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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-22 · Heft 43 (22.10.1878) · p. Seite 681

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 43 (22.10.1878)
Date
1878-10-22
Page
Seite 681 (sequence 9)
Language
German
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681 neuester Zeit ein Synagogenbau zu so vielen Verhandlungen j tage stürzte gegen 111;'.2 Uhr Morgens die Decke der mit An- Anlaß gegeben wie der zu Hameln. Die israelitische Gemeinde! dächtigen gefüllten Synagoge ein; an 30 Personen wurden daselbst hatte nämlich die dortige unbrauchbar gewordene: durch die herabfallenden Trümmer erheblich verletzt. Ein Garnisonkirche mit Zustimmung des Magistrats von der Stadt | Handlungsgehülfe erlag seinen Wunden bald darauf, andere für 33,000 M. angekaust, um fie in eine Synagoge umbauen schweben in Lebensgefahr. Herzzerreißende Scenen spielten stch zu lasten. Kaum hatte aber die christlich-orthodoxe Partei in H. hiervon Kunde erhalten, als sie in einer von 53 Personen besuchten Bürgerversammlung eine Petition an den Magistrat entwarf, in der es heißt: „Es würde für die kirchlich gesinnten Bewohner Hamelns kaum zu ertragen sein, die St. Spiritus- Kirche künftig den jüdischen Religionsgebräuchen übergeben und solcher Weise entchristlicht zu sehen. Die Umwandlung eines Gotteshauses, wie sie unseres Wistens bisher im Lande noch nicht vorgekommen ist, müßte das Urtheil Aller, denen ihr Glaube nicht gleichgiltig ist, in weit stärkerem Maße herausfordern, als wenn an einzelnen Orten unbenutzte Kirchengebäude zu profanen Zwecken verwandt werden." Die städtischen Collegien, welche diese Ansicht keineswegs theilten, beschlosten hierauf, die Erlaubniß zum Verkauf der Kirche an die jüdische Gemeinde vom Cultusministerium einzuholen. Als Bescheid wurde der Magistrat vom Consistorium veranlaßt, die Mitglieder des Kirchenvorstandes in Hameln in dieser Sache um ihre Meinung zu beftagen und als diese sich für Beibehaltung der Kirche und zwar zu kirchlichen Zwecken ausgesprochen hatten und ohnehin von der Landdrostei die Genehmigung zum Verkaufe der Kirche nicht ertheilt worden war — jedoch nur, weil der Kaufpreis zu niedrig erschien und das Gebäude nach vorgenommener Abschätzung einen größeren Werth repräsentire, also nicht etwa, weil schon der Verkauf der Kirche an die jüdische Gemeinde an sich für unstatthaft angesehen wurde —, so mußte sich die Gemeinde zum Baue einer neuen Synagoge entschließen. Wenn demnach Herr Superintendent Sievers in der Bezirkssynode, welche am 18. September in Hameln tagte, berichtete, daß es in der Bevölkerung die größte Befriedigung hervorgerusen habe, daß der Verkauf der Garnisonkirche an die jüdische Gemeinde nicht genehmigt worden sei, so kann er nur den Theil der Bevölkerung im Auge gehabt haben, der seine religiöse Richtung theilt. Die Kosten, welche der Synagogenbau verursacht, werden theils durch fteiwillige Beiträge der Mitglieder der Synagogengemeinde, theils durch eine Beisteuer von 1500 M., welche von einem Herrn aus Hannover herrührt, und theils durch den Erlös einer Lotterie, welche unser Oberpräsident zu diesem Zwecke gestattet hat, aufgebracht. Die in meiner jüngsten Correspondenz enthaltene Mittheilung, daß in Gifhorn der erste Fall vorgekommen sei, daß in ab, als die ächzenden schwer Verletzten aus dem Tempel getragen und auf dem Vorplatze von den Ihrigen, die sie kurz vorher gesund verkästen hatten, in so entsetzlichem Zustande in Empfang genommen wurden. Oesterreich-Ungarn. Brody, 7. October. Man schreibt der N. fr. Pr.: Gerüstet und vollständig in sich abgeschloffen standen diesmal zwei Parteien bei der Reichsrathswahl einander gegenüber: die gesammte Wählerschaft der Stadt Sloczow mit einer nicht unbeträchtlichen Auxiliartruppe polnischer Wähler in Brody für den früheren Kreisgerichts-Präsidenten von Zloczow, Ober- Landesgerichtsrath Dr. Zborowski, und fast das Totale der jüdischen Wähler Brodys für den Wiener Kaufmann David Horwitz, der ehemals in Brody lebte. Von beiden Seiten waren Agitaion und Betheiligung äußerst lebhaft; der Sieg schien dem Brodyer Candidaten gesichert, der jedoch im letzten Momente unterlag, weil die jüdischen Stimmen in Zloczow, die sonst dem von der Brodyer Majorität aufgestellten Candidaten zu gehören pflegten, jetzt dem Zloczower zufielen, der jeder Ablegung eines politischen Glaubensbekenntnistes sorgfältig aus dem Wege ging. So verliert die israelitische Einwohnerschaft Galiziens nach und nach ihre Positionen und ihre legale Repräsentanz, sie wird von den überschäumenden nationalen Elementen zurückgedrängt, und wenn diese Beeinträchtigung fortdauert, wird sie in die Nothlage gerathen, einen Pact mit den Ruthenen schließen zu muffen, die ebenfalls den Kampf um's Dasein kämpfen. Bosnien. Serajewo, im October. Dem Pesti Naplo wird folgendes intereffante Bild aus dem Leben der hiesigen, namentlich der spaniolischen Juden entworfen: „Die hiesige Cultusgemeinde wendete sich durch eine Deputation an den FZM. Philippovich mit der Bitte, daß er den jüdischen Soldaten gestatte, die Feiertage im Kreise der Gemeinde zu verleben. Der Feldzeugmeister gab der Bitte Folge, und aus dem Regiments-Tagesbefehl vom 20. v. M. erfuhr ich, wir seien für zwei Tage der Dienstleistung enthoben, ja, mein Compagnieunserer Provinz ein Jude zum Senator ernannt worden ist,! Commandant ging noch weiter, er beurlaubte mich für drei bedarf insofern einer Berichtigung, als bereits im vorigen Tage nach Serajewo. Am 27. Morgens machte ich mich von Jahre dem Vorsteher der Synagogengemeinde zu Leer, Herrn Kaufmann M. K oppel, daffelbe Ehrenamt übertragen wurde. Stzrelno (Prov. Posen), 8. October. Am Versöhnungsder Romanja-Planina aus auf den Weg, und es begann schon zu dunkeln, als ich hier anlangte. Durchnäßt und beschmutzt, wie ich war, eilte ich in den Tempel, wo der Gottesdienst 43

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