Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1878)
- Date
- 1878-10-29
- Page
- Seite 700 (sequence 12)
- Language
- German
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700 Judenthum zur Zeit der Zerstörung durch die Römer noch nicht, daß dessen Keime in einem isolirten kleinen Schößling sich nicht hätten verlieren können — vielmehr das, was für eine Auswanderung zur Zeit der ersten Zerstörung eintritt, nämtlich die Beibehaltung der Thieropfer, namentlich an jedem Sabbath, und der Priester, die jedoch nicht aus dem Ahronitischen Stamme sind, sondern zu welchem Amte jeder „reine Falascha" geeignet ist. Rein heißt hier, Westen Vater und Großvater mit den übrigen Landesbewohnern nicht verkehrten, mit ihnen nicht gegessen und getrunken haben. Hier tritt aber noch ein besonderer Umstand ein. Trumpp betont, was Halevy „entweder nicht gewußt oder verschwiegen habe'", daß die Falascha's die Göttin Sombat, die Göttin des Sabbaths, anbeten und ihr Brodkuchen und Bier als Speis- und Trankopfer darbringen. Dies erinnere an die D’awü 712^2, deren Verehrung Jeremias (Kap. 44.) bei den Juden in Aegypten bekämpft. Es ftägt sich daher, ob und in wieweit dies wahr sei? und wir ersuchen hiermit Herrn Halevy, sich darüber zu äußern. Denn wir gestehen offen, daß diese Meinung auch auf einer Verwechselung beruhen könne, z. B. daß nämlich die dortigen Juden alle Kenntniß ihrer Religionsschriften verloren hatten und nur in mündlichen Traditionen lebten; daß dann neben der christlichen Kirche in ihnen eine starke religiöse Evolution vor sich gegangen, in welcher sie die h. Schriften der äthiopischen Kirche entnahmen, immer aber auf Grund ihres tradirten Monotheismus dieser zu gleicher Zeit widerstanden. Hier mußten jedenfalls einige bedeutende Geister wirksam gewesen sein, wobei es jedoch wiederum wundersam ist, daß das Gedächtniß derselben sich nicht erhalten hat. Allerdings ist dies hypothetisch, jedoch, soweit das bisherige Material reicht, ziemlich zwingend. Man sieht, daß es noch vieler Aufilärung über diesen interessanten Stamm bedarf, der gegenwärtig auf 200,000 Seelen geschätzt wird. Ein jüdisches Laddinerseminar in Frankfurt a. d. Oder im Fahre 1763. Jüngst fiel uns ein jetzt seltenes Buch in die Hände: es sich hier nur um einen Engel handelt, da die Falascha's,! August Friedrich Wilhelm Sack's gewesenen König!. Preußischen wie aus ihren Gebeten hervorgeht, starke Anhänger der Engel-! ersten Hofpredigers, Oberkonsistorial- und Kirchenrathes, auch lehre sind und diese sehr ausgebildet haben, und zwar deri Mitgliedes der König!. Akademie der Wissenschaften, Lebensschieden von der talmudischen, wie sie denn auch außer den! beschreibung (Berlin, 1789, Voß.) Im Anhänge enthält es biblischen Namen keine anderen für die Engel haben. ®te|(<3. 267 bis 274) ein Gutachten Sack's vom 9. Mai 1763: Verehrung einer Göttin steht aber mit ihrem strengen Mono-! „Wegen Anlegung einer Thora-Schule zu Frankfurt a. dtheismus so in Widerspruch, daß wir noch eines weiteren j Oder." Das Dokument enthält so viele interessante Momente, Zeugnisses von einem genauen Kenner der Falascha's dafür > daß wir es hier wiederzugeben für angezeigt halten. Die bedürfen. — Wenn die Thieropfer, die Priester, die Verehrung! Umstände, welche dieses Gutachten hervorgerufen, können wir der Göttin Sombat, falls diese letztere wirklich vorhanden, wie! nur aus ihm selbst schließen, da uns Anderweitiges darüber auch die Glaubensmeinung der Falascha's von der messianischen i unbekannt ist. Zeit, in welcher alle Israeliten nach dem h. Lande zurück- Die jüdische Gemeinde zu Frankfurt a. d. Oder wurde kehren werden, ohne irgend Gewicht auf einen persönlichen unter dem großen Kurfürsten etwa 1671 gegründet. Obgleich Messias zu legen, für die Auswanderung zur Zeit der erstenj sehr bald die christliche Kaufmannschaft daselbst aus Furcht vor der Conkurrenz sehr heftige Beschwerden erhob, in denen sogar die Blutbeschuldigung nicht fehlte, so wurde sie doch von Zerstörung sprechen, so ist doch noch ein anderes Moment zu erwägen. Die Falascha's haben nicht die geringste Kenntniß vom Hebräischen, außer einigen hebräischen Bezeichnungen Gottes, Friedrich Wilhelm zurückgewiesen. Die Gemeinde zu Frankdagegen kennen sie den vierbuchstabigen Namen Gottes nicht, j furt vergrößerte sich so sehr, daß sie bei dem Tode Friedrich Sie besitzen die Schriften des alten Testaments, Apokryphen des Großen die größte in der Kurmark 106 Familien und und das Buch Henoch lediglich in der äthiopischen Ueber-!672 Seelen zählte (s. Nr. 13 S. 204). Um 1760 mochte setzung der christlichen Kirche und halten diese Uebersetzung > die Gemeinde eine Jeschiba anlegen wollen, und zwar in für geheiligt. Auch die Institution des Mönchthums —! einem größeren Maßstabe, da sie 5 Lehrer an derselben anmerkwürdiger Weise mit der antimosaischen Kastrirung — und zustellen gedachte. Die damalige Universität von Frankfurt einige Vorstellungen von den letzten Dingen haben sie von der wollte dies nicht dulden, weil sie in ihrer Jntolerenz glaubte, äthiopisch-christlichen Kirche angenommen. Woher dies? Wie, daß diese Anstalt dem Judenthume Vorschub leisten und dem wir oben erwähnt, waren die Juden lange Zeit vor der Einfüh- Christenthumeschadenwürde. Bekanntlich waren im vorigen Jahrrung der christlichen Kirche in Aethiopien daselbst ansässig. > hundert die deutschen Universitäten nicht gerade der Sitz einsichts- Sie leisteten ihr dauernden Widerstand und doch haben sie ihr! voller Aufklärung Die Angelegenheit mußte vor das Obercondie Grundlagen ihrer eigenen Religion zu verdanken. Hier muß j sistorium zu Berlin gebracht und Sack als Mitglied dieser Beein eigenthümlicher geschichtlicher Proceß angenommen werden, daß Hörde mit der Abgabe eines Gutachtens beauftragt worden