Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1878)
- Date
- 1878-10-15
- Page
- Seite 666 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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666 altem äußeren Anscheine nach die Afghanen jüdischen Ursprunges Gnesen vom 22. Sept. schreibt man: Heute Nachmittag war sind, und zwar Abkömmlinge jener „turbulenten, halsstörrigen ( das Leichenbegängniß des Stadtältesten und Ritters des rothen Juden, welche in Schechem sich gegen Nechobeam empörten; Adlerordens Moritz Rufsak. Es ist mit dem Verstorbenen ein rrnd goldene Kälber als Götzen in Bethel und Dan errichteten. Mann zu Grabe getragen worden, der wie selten Einer mit Tie Afghanen behaupten, sie stammten von Saul, dem Sohne - der Geschichte unserer Stadt eng verwachsen ist, der für die Kish's. Ihre Gesichtszüge deuten unverkennbar auf jüdische! Entwickelung derselben gewirkt und gelebt, und der es ver- Abstammung hin. Unglücklicherweise ist jedoch ihre Sprache standen hat, sich die Liebe und Verehrung seiner Mitbürger durchaus nicht mit der hebräischen verwandt. Schir Ali ins- > zu erwerben und bis zu seinem letzten Athemzuge zu erhalten, besondere zeige nicht blos ganz jüdische Züge, sondern seine! Seinem Sarge folgten die Vertreter der Stadt, die Spitzen melancholische Manier erinnere auch ganz deutlich an König sämmtlicher Behörden, die hiesigen Vertreter der Wissenschaft, Saul." (In England ist auch schon früher die freilich unerj die Lehrer des Gymnasiums, der evangelischen, katholischen und wiesen« Meinung ausgesprochen worden, die Afghanen seien! jüdischen Elementarschule, letztere mit ihren Schülern, der Nachkommen der zehn Stämme, die überhaupt von Niemandem j Turnverein, dessen Mitglied er war, und eine unübersehbare mehr gesucht werden, als von bibelgläubigen Engländern! Menschenmenge aus allen Schichten der Bevölkerung. Herr Redact.) — Man schreibt uns aus Altona: Kürzlich wurde! Rabbiner Dr. Gebhard aus Bromberg, ein intimer Freund hier ein jüdischer Commis in Haft genommen, weil er der des Verstorbenen, hielt am Sarge eine erhebende Leichenrede. Bigamie angeklagt wurde. Derselbe behauptet, die ihm zur! Bonn, 6. Sept. (Literarische Notizen.) In Last gelegte Ehe sei nichtig, da er nur durch einen Privatmann, j unsrer Zeit der fteien Presie und wo Jedermann seine Annicht aber durch einen Rabbiner sich hatte trauen lassen Die j sichten und Urtheile geltend machen kann, hat der Angriff Entscheidung des Falles ist noch nicht getroffen; nach dem -auf ein Werk, eine Institution, eine Geistesrichtung und dgl., sei jüdischen Gesetze ist der Vorwand ohne alle Kraft. — In! es auch der ungerechteste undunbegründetste Angriff, den Vorunserer Nachbarstadt Hamburg ereignete sich kürzlich der theil, daß ihm die Vertheidigung und eine gründliche Erörte- Fall, daß ein jüdisches Mädchen zum Katholicismus übertrat, I rung des Gegenstandes folgt. Indem sich Viele angeregt um mit einem Katholiken eine Ehe einzugehen. Nachdem! finden, die Sache, die ventilirt wird, näher kennen zu lernen, jedoch die Taufe an ihr vollzogen war, weigerte sich der edle Proselytenmacher, die Getaufte zu heirathen, indem er angab, daß sie zu wenig Geld für ihn habe. Jedenfalls eine neue Art der Seelenfängerei! — Man schreibt aus Berlin: Das jüdische Neujahrsfest ist auch in dem Strafgefängniß am Plötzensee gefeiert worden. Die Gottesdienste leitete an beiden Festtagen Herr Rabbiner Dr. Krüger, welcher früher in Metz wirkte und jetzt in Sieglitz wohnt. Derselbe kommt regelmäßig alle 14 Tage nach Plötzensee, um Freitags und resp. zu untersuchen, stießt zuletzt daraus, daß das Object des Streites weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird, ein Erfolg, den die Angreifer gewiß nicht beabsichtigten. So ergeht es jetzt dem Talmud, nachdem ultramontane und reactionäre Scribenten unter der Fahne Rohlings ein so schmähliches Bild von ihm entworfen hatten. Bereits wächst die desfallsige Talmudliteratur an, und es wird zukünftig Niemandem schwer sein, einen richtigen Begriff vom Talmud, wenigstens von deffen Form und allgemeinen Inhalt und Sonnabends den ungefähr 40 jüdischen Gefangenen zu predigen.: Character zu erlangen. Soeben erhalten wir: Der Talmud. Bisher war cs auch der hiesigen jüdischen Gemeinde gestattet, ihren Glaubensgenoffen für die hohen Feiertage koschere Speisen zu schicken, die fteilich reichlicher und beffer aussielen, als sie der Gefängnißetat bemißt. Um nun auch in dieser Beziehung ganz in den von der Gefängnißordnung gezogenen Grenzen bleiben zu können, ist jetzt in der Anstalt selbst eine mit den nöthigen Geräthen ausgestattete Küche eingerichtet worden, in der die Speisen, wenigstens zu den Festtagen, genau nach den mosaischen Vorschriften zubereitet werden. An den übrigen Tagen genießen jedoch auch die jüdischen Gefangenen die gemeinsame Beköstigung. — In Fürth starb im 82. Lebensjahre der vormalige Rechtsanwalt Dr. Grünsfeld. Der Verstorbene, der im Jahre 1834 zum Advocaten ernannt worden war, war der erste israelitische Rechtsanwalt in Bayern; erst im Jahre 1848 erfolgte die weitere Ernennung eines israelitischen Advocaten in Bayern. — Aus Eine Skizze von Dr. Aug. Wünsche. Zürich 1879. Verlagsmagazin. Herr Dr. A. Wünsche (in Dresden) ist den Lesern unsres Blattes durch einige tüchtige Schriften auf unsrem Gebiete bereits bekannt, und zwar als sachkundig besonders in Midrasch und als unparteiisch in seinem Urtheil. Die vorliegende Broschüre will „dem Pamphlet und Plagiat" Rohlings gegenüber eine Skizze vom Talmud entwerfen, um dem allgemeinen Publicum eine richtige Vorstellung von ihm zu liefern. Er spricht kurz von der Entstehung des Talmuds, charakterisirt die jüdische Rechtspflege namentlich im Criminalprozeß und geht etwas näher auf den Midrasch, deffen Formen und Tendenzen ein, woraus er „Einige l^ebersetzungsproben zur Erläuterung" giebt. Das Schristchen ist einfach, ruhig, ohne Voreingenommenheit nach der einen wie nach der anderen Seite abgefaßt, vermeidet die eigentlichen Streitftagen, um diesen durch eine richtige Darstellung des Ganzen vielmehr