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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-11-05 · Heft 45 (5.11.1878) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 45 (5.11.1878)
Date
1878-11-05
Page
Seite 713 (sequence 9)
Language
German
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713 Rumänien. j Bukarest, 25. Oktober. In der jetzt geschloffenen Session! der Kammern machten die Minister Kogalniceano und Bratiano , eigentümliche Enthüllungen, namentlich über das Verhalten Rußlands zu Rumänien. Die öffentlichen Blätter bringen! darüber das Nöthige. Worüber sie aber das Publicum nicht! unterrichten, ist, was hieran über die Gleichstellungsfrage sich! knüpfte. Das Nähere giebt folgender Bericht. > lieber den dritten Punkt, der unter dem parlamentarischen > Titel: „Constituante, oder Kammern für die Revision der, Verfassung" einherschreitet, jedoch seinem eigentlichen Wesen! nach nichts Anderes ist, als die „Juden-Frage", sprach! nur die Partei der Conservativen sich eingehender aus, und! zwar im Senate durch Herrn Carp und in der Kammer durch 1 Herrn Titu Majorescu; namentlich war es dieser Letztere, welcher die Gefahren schilderte, welchen Rumänien sich aussetzen müßte, wenn die Juden-Frage nicht sofort gelöst werden würde. Majorescu erklärte, er sei zwar äußerst schmerzlich davon berührt, daß der Berliner Tractat in dieser internen Frage Rumäniens Stellung genommen habe und wir somit vom Auslande her zu dieser Lösung getrieben werden, allein, wolle man nach so vielen harten Schlägen auch noch den neuen Schlag abwarten, daß die eine oder die andere Großmacht uns sage, sie erkenne unsere Unabhängigkeit nicht an, bis wir die Juden-Frage nicht geordnet habend Es sei demnach unumgänglich nothwendig, eine Constituante und zwar sofort einzuberufen, worauf Bratiano Folgendes erwiederte: „Wir wollten nicht, daß die Juden-Frage auf dem Congreffe auf! die Tagesordnung gesetzt werde, und wir kämpften aus Leibeskräften, daß dieselbe nicht vor den Congreß komme. Allein! die Alliance Israelite, die eine gar mächtige Affociation ge- > worden ist *), war in Berlin durch die hervorragendsten Chefs! vertreten; wir ließen uns mit diesen Repräsentanten in Derj Handlungen ein, wir discutirten mit denselben und als! Herr Majorescu vorher sprach, da erinnerte erj mich lebhaft an die Feinheit und Schlauheit derselben." (Beifall.) Minister Bratiano replicirte ferner. Folgendes: „Nachdem die Bevollmächtigten in Berlin sich ausgesprochen hatten, sagten wir ihnen Allen: „Meine Herren, Sie haben uns gedemüthigt, es ist ein Schmerz für uns, allein Sie werden von uns nicht fordern, daß wir diese Frage sofort lösen, denn wir müffen dieselbe durch eine Constituante, wir müffen sie conform mit unseren Gesetzen, mit 1) „Eine mächtige Association"! Wodurch mächtig? Nicht durch die Zahl ihrer Mitglieder, denn sie zählt gegenwärtig doch nur 20,000 — auch nicht durch deren Einfluß, denn außer Erömieux ist taum noch ein eigentlicher Politiker darunter — sondern „mächtig", weil sie die Sache des Rechts und der bürgerlichen Freiheit verficht, und die europäischen Regierungen sich solcher Forderung nicht entziehen wollen und können'. Nedaction. unserer Verfassung lösen und Sie können nicht verlangen, daß wir jetzt eine Constituante einberufen, wo wir eine ftemde Occupation im Lande haben . . . Aber siehe da, die Bevollmächtigten erwiederten uns: Wir wollen weder von Ihren Gesetzen, noch von Ihrer Verfassung etwas wissen. Wir verlangen von Ihnen, daß Sie diese Frage sofort ihrer Lösung zuführen'. Sehen Sie, Herr Majorescu, wie die Engländer, die Oesterreicher-Ungarn, die Franzosen die Durchführung des Berliner Tractates verstehen! . . . Allein wir, wir müffen das Terrain vorbereiten, damit etwas aus der Sache werde, ohne daß wir in eine Gefahr gerathen." Die Constituante wird nach der Schlußerklärung des Ministers jedenfalls einberufen; wann? darüber hat die Regierung sich nicht ausgesprochen. (Wahrscheilich will die rumänische Regierung! abwarten, wie sich die neuentftandenen Verwicklungen im Oriente 1 lösen werden. Man kann doch immer noch nicht wissen, wie die Dinge sich gestalten.) Amerika. i i New-Dork, im Oct. lPrivatmitth.) In Ihrem Blatte wurde jüngst von Cincinnati aus über den Umstand geklagt, daß, namentlich in den großen Städten, die Theilnahme der daselbst befindlichen Juden an den organisirten Gemeinden eine verhältnißmäßig geringe ist und sich im Ganzen auf ungefähr ein Drittel beschränkt. Wie sehr hierdurch die Kräfte der Gemeinde und das Gefühl der religiösen Zusammengehörigkeit geschwächt werden, braucht nicht auseinandergesetzt zu werden» Ganz besonders ist dies in New-Aork der Fall. Fragt man nach den Ursachen, so wäre es ungerecht, blos den religiösen Jndifferentismus dafür anzuschuldigen und hiermit sämmtliche, den Gemeinden fern Bleibende dieser Gleichgültigkeit zu zeihen. Thatsächlich giebt es darunter Viele, welche der Religion ihrer Väter treu ergeben sind, und es giebt für nicht Wenige doch Gründe, die beachtenswerth wären. Die Gemeinden fangen gewöhnlich bescheiden an und ihre Kosten sind daher ebenso bescheiden. Die Zahl der Mitglieder wächst. Mit einem Male entsteht der Plan, eine große, prachtvolle Synagoge zu erbauen, einen ausgezeichneten Prediger anzustellen, einen Chor 1 und musikalischen Vorsänger zu beschaffen. Dies ist Alles . recht schön; aber die Kosten steigen dadurch enorm. Die Ge-! meinde belastet sich mit Schulden, und die Steuern — können I von Vielen nicht mehr getragen werden. So muß mancher! weniger bemittelte Biedermann wider seinen Willen aus der i Gemeinde scheiden. Nicht minder wirkt die Reformlust nach- I theilig, die in manchen Gemeinden insofern fast frivol getrieben! wird, daß man es mit dem Wechsel der gottesdienstlichen Formen äußerst leicht nimmt, wozu kommt, daß diese Reformen! sehr oft von Männern ausgehen, welchen die dazu erforderliche 1 sachliche Kenntniß gänzlich fehlt. Auch dies entzieht manches 45

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