Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1878)
- Date
- 1878-10-29
- Page
- Seite 698 (sequence 10)
- Language
- German
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Jubelpaar war, als dasselbe von Neuem eingesegnet wurde, umgeben von 8 Kindern, 23 Enkeln, mehren Geschwistern beiderseits und anderen zahlreichen Verwandten. Verschiedene Deputationen waren erschienen, um dem verehrten Jubelpaare ihre Hochachtung und Theilnahme auszudrücken, ebenso eine große Zahl von Freunden und Freundinnen, die sich dasselbe in der langen Zeit ihres Ehebundes erworben. Besonders hervorzuheben bleibt noch, daß das Jubelpaar mehrere Institute mit Spenden bedachte und zwar die hiesige Synagogengemeinde mit 300 Mk. als Beitrag zu dem Synagogenbau, die hiesigen Armen ohne Unterschied des Glaubens mit 300 Mk., die Marks-Haindors'sche Lehrer-Bildungsanstalt mit 200 Mk. und die Wittwen- und Waisenkasse der jüd. Lehrer Westfalens und Rheinlands mit 200 Mk. — Aeuil Die Weltausstellung und Iom-Kippur. Die IncU'p. beige enthält in einem Feuilleton-Artikel aus Paris eine Schilderung von der Feier des Versöhnungstages! in der portugiesischen Synagoge, aus der wir hier das! Wesentliche wiedergeben. „Die Weltausstellung bot letzten Samstag — ein Gedächtnißsehler des Verfassers, da cs Sonntag heißen muß — in ihren meisten orientalischen Partien einen ungewöhnlichen Anblick. Gegen Sonnenuntergang schlossen sich die Läden eiligst. Das jüdische Fest des Kippur begann, und alle Verkäufer von Rosen aus Jericho, von Papiermessern von Oelbaumholz aus dem Passionsgarten, von heiligen Dornen, sind israelitischer Religion. Ich habe sie im portugiesischen Tempel der Rue de Buffault wiedergefunden, in welchen ich am letzten Montag zur Stunde der letzten Gebete eintrat. Ich habe selten ein malerischeres Schauspiel erblickt. Die Bedeutung dieser Cercmonien entgeht uns Katholiken, aber das Aeußcrc genügt, uns zu interessiren; es ist ergreifend. In diesem Tempel, wo die siebenarmigen Lampen und die Kerzen brannten, welche an diesem Tage von den israelitischen Frommen angezündet waren, wie von unsren Frommen in unsren christlichen Kirchen alle Tage, halten sich die Juden Jerusalems, Algeriens und Marokkos, die in diesem Jahre nach Paris gekommen, eingefunden mit ihren prächtigen Trachten, ihren rothen Fez oder den mit dem weißen Taleth bedeckten Turban und mit ihren scharfen Profilen und spitzen Bärten, ihre hebräischen Bücher vor den Augen und ihre gutturalen Gesänge wie arabische Melodien ausstoßend: so bildeten sie ein wahrhaft unvergeßliches Bild. Und im Grunde des Tempels, im offenen Tabernakel, waren die Gesetzesrollen achtbar, vor welche man von Zeit zu Zeit einen purpurnen Vorhang zog, den man bald wieder zurückzog. Vor ihm fungirte der weißgekleidete Rabbiner, seinen einförmigen und bizarren Gesang zum Gewölbe hinaufschleudernd, der schließlich doch tief ergriff wie ein Refrain aus dem Orient, wie ein Echo der Wüste. In der That, die Scene ist großartig, wenn auch weniger feierlich als unsere katholischen Ceremonien, in denen die Kirche so geschickt die Macht des Pompes und des Schauspiels, wie der Musik, die zu den gothischen Wölbungen mit dem Weihrauch aufzusteigen scheint, verstanden hat. Mer t e t o n. in diesen jüdischen Ceremonien liegt etwas Patriarchalisches, und die Familie scheint darin eine größere Rolle zu spielen als das Individuum. Gegen das Ende dieses langen Fast- und Bettages vereinigte der Familienvater alle Seinigen unter dem über ihre Häupter ausgebreiteten weißen Taleth und segnete sie. Es schien mir in diesem allgemeinen Stillschweigen, als ob ich ein ganzes Volk von Hirten sähe, die zur selbigen Stunde unter ihren im Sande aufgepflanzten Zelten zum Ewigen beteten. Dann bläst der Rabbiner, zum Tabernakel vorschreitend, in ein Widderhorn, zur Erinnerung an den von Abraham geopferten Widder, und dieses primitive Instrument giebt einen bizarren, schneidenden, unvergeßlichen Ton. Er ist das Zeichen der Freiheit. Das Fasten ist zu Ende." — Der Correspondent fährt später fort: „So sehr sich die Religionen gemildert haben, sind sie dennoch immer noch sehr unduldsam, die einen wie die anderen. Dieser Tempel in der Rue de Buffault — ein Meisterwerk orientalischen Baustyls — wurde z. B. von den Beiträgen des Herrn Osiris Jffla erbaut, der als einzigen Lohn die Gunst verlangte, den Namen der Madame Osiris, einer Katholikin, über der Rosette der Ostwand anzubringen. Das Consistorium hat dies nicht gestattet. Der Name einer Christin dürfe nicht in einem Jehova gewidmeten Tempel sich eingegraben finden. (Dies war gewiß nicht der einzige Grund der Weigerung, denn man wird wohl gerade über der heiligen Lade den Namen auch eines Juden nicht schreiben lasten. Redact.) Aber noch mehr, es gab einen großen Lärm, als Herr Osiris auf eine Tafel von weißem Marmor zur Rechten der heiligen Lade die Namen berühmter Juden in goldenen Lettern hatte eingraben lasten. Die Namen von Spinoza und Heinrich Heine, eingegraben an der Seite Meyerbeer's, erweckten den lauten Widerspruch bei den jüdischen Frommen, Spinoza ein Philosoph, Heine ein Renegat! Diese Namen Ungläubiger erregten bei dem Consistorium Anstoß und wenn Herr Osiris nicht fest darauf bestanden hätte, würde sie wahrscheinlich die jüdische Intoleranz ausgelöscht und verbannt haben." — Man muß gestehen, daß diese Herren von der Duldsamkeit und Unduldsamkeit doch sonderbare Begriffe haben! In einem, einem bestimmten Religionsbekenntniß gewidmeten Tempel die Namen Solcher verherrlichen zu wollen, welche dieses Bekenntnis thatsächlich und durch Wort und