Adreffe, in welcher die auch höheren Orts gewürdigten Verdienste des Scheidenden gebührend hervorgehvben werden, dankte Herr Elias Meyer liefergriffen der Versammlung für die ihm gewordene seltene Auszeichnung und eröffnete derselben zugleich, daß er durch eine „Eheleute Elias Meyer'sche Stiftung" für arme jüdische Bräute des Stadt- und Landkreises Aachen im Betrage von 9000 Mark sein Andenken in der Gemeinde zu erhalten hoffe. Diese hochsinnige Thal rief unter der Versammlung eine um so steudigere Ueberraschung hervor, als Herr E. Meyer und deffen edle Gattin auch durch sonstige bedeutende Stiftungen und Schenkungen einen unvergeßlichen Namen in unserer und anderen Gemeinden sich erworben haben. Möge das erhebende Bewußtsein, in einer dankbaren Gemeinde reichen Segen ausgestreut zu haben, Herrn Elias Meyer und deffen wackere Frau in ihr neues Heim geleiten! — Kaum war unser Leitartikel in Nr. 43 abgedruckt, als ein neuer Vorfall der darin befindlichen Warnung eine abermalige Bestätigung verschaffte. Man schreibt aus Berlin: Während des jüdischen Gottesdienstes am vorletzten Tage des Laubhüttenfestes in der Synagoge an der Potsdamer Brücke erscholl, wie die „Trib." berichtet, plötzlich der Ruf: „Feuer!" und da man auch einen Brandgeruch zu bemerken glaubte, drängte Alles in wilder Hast und unter Angst- und Schreckensrufen dem Ausgange zu. Thüren wurden eingeschlagen, einzelne Personen zu Boden geworfen, Damen wurden ohnmächtig und verfielen in Krämpfe. Die Zeit, welche darüber verging, ehe ermittelt wurde, daß man es mit einem blinden Lärm zu thun habe, war äußerst auftegend. — Am Bord des englischen Postdampffchiffes, das nach dem Cap der Guten Hoffnung geht, wurde an Rosch-Haschanah jüdischer Gottesdienst gehalten, da sich daselbst ein Minjan vorfand. Ein Herr Mendelssohn fungitte als Vorbeter. — Im ,Muski Mir" wird von dem General der 31. russischen Division aus den Schlachttagen vor Plewna erzählt, daß am 30. August von seiner Division, die zu einem Drittel aus Juden bestand.