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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-11-05 · Heft 45 (5.11.1878) · p. Seite 711

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 45 (5.11.1878)
Date
1878-11-05
Page
Seite 711 (sequence 7)
Language
German
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711 mischen und socialen Gründen räthlicher, wenn unsere Juristen, statt eine erdrückende Concurrenz zu erzeugen, um dann die Folgen einer Standesüberfüllung zu empfinden, in Staatsdienste träten? Gewährt doch dieser mindestens eine gleich ehrenvolle Laufbahn und sichert mit der Reihe der Dienstjahre einen immer höheren Rang, und finanzielle Befierstellung und schließlich — eine angemessene Pension. Nächst der juridischen, wird die medicinische Facultät von vielen ausgesucht. Der graduirte jüdische Arzt betritt nicht ungern die militärärztliche Laufbahn und bringt es auch in der Regel zu einer hohen Stellung in der kaiserlichen österr. Armee. Etwas schwieriger ist hier zu Lande eine landesfürstliche Civilanstellung als Bezirksarzt. Unter den mehr als 70 neusvstemifirten Posten zählen wir kaum 5—6 jüdische Kandidaten. Schließlich dürfen auch die jüdischen Profefioren der Medicin. Facultät nicht vergeben werden. Der Apothekerberuf, welcher, Michl Perl in Tarnopol ausgenommen, erst vor wenigen Decennien den Juden zugänglich wurde, hat bereits mehrere jüdische Apotheker *) und einen ziemlichen Nachwuchs meist aus reichen Häusern aufzuweisen, die früher oder später in Besitz von Apotheken sich setzen werden Wenden wir unsere Betrachtung der philosophischen Facultät zu, so müsien wir über die eisige Kälte staunen, welche in jüd. akademischen Kreisen gegenüber dieser Facultät herrscht. Kaum 2 Jünger wandten sich diesem Berufe zu, und doch hat jenes wisienschaftliche Terrain, die Philosophie, bei den Juden zu allen Zeiten, dem finstern und gcisteslahmen Mittelalter nicht ausgenommen, gastliche Ausnahme und hingebungsvolle Psiege gefunden. Galten ja die philosophischen Studien den Juden an und für sich als der höchste Preis und der schönste Lohn für die Mühewaltung und dies ohne jedweden Beigeschmack eines materiellen Nutzens. Gegenwärtig, wo neben dem hohen moralischen Werth dieses Studiums noch eine einträgliche und höchst achtbare Lebensstellung dem Kandidaten in Aussicht gestellt, wo ferner der Taufschein nicht mehr als die unumgängliche Vorbedingung zur Erlangung irgend welcher Staatsanstellung gemacht wird, ist die Umgehung der philosophischen Facultät geradezu ein unentschuldbares Vorgehen der betreffenden jüdischen Kreise. Ter Einblick in die Mittelschulstatistik weist eine imposante Zahl jüdischer Schüler von hoher Begabung nach, Schüler, welche zu den einen oder zu den andernDisziplinen eine eigene Vorliebe zeigen undin diesen Fächern Hervorragendes leisten; was wäre natürlicher als die fortgesetzte Pflege dieser Lieblingsstudien auf der Hochschule und welche Erfolge würde ein solches Studium erzielen! Mögen diese Wotte Beachtung finden in akademischen Kreisen und möge die Liebe zur Philosoph. Wiffenschast wieder unter ihnen erwachen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß I) In Galizien haben wir 6 jüdische Apothekenbesitzer und zwei Apoihekenpachter. bei einiger Energie unserer Akademiker auch auf diesem wissenschaftlichen Gebiete Männer erwachsen, welche dem galiz. Israel Ehre machen werden. Schließlich noch einiges über die Frequenz der technischen Akademie. Die technische Akademie hat von jeher auf die jüdischen Studirenden anziehend gewirkt und sie bewogen, Akademien von europäischem Rufe aufzusuchen, was Wunder, daß galiz. jüd. Ingenieure weit über die Grenzen unseres Staates wichtige Posten ausfüllen. Zwar hat die wirthschastliche Krise eine unheilvolle Stauung in der Betriebswelt hervorgerufen und eine große Zahl fertiger Ingenieure zur Unthätigkeit verurtheilt; nichtsdestoweniger wird der Moment einer segensreichen und unternehmenden Aera eintreten, wo sie wieder ihre geistigen Kräfte zum Wohle der menschlichen Gesellschaft einsetzen werden." Lemberg, 16. October. (Privatmitth.) Schon vor einigen Wochen berichtete ich Ihnen, daß die Hhperorthodoren dem Plane gegenüber, eine Bildungsanstalt für Rabbiner zu gründen, schwerlich Ruhe halten würden. Dies ist denn auch bereits in Erfüllung gegangen. Das Verdienst, die Dunkelmänner aufgescheucht zu haben, gebührt einem gewiffen Margosches, einem Winkelschreiber, der sich im Methtrinkenden Theile der Galizischen Judenheit ein Renommö verschafft hat. Seine zweifelhafte Wahl in den jüdischen Gemeinderath wurde aus zahlreiche Proteste hin annullirt und hierdurch hat er allerdings etwas zu rächen. Er wandte sich an den Beizer Zadik, als dieser wie jährlich in der galizischen Mettopole verweilte , um seinem einträglichen Geschäft des Regenspendens nachzugehen. Zittern ergriff den chassidischen Häuptling, und schier hätte er seine Kleider zerriffen, als er vernahm, was man vorhabe, denn Margosches sagte ihm, daß die Behörden die Gemeinden zwingen würden, die in dem Seminar gebildeten Rabbiner anzustellen. Zur Hülfe rief man ferner den Rabbiner Schymmon Sofer in Krakau. Der hiesige Rabbiner Ornstein wollte sich nicht damit befaffen, ließ sich aber doch bereden, ein Papier zu unterschreiben, worin er den Sofer berechtigt, auch in seinem Namen zu handeln. Wie bandelte man nun? Man erließ ein Pamphlet, in welchem man die Partei des Fortschrittes mit dem äußersten Geifer überschüttete. Dann rief man ein Jargonblättchen zur Hülfe, weches die Schmähungen der christlich socialen Partei weit hinter sich läßt. Dies ist Alles und die Separatistenführer in Deutschland mögen sich der Urheber dieser schmutzigen Expectorationen als Genoffen rühmen; zu dem Ziele, in der Galizischen Judenheit eine Spaltung hervorzubringen, gelangen sie trotz ihrer Patronisirung nicht! — In der jüngsten Zeit ist man durch eine Reihe von Unglücksfällen, die namentlich innerhalb der intelligenten Kreise vorkamen, aus die Wirthschaft der hiesigen Mohelim aufmerksam geworden. Daß hieraus eine Gefahr für die ganze Institution entstehe, sah man ein, und wandte sich deshalb an

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