Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1878)
- Date
- 1878-10-15
- Page
- Seite 667 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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667 zuvorzukommen und vorzubeugen. Lernt also der Sachkundige nichts aus ihm, so wird es alle Diejenigen, welche vorurtHeilslos ein unparteiisches Urtheil sich erwerben wollen, befriedigen. Der Vers. bedauert, daß die Widerlegungen Rohlings sich nicht genug verbreitet hätten und gerade nicht in die Schichten des Volkes gedrungen wären, in welche Rohlings und seiner Partisane Schmähschriften eine so große Verbreitung gefunden haben. Dies ist aber sehr natürlich; denn in diese Kreise dringt überhaupt nur, was von der ultramontanen und reaktionären Presse ausgeht, und dann ergötzt sich der Mensch vielmehr an Schmähungen als an Vertheidigungen. Wir wünschen, daß das vorliegende Schriftchen ein besseres Geschick habe, ohne hierfür viel Hoffnung zu hegen. — Vom Fuß der Alpen sehen wir uns nach den Inseln des baltischen Meeres versetzt, denn auch dahin ist der Streit um den Talmud gedrungen. Mit viel schwererem Geschütze ist die umfängliche IV und 504 S.) von uns bereits angekündigte Schrift des Oberrabb. Dr. A. A. Wolfs zu Kopenhagen ausgerüstet: Talmud eiender et Gemaele mod de seneste angreb paa joderne og Jodedommen. Af. A. A. Wolft. Kjobenhayn. Keitzel. 1878. Ist auch dieses Werk von polemischer Tendenz, und geht zunächst auf Angriffe dänischer Autoren ein, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß Angriff und Vertheidigung allgemeiner Art find und daß ein so gelehrter und geistreicher Schriftsteller, wie unser Autor ist, bei dieser Gelegenheit viele Resultate seiner Forschungen, Beobachtungen und Erfahrungen darlegt, und so den Gegenstand, den er behandelt, nach vielen Seiten hin bereichert. Hierfür zeugt! Ludwig Boerne, dem die unparteiische Nachwelt die verdiente schon das Inhaltsverzeichnis. Wir bedauern nur, daß der Stelle in der zeitgenössischen Literatur und Geschichte anzu- und hierzu kommt, daß der Verfaffer sich so oft in mythologische und theosophische Probleme versenkt, daß er „den gebildeten Lesern", für welche er schreibt, schwer verständlich wird. Auf die Schriftstellen folgt ein Stück aus Targum Onk., ein Synagogallied und eine kleine Anzahl Talmudstellen. Ist somit das Buch eine „biblische", so kann man sie doch keinenfalls eine „talmudisch-rabbinische" Blumenlese nennen, da der Talmud so geringfügig, der Rabbinismus gar nicht vertreten ist. Im Einzelnen ist das Werk des Verfassers an Bemerkungen nach allen Seiten hin reich, wenn auch viele derselben sehr gewagt und der Kritik bedürftig erscheinen. Wie der Verfaffer seine Schrift eine „Allgemeine Eulturgefchichte" zu nennen, wie er in dem einleitenden Worte die Prachtstickerei als eine speciell jüdische Kunst der Plastik und Architektonik der alten und modernen Völker gleichzustellen vermochte, verstehen wir nicht, noch dazu, da in Beziehung auf die Stickerei die katholische Kirche einen außerordentlichen Reichthum entfaltet hat. Im klebrigen wünschen wir dem Verfaffer den besten Erfolg. — Alexandre iVeHl, Ludovic Boerne, sa vie, sa mort, son monumeat, $es ecrits iranrais, son oraison tunebre par Ilaspau, Prdl'ace de Cormenin et ses pensees, traduites de rallexnand- Paris. P. Dentu. 1878. Man braucht nicht auf demselben Standpunkt mit einem Autor zu stehen, um ihn doch bewundern zu können, deffen weitgreifende Wirksamkeit, Reichthum an Gedanken, Schönheit der Form, Freiheit des Geistes zu würdigen. So ergeht es uns mit Autor in einer Sprache redet, deren Kenntniß außerhalb ihrer Heimath nicht sehr verbreitet ist, und werden eine ausführliche weisen beginnt. Wir empfehlen deshalb das vorliegende Schriftchen, das sehr reichhaltig ist, wenn auch allerdings einer Besprechung aus einer des Dänischen kundigen Feder bringen. — \ gewipen Ueberschwänglichkeit noch nicht fern. Biblisch-talmudisch-rabbinische Blumenlese mit Uebersetzung und Erklärung systematisch und chronologisch geordnet als allgemeine Eulturgefchichte für gebildete Leser und höhere Lehranstalten von Dr. Bernhard Fischer. Leipzig. Schäfer, 1878. In Frankreich pflegen sich, freilich nur zu künstlerischen Zwecken, zwei Autoren zu verbinden, von Florenz, 1. October. (Literarische Notizen.) Dem am 15. v. M. in Florenz eröffneten Orientalisten-Eongreß wohnten an Juden bei: Giacome Almanzi, Graziado Ascoli, Prof, in Mailand; A. berliner aus Berlin; G. Barzilai aus Triest; Jules Oppert aus Paris; Dav. Castelli, Prof, in Florenz; Prof. Achille Coen; Salvadore de Benedetti, Prof. denen der eine den Stoff des zu schaffenden Kunstwerks und § in Pisa; Giuseppe Jar>', Prof, in Mantua; Eude Lolli, Rabb. deffen Gedankengang liefert, der andere die Ausarbeitung in's! in Padua; Marc. Mortara, Rabb. in Mantua; Cesare Rah- Detail. Wir wünschen dem gelehrten und gedankenreichen! mias; Prof. G. Weil aus Heidelberg. Berliner las eine Ab- Verfaffer der vorliegenden Schrift solch'einen Genoffen, welcher! Handlung über die Editionen des Talmud, Oppert über die den Ideen und der gelehrten Arbeit des Dr. Fischer auch eine,! chaldäische und biblische Chronolgie, Ascoli über die hebräischen dem allgemeinen Publicum und den Forderungen des Ge-. Inschriften Puliens, de Benedetti über die talmud. Studien, schmacks entsprechende Form zu geben wüßte. Der Verfaffer speciell in der Agada, Jar«' über den Aufenthalt der Jsraegiebt hier Auszüge aus der Bibel in Text und Uebersetzung; liten in Egypten, Barzilai über die Jdeographen in den hierzu sprachliche Anmerkungen, Erläuterungen des Inhalts und Betrachtungen über den letzteren philosophischer und krisemitischen Sprachen, Oppert über die Entdeckung der Quellen der Chronologie der Genesis, dann auch über den die Schöpfungstischer Natur. Aus dieser Anordnung geht schon hervor, daß' geschichte behandelnden assyrischen 4.ert. es vielen Lesern nicht gelingt, im Zusammenhang zu bleiben,, Brünn im September. (Literarische Notizen.) 42*