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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-11-05 · Heft 45 (5.11.1878) · p. Seite 708

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 45 (5.11.1878)
Date
1878-11-05
Page
Seite 708 (sequence 4)
Language
German
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708 „Auszug aus Aegypten" in den Gebeten, von der beständigen Auffrischung der alten Geschichte durch die Vorlesungen aus der Thora und den prophetisch-geschichtlichen Büchern der heiligen Schrift! So concentrirte sich das geschichtliche Bewußtsein des jüdischen Stammes die achtzehn Jahrhunderte nach der Zerstörung Jerusalems allein auf die heilige Schrift, und alles später Geschehene verblieb ihm kaum in einigen dürftigen Legenden im Gedächtniß. — So identificirt sich nach | allen Richtungen hin das Judenthum mit der heiligen Schrift. Diese ist nicht etwa blos ein Krystallisationspunkt, um welchen weithin das Mineral in gleicher Richtung und Gestalt anschießt , sondern sie ist dem Judenthum der lebendige Stamm, um den sich alles Andere als Rinde und Laubwerk legt. Hier kann demnach eine Frage über die Autorität der heiligen Schrift gar nicht entstehen, denn diese aufgeben, diese zweifelhaft machen, heißt das ganze Judenthum von der Wurzel bis zur Krone aufgeben. Wir bedürfen für die Autorität der Bibel keiner künstlichen Motivirung, keiner blinden Hingabe des Geistes und keines phrasenhaften Scheines, den etwaigen Bruch zu verkleiden. Ganz anders im Christenthume. Dasielbe erstand innerhalb des Judenthums in jener vorübergehenden Zeit der Parteiung vor dem Falle Jerusalems. Da es hier das > die auf den Gesammtumfang ausgedehnte Jnspirationstheorie Schicksal jener Parteien, in die jüdische Einheit wieder aufzu-1 gewissermaßen zwangsweise sichern, und sobald der Rationagehen, theilen mußte, riß es sich von demselben los, sehr} lismus den Feldzug gegen die orthodoxe Dogmatik eröffnete, wesentliche Theile der jüdischen Religionsanschauung abwerfend, j konnte die Frage und dann die Verneinung dieser Jnspirations- und wurde auf die heidnische Welt übertragen, was es nur theorie nicht ausbleiben. Was dann beim besten Willen übrig vermochte, indem es wesentliche Elemente des Heidenthums in bleibt, ersahen wir aus dem Vortrage des Herrn Profesior Ansichten waren, die zum großen Theile mit Waffengewalt unterdrückt wurden und dennoch sich in zwei große kirchliche Lager spalteten. In diesen Kirchen trat aber die Tradition an die Stelle der heiligen Schrift, welche vielmehr wie ein Stück Esoterium den Laien entzogen ward, während die Tradition eine große hierarchische Organisation und Institutionen herstellte, von denen in den neutestamentlichen Schriften keine Spur vorhanden. Die Reformation verwarf deshalb diese ganze Tradition und stellte sich auf die neutestamentlichen Schriften, für deren Auslegung sie die individuelle Freiheit forderte. Darum, und da sie ihr Werk doch nicht consequent durchführte, sondern der kirchlichen Tradition das dogmatische Bekenntniß entlehnte, entstanden durch die Reformation abermals zahlreiche Secten und sich feindlich gegenüberstehende Kirchen. Das Alte Testament kam hierbei nur theils insoweit zur Berücksichtigung, als man darin vorbildliche Andeutungen für die christlichen Dogmen zu finden glaubte, theils insofern man es für die Details der Lehre von Gott und der Sittlichkeit im Unterricht und auf der Kanzel nicht entbehren konnte, und seine Geschichte die Vorgeschichte des Christenthums sein sollte. Unter diesen Umständen konnte die Kirche der heiligen Schrift die erforderliche bindende Autorität nur durch sich aufnahm. So gestaltete es sich vermittelst platonischalexandrinischer Mystik und indem es, um doch eine Grundlage zu haben, sich durch willkürliche Interpretation auf Aussprüche des Alten Testaments stützte. Denn erst gegen Ende des zweiten Jahrhunderts kamen neutestamentliche Schriften zum Vorschein und erlangten allmälig Autorität : der neutestamentliche Kanon wurde erst im fünften Jahrhundert abgeschloffen. Die Folge war, daß alsbald eine große Anzahl von Seelen entstand, die sogar völlig gegensätzlich in ihren dogmatischen Mangold. Uns aber konnte die Gelegenheit nur willkommen sein, die völlig verschiedene Stellung der heiligen Schrift im Judenthume zu erörtern, zu zeigen, daß eine Frage über ihre Autorität im Judenthume gar nicht aufiommen könne, weil unsre Bibel der wahre und eigentliche Lebensmittelpunkt des Judenthums stets war und bleibt. Konnten wir bis hierher die Erörterung nur in ihren Hauptzügen ausführen, so werden wir nunmehr Betrachtungen über ein drittes Moment folgen lassen. öwocc&zic&t&u. Deutschland. Vom Rhein, 21.October. (Privatmitth.) In Dänemark giebt es keine ultramontane Preffe. Dafür wird diese, den Juden gegenüber, von der protestantisch-pietistischen Seite her vertreten. Trotz der sonstigen Feindseligkeit übernehmen es dann die ultramontanen Blätter in Deutschland die Ergüffe der dänischen Widersacher auf deutschen Boden hinüberzuleiten. So hat der Bischof vr. Martensen in Kopenhagen neulichst in einem dickleibigen Buche „Die sociale Ethik" eine Philippika gegen die Juden losgelaffen. Obschon es den Ultramontanen unangenehm ist, von einem protestantischen „Bischof zu sprechen, und sie deshalb hinzufügen, das sei doch nur ein „Generalsuperintendent", und sie der Protestantischen Ethik sehr abhold sind, dieses Kapitel über „das Judenthum im christlichen Staate" wiffen sie herauszufinden, und die „Deutsche Reichszeitung" mit ihrem Gefolge, z. B. das „Deutsche Volksblatt"

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