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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-29 · Heft 44 (29.10.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 44 (29.10.1878)
Date
1878-10-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Cm unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. | -Mcfe Zeitung erscheint wöchentlich i einmal in 2 diS 2'/2 Bozen. Preis | Bierteljähriz 3 Mark. Inserate werden i mir 2» Pf. für die Vetitzeilc oder deren Raum berechnet. Aue Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner I>r. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten! wende man sich an r>r. L. pyiUvvsou in i Bonn; hinsichtlich der Inserate an M.! ZLoffei« Leipzig «nvveflen Filiale« > in Berlin, BreSlau re. > Inserate, welche bis vonnerstay erngehen. finden in der daraussolgenden Rümmer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 29. October 1878. JG 44. Inhalt. Leitende Artikel: Von der Autorität der Bibel. I. — GroßherzogthumHessen: Gesetz, den Austritt aus den israelitischer: Rcligionsgemeinden betreffend.— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Elberfeld, Würz bürg. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Lemberg.— Dänemark: Ans Dänemark. — Serbien: Belgrad. — Rußland: Petersburg, Aus dem asiatischen Rußland. — Asien: Aus China. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Weltausstellung und Jom-Kippur. — Noch einmal die Falascha's. — Ein jüdisches Rabbinerseminar in Frankfurt a. d. Oder im Jahre 1763. Stehende, (SLxhJkct. Bonn, 23. October. Von der Autorität der Lide!. i. Vor Kurzem erschien (Berlin, Schleiermacher, 1878) ein Dortrag, gehalten am 3. December 1877 in Frankfurt am Main vom Professor der evangelischen Theologie zu Bonn Dr. W. Man gold: „Die Bibel und ihre Autorität für den Glauben der christlichen Gemeinde." Der in edler und warmer Sprache abgefaßte Vortrag zeigt als Resultat, wie lose das Band zwischen dem Protestantismus und der Bibel geworden, das doch Luther und die Resormatoren so sest, so unzerreißbar geknüpft zu haben glaubten. Ta stehen sich nun zwei Parteien schroff gegenüber, von denen die eine die evangelische Kirche an das Bibelwort und die in ihr tradirte Auslegung deffelben mit ehernen Klammern sesthält, die andere die bindende Autorität der Bibel verwirft urrd sie jedem Individuum zum freien Schalten überläßt, und zwischen diese beiden versuchen wohlgesinnte Männer Rufe des Friedens auszusenden, Vermittelungen anzustreben, die jedoch stets an der Künstlichkeit und an Voraussetzungen scheitern, welche von beiden Parteien Zurückgewiesen werden. Hierunter müffen wir auch den Vortrag des Herrn Mangold rechnen. Selbstverständlich interessirt auch uns der Gegenstand, obgleich, wie wir hier sofort bemerken wollen, die Autorität der heiligen Schrift im Judenthume auf noch ganz anderen Momenten beruht, als für die anderen Religionen, und obschon der evangelische Theologe es mit dem Alten und Neuen Testamente') zugleich zu thun hat, wovon wir nur das erstere acceptiren. — Dem Verfasser ist es zunächst darum zu thun, zu zeigen, daß die alte, auch vom orthodoxen Protestantismus festgehaltene Jnspirationslehre, nach welcher die ganze heilige Schrift vom ersten bis zum letzten Wort vom Geiste Gottes geradezu dictirt ist, unhaltbar sei und daß hiermit die bindende Norm für den Glauben verloren, die Autorität der Bibel in ganz anderen Momenten zu suchen sei. Wir werden später sehen, welche und wie schwach diese Erwägungen sind, die dem Redner für die Autorität der heiligen Schrift noch zu Gebote stehen. Er sagt hier, daß die alttestamentlichen Schriften „nirgends behaupten, daß sie im Gegensatz zu anderen Schriften ihrer Zeit Gotteswort seien, wunderbar entstanden und wunderbar vor Jrrthum geschützt." Auch knüpfen die Geschichtsbücher an Ouellenschriften an, was doch einer „göttlichen Eingebung" widerspricht' bei den Dichtern des A. T. „klingt die Stimmung des Dichters jedesmal in Tönen aus, die aus seinem eigenen Herzen emporsteigen." Selbst die Propheten wissen sich zwar „vom göttlichen Geiste getrieben", aber. ihrem „Zeugniß führt doch die geschichtliche Situation den Stoff zu, und von dem eigenartigen Wesen des weiffagenden Gottesmannes wird die Präge der individuellen Gedankenbildung und des besonderen sprachlichen Ausdrucks empfangen." l) Wir gebrauchen diese Bezeichnungen ohne Präjudiz nur der Kürze wegen.

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