Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1878)
- Date
- 1878-10-29
- Page
- Seite 690 (sequence 2)
- Language
- German
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690 Allerdings treten diese Gründe, wenn sie buchstäblich aufgefaßt werden, der buchstäblichen Jnspirationstheorie entgegen. Erheben wir uns aber zu einem nur etwas höheren Verständnisse, so schwächt sich das Gewicht ihrer Beweiskraft ab. Der Talmud selbst behauptet nur von der Thora den unbedingt göttlichen Ursprung. Bemerkenswerth ist, daß, 5 Mos. 31, 9, stimmteste gelehrt, und selbst über die Prophetie eine nähere Angabe 4 Mos. 12, 6. 7 gemacht. Nach dieser Stelle soll die Kundthuung Gottes in vier verschiedenen Arten geschehen:!sp_7a eine (vorzugsweise nächtliche) Vision, in der, ohne eine Gestaltung, Worte im Innern des Menschen vernommen werden, 21*M Traum, ix-.s eine Erscheinung, eine sichtbare, die ent- Moses „diese Lehre" niederschrieb, sie den Priestern übergab j weder sich nicht ausspricht, sondern deren Sinn selbst gefunden und dieselbe alle sieben Jahre vor dem versammelten Volke sein will (1MM2), oder M 12121 die eine Anschauung Gottes, vorzulesen befahl, ohne dazu ein Gebot Gottes zu haben,! die Eigenschaften und das Wesen Gottes in einer Versinnbildwährend V. 19 ihm Gott befiehlt, den großen Sang (Kap 32) j lichung, oder endlich 12 ^?X 12, '22 ^X 2*22 in klarer verständmederzuschreiben und den Israeliten zu lehren, um als Zeug- - licher Sprache vernehmbarer Töne, wie Mensch redet zum niß Wider sie zu dienen. Von den Propheten sagen die Talmudisten, daß sie durch ein unklares Spiegelglas gesehen Menschen (s. uns. Bibelw. B. I. S. 738). Nicht minder bezeugen die Propheten meist selbst, daß ihre Reden Einhaben, während Moses durch ein Helles feingeschliffenes, oder gebungen Gottes, ihre Worte Ausflüffe des göttlichen Geistes daß sie durch neun Arten von Spiegelgläsern ihre Gesichte! seien. Bei ihnen, wie auch nicht selten in den Geschichtshatten, Moses hingegen nur durch ein Spiegelglas*). Wenn ferner die Talmudisten von Hiob aussagten (trotz Ezech. 14, 14. 20), daß Hiob niemals gelebt habe, sondern nur eine Dichtung sei; wenn sie lange zweifelhaft waren, ob sie Kohelet in den Kanon aufnehmen sollten und das Hohelied nur bei einer künstlichen allegorischen Auslegung hineinkommen konnte — so sieht man daraus, daß selbst der Talmud nicht an eine buchstäbliche Inspiration für Alles, was zwischen den beiden Banddecken der heiligen Schrift steht, dachte. Wie anders gestaltet sich aber die Sache, sobald die Frage gestellt wird: büchern, kündigt sich dies durch die Worte: "!21 ^X “121 Ml an, und nichts ist häufiger, als daß ein neuer Absatz in der Rede des Propheten durch M 12X “2 oder noch feierlicher 11X2S M^X TI “12X 12 eingeleitet wird. — Wir haben dies hier nur skizziren wollen, um zu zeigen, daß mit dem Wegfall der veralteten Jnspirationstheorie, welche die heilige Schrift vom ersten Worte der Schöpfungsgeschichte bis zum letzten der Chronik von Gott dictiren ließ, der bindenden Autorität der Bibel, d. h. des Alten Testamentes, durchaus kein Abbruch geschehen, da in diesem letzteren ein großer Theil seines Jngiebt die Bibel selbst Zeugniß für die unmittelbare göttliche! Halts als Ausspruch Gottes, als unmittelbare Eingebung Eingebung vieler und großer Partien in ihr? Bezeichnet sie Gottes bezeugt ist. Nicht also gegen die Jnspirationstheorie, den Ursprung nicht geringer Theile als unmittelbar aus Gott? sondern gegen dieses Zeugniß der heiligen Schrift selbst mußte Wer dies leugnen wollte, dürfte kaum einen Blick in die hei- Herr Profeffor Mangold seine Beweise heranbringen, wenn er ligen Schriften Jsrael's gethan haben. Schon bei Adam, bei Noah, bei Abraham und am meisten bei Moses werden Ansprachen Gottes durch das einfache '! "12X1, M 1211 eingeführt, und dies bezeugt doch unwiderlegbar, daß die Worte als von Gott unmittelbar eingegeben angesehen werden sollen. Dies tritt ganz besonders bei der Verkündigung der Zehnworte im Angesichte des ganzen Volkes hervor, und wird hierauf die ganze specielle Gesetzgebung 2 Mos. 20 , 22, vergl. 21, 1, eingeleitet durch '121 12X1 12 1V2 ^X Ti 12X1. Als Moses das Heiligthum in der Wüste errichten sollte, wird ihm 2 Mos. 25, 9 „ein Vorbild der Wohnung und aller ihrer Geräthe gezeigt, zur Fertigung aber wird (31, 3) Bezalel „mit dem Geiste Gottes an Kunstfertigkeit und an Einsicht und an Erkenntniß und an aller Geschicklichkeit erfüllt." Hier also überall wird eine unmittelbare Eingebung, eine Anwesenheit und Einwirkung Gottes und „des Geistes Gottes", der folglich vom Geiste des Menschen unterschieden wird, aufs Bell .1X1 .1N2 12^21^2 XT^22DX “112 1X1 2*X*22.1 ^2 IM m*!^22DX T2 “p!2 und inSTTUM XT1222X 1112 11X X*!^22DX2 1X1 1V21 C**XT1 2*X*221. aus diesem Momente heraus die Autorität der heiligen Schrift als beseitigt erwiesen haben wollte. Dies hat er nun nicht einmal versucht. Jndeß erklären wir uns dies aus dem Grunde, weil die neutestamentlichen Schriften in -der That nicht im Namen Gottes sprechen, sondern nur im Namen Jesu, sowie Jesus selbst nur in seinem eigenen Namen spricht und seine häufigste Redeweise in den Worten besteht: £ya> öe Uya> v;xlv „Ich aber sage Euch", worin der charakteristische Gegensatz zu dem prophetischen „so spricht der Ewige, der Gott der Heerschaaren", besteht. Das Neue Testament bedarf also, um eine bindende Autorität zu haben, jener Jnspirationstheorie, das Alte Testament nicht, weil in ihm das, was als unmittelbare Kundgebung Gottes gelten soll, als solche bezeugt ist. So kann z. B. es dem Judenthume sehr gleichgültig sein, ob Jemand die Völkertafel, die Liste der israelitischen Könige, die genealogischen Tabellen der Chronik für inspirirt hält oder nicht, während es dem Christenthume von wesentlicher Bedeutung ist, ob das Geschlechtsregister zu Anfang des Matthäus als unzweifelhaft bewährt anerkannt werde. Da nun aber dennoch Herr Mangold seine Bekämpfung der Jnspirationstheorie und die Schlußfolgerung daraus ebenso gegen das Alte