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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-29 · Heft 44 (29.10.1878) · p. Seite 696

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 44 (29.10.1878)
Date
1878-10-29
Page
Seite 696 (sequence 8)
Language
German
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696 Mitgliedern hatten sich mehrere hohe officielle Persönlichkeiten, als der Polizeipräsident, der Vorsitzende der Stadtverordneten, die Bürgermeister u. m. A. eingefunden. Nachdem ein Lied abgesungen, brachte der erste Gemeinderepräsentant in passenden und würdigen Worten dem Jubilar den Dank der Gemeinde für die langjährige, verdienstvolle Thätigkeit dar. Hiernach gelangte eine zur Feier des Tages von Herrn G. Siesby verfaßte und vom Pianisten Herrn N. Berendt componirte Cantate für Chor mit Orchesterbegleitung zur Aufführung. Nach Beendigung des ergreifend schönen Tonwerks bestieg der Jubilar die Kanzel. Zum Ausgangspunkt für seine Betrachtungen dieselben Worte wählend, die er in seiner Antrittsrede vor 50 Jahren als Einleitung gebraucht hatte, schilderte der Redner in einem längeren und siießenden Vortrage die Aufgaben und Pflichten des israelitischen Geistlichen; er traue sich nicht zu, sie in ihrer ganzen Ausdehnung erfüllt zu haben, sei sich aber bewußt, stets nach besten Kräften gestrebt zu haben; er bringe an diesem Tage der Abrechnung seinen Dank allen Denjenigen, welche ihm fteundlich entgegengekommen wären und ihm sein schwieriges Amt erleichtert hätten, und er gedenke in Dankbarkeit aller der Dahingeschiedenen, die ihm treulich zur Seite gestanden. Die wirkungsvolle Rede schloß mit einem Gebete sür das königliche Haus, das Land und die Anwesenden. — Uebrigens ist nicht der Jubilar nur der beschenkte Theil, sondern auch er hat seiner Gemeinde, in Anerkennung ihrer Liebe und Anhänglichkeit zu ihm, ein ebenso sinniges als willkommenes Festgeschenk in einem soeben erschienenen polemischwiffenschaftlichen Werke, „Die Talmudfeinde" betitelt, gewidmet. (S. Nr. 42 d. Zeitung) Dieses umfangreiche Werk, welches übrigens in erster Auflage bereits vergriffen ist, wendet sich wider die Angriffe und Anfeindungen, welche der Bischof von Seeland, sowie einige andere dänische Geistliche, lutherischer Confession, in der letzten Zeit gegen die Juden, als Staatsbürger und Menschen gerichtet haben, und der Verfaffer hat in dieser Monographie neuerdings ein glänzendes Zeugniß von seiner tiefen Kenntniß nicht nur der jüdischen, sondern auch der christlich-theologischen Literatur niedergelegt. Eine eingehendere und speciellere Kritik behalte ich mir vor, falls Ihre werthe Zeitung nicht schon inzwischen von anderer Seite hiermit bedacht wird. Noch ist zu erwähnen, daß der Landesfürst dem Jubilar das „Ehrenzeichen des Dannebrogsordens" verlieh, deffen Ritterkreuz vr. Wolff bereits zum 25jährigen Jubiläum erhalten hatte. Serbien. Belgrad, io. October. Da England, Frankreich und Italien die Unabhängigkeit Serbiens nur nach der erfolgten Durchführung der gesetzlichen Gleichstellung der Juden anerkennen wollen, ist der Fürst bemüffigt, die Skupschtina ungesäumt einzuberufen. Dem steht aber noch die Ministerkrise im Wege. (Diese letztere ist bereits durch Einsetzung eines neuen Ministeriums unter Ristics abgeholfen. Redact.) Rußland. Petersburg, 11. October. (Privatmitth.) X. Heute habe ich ein erfteuliches und bedeutsames Ergebniß mitzutheilen. Schon vor neun Jahren gewährte unser allergnädigster Kaiser Alexander II. den Hebräern in seiner Residenzstadt die Erlaubniß, eine Synagoge zu bauen. Aber alle, selbst mit großen Geldopfern verknüpfte Versuche, die Platzftage zu entscheiden, da sogar ein angemesiener Platz schon käuflich erworben war, scheiterten an der Verweigerung der Bestätigung seitens der zuständigen Behörde. Der neue Stadtbefehlshaber nun, General Sur off Excellenz, fand während der kurzen Dauer seiner Amtsführung bereits Zeit genug, um diese Platzfrage zu entscheiden, so daß die Bestätigung erfolgt ist. Wie sehr wir dadurch zum Danke gegen den Herrn Stadtbefehlshabcr und zur Anerkennung seines wohlwollenden Verhaltens gegen uns verpflichtet sind, liegt auf der Hand, und muß es gewiß unsre Aufgabe sein, diese theilnahmsvolle Freundlichkeit deffelben auch fernerhin zu verdienen. Sicherlich werden sich nun auch alle geistigen und materiellen Kräfte unsrer hiesigen Glaubensgenoffen vereinigen, um die nöthigen Geldmittel zu einem stattlichen Bau und die geistigen Anstrengungen, welche die Herstellung eines würdigen Gottesdienstes erfordert, zu beschaffen. Möge jener uralte Geist der Opferwilligkeit, den die h. Schrift schon bei der Errichtung der Stiftshütte in der Wüste so nachdrücklich schildert, daß die Israeliten mehr herbeibrachten an Gaben, als verwendet werden konnte, mag dieser Geist auch unter uns Reich und Arm, Gelehrt und Ungelehrt, Vornehm und Gering beseelen, damit Jeder seinen Antheil habe an dem neuen Heiligthume! Denn in der That hat das neue Gotteshaus eine außergewöhnliche Bedeutung für uns, wie vielleicht an keinem anderen Orte der Welt. Wie lange ist es her, daß man auch noch nicht einmal die Hoffnung hegen konnte, in der Hauptstadt des großen Czarenreichs eine Synagoge erstehen zu sehen! man mußte sich begnügen, in kleinen | ©nippen in vielen elenden Localitäten einen, in seiner Erschei-! nung unwürdigen Gottesdienst abzuhalten, der sprichwörtlich ( zur Bezeichnung jeder Unordnung mißbraucht wurde. Ein ge- I nügend großer Tempel wird nun die hiesigen Bekenner des | Judenthums vereinigen, und wird, wie wir hoffen, der Gottes- , dienst darin in würdiger und eindrucksvoller Weise vollzogen, so wird einerseits der Geist unsrer Glaubensgenoffen gehoben, . werden alle Anstalten nnd Einrichtungen der Gemeinde neu belebt und um einen Mittelpunkt vereinigt, und dies auf fast! sämmtliche Schwestergemeinden in Rußland eine nachhaltige j Wirkung üben. Andererseits hat die kaiserliche Regierung

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