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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-29 · Heft 44 (29.10.1878) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 44 (29.10.1878)
Date
1878-10-29
Page
Seite 691 (sequence 3)
Language
German
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691 Jntoie gegen das Neue Testament richtet, so mußten wir auf' Für das Judenthum besteht also die Frage nicht darin: diese Unterscheidung eingehen und für das Alte Testa ment die ob die sämmtlichen Schriften der israelitischen Bibel und in Gleichgültigkeit und Resultatlosigkeit der Bestreitung der spirationstheorie in Anspruch nehmen. Auseinandersetzung eine — wir sagen Selbsttäuschung, wenn Herr Professor Mangold in der angeführten Stelle sagt: „Die alttestamentlichen haupten nirgends, daß ste Gotteswort seien u. ihrem gesammten Umfange von Gott herrühren, von seinem Es ist nach unserer , Geiste rnspirirt sind? sondern ob die in der Schrift als Gottes es ungern — Art Worte bezeugten wirklich solche sind, durch eine unmittelbare Eingebung aus Gott geflossen? Die Beantwortung dieser chriften be-: Frage wird nun durch jene äußerlichen Gründe, welche der to.", denn Verfasser des Vortrages heranbringt, gar nicht influirt. Sie daß sie behaupten, sie bringen und enthalten Gotteswort, liegt gehört dem Glauben an, wie er im Judenthume stets ausdoch aus unzähligen Stellen zu Tage, und zwar so, daß sie. recht erhalten wurde, wie er mehr oder weniger lebendig wörtlich die Worte Gottes zu geben bezeugen. — Auch das , in den Geistern besteht, wie er in den verschiedenen Zeitaltern Argument, daß den Propheten der Stoff aus der geschichtlichen! mehr buchstäblich oder mehr im geistigen Sinne gefaßt wird. Situation kommt und ihre Gedankenbildung und Ausdrucksweise die individuelle Prägung zeigen, erscheint doch nur kleinlicher Art. Die Bibel bringt von ihrem Beginn an die göttwie er in dem Einen das Seelenleben beherrscht, in dem Anderen der Kritik unterzogen wird; wie er Diesem als Bedingung der religiösen Anschauung erscheint, während es Jenem liche Offenbarung nur im Gewände der Geschichtsschreibung, nur aus den Inhalt, auf die Lehre selbst und wie weit sie und zeigt die Entwicklung jener, wie sie von geschichtlichen sich in seiner Ueberzeugung wiedersindet, ankommt. Dieser Umständen begleitet, zum Theil hervorgerufen wurde. Es kam j Glaube an die Göttlichkeit des Gottesworts in der heiligen ja gar nicht daraus an, ein systematisches Theorem in streng, Schrift hat demnach wie alles Menschliche seine Geschichte; gegliedertem Zusammenhänge aufzustellen, sondern die Gottes-,und gerade darum kann die Autorität der Bibel von ihm lehre dem Volke zu verkünden und sofort auf daffelbe religiös allein nicht abhangen, sondern muß noch in anderen Momenten und sittlich einwirken zu laffen. Der Prophet war kein, bestehen, zu denen wir uns jetzt zu wenden haben. Kathederlehrer, der eine Wiffenschast in logischer Scharfe vorträgt, sondern er war berufen, den zeitweisen Abfall und biej gangbaren Laster zu bekämpfen, indem er dem Volke die gött-, liche Wahrheit lehrte und einschärfte, die ebensowohl in der Lehre selbst als in der Hinweisung auf die Folgen ihrer Uebung oder Verletzung, des Heils oder Unheils, des Lohns oder der Strafe besteht. Die Verkündigung einer göttlichen j Wahrheit innerhalb einer geschichtlichen Situation kann also; hierdurch an Kraft und Gültigkeit gar nichts verlieren, selbst! GroHherzogthrrin Hessen. Gesetz, den Austritt aus den israelitischen Lelizionsgrmeiudeu betreffend. (tyrvh. Hessisches Regierungsbl. Nr. 20 vom 26. Sept. 187S.) Art. 1. Es ist jedem Israeliten gestattet, ohne Austritt wenn durch diese Situation der Gegenstand derselben bestimmt aus der israelitischen Religionsgemeinschaft dem Judenthum), wird. Gleiches findet mit der individuell geprägten Ausdrucksaus derjenigen israelitischen Religionsgemeinde auszutreten, weise statt. Der Talmud macht den bedeutsamen Grundsatz welcher er vermöge seines Wohnens in deren Bezirk angehört, geltend CTS '2min mm „die Thora spricht nach Ein Jsraelite, welcher von dieser Befugniß Gebrauch der Redeweise der Menschenkinds, er wendet dies sogar auft gemacht hat, wird bei Verlegung seines Wohnsitzes in den das Gesetz und deffen Ausdrucksweise an;Jebam. 71, 1: Be- Bezirk einer anderen israelitischen Religionsgemeinde nicht raob. 31, 2), Maimonides stützt sich darauf bei der Erklärung: Mitglied dieser Gemeinde, wenn er derselben vor oder bei seinem der Anthropomorphismen und Anthropopathismen (^lor. Xeb.; Einzug eine schriftliche Erklärung, daß er nicht Mitglied der I., 26) *). Ganz besonders aber erklärt dieser Grundsatz, wie Gemeinde werden wolle, abgiebt. im gottbegeisterten Propheten die Wahrheit, die er auszu- | Art. 2. Ter Austritt aus der israelitischen Religionssprechen hat, sich in Bilder und Ausdrücke kleidet, die ihm gemeinde hat erst dann bürgerliche Wirkung, wenn derselbe geläufig und dem Volke verständlich waren. Hier überall; von dem Aus tretenden in Person bei dem Gericht seines gewiffermaßen eine officielle Gortessprache, eine aller Orten und Zeiten gleiche Form zu fordern, so den Propheten zu einer, bloßen Schallröhre herabwürdigen zu wollen, heißt doch selbst! der alten Jnfpirationstheorie Gewalt anthun. i) Munk in den Anm.;u seiner Ueversetzung citirt irrthüm- Uch Baba Mezia :n. 2 statt Berachoth, Le Guide des Egares T. I. p. HS. Wohnorts (Einzelrichter) zu Protocoll erklärt worden ist. Der Aufnahme dieser Austrittserklärung muß ein hierauf gerichteter Antrag vorausgehen. Derselbe ist durch das Gericht dem Vorstande der Religionsgemeinde, der der Antragsteller angehört, ohne Verzug bekannt zu machen. Nach Ablauf von vier Wochen nach jener Antragstellung kann die protocollarische Aufnahme der Austrittserklärung erfolgen. Ist dieselbe 4-1*

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