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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-15 · Heft 42 (15.10.1878) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 42 (15.10.1878)
Date
1878-10-15
Page
Seite 659 (sequence 3)
Language
German
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659 hierin gerächt wird; ihre Gesellschaft gleicht noch jetzt einem! inmitten derselben die ganze und reine monotheistische Gottesvulcanischen Boden, wo eine Eruption der andern mit Mord und Brand folgt. — Am wenigsten kann noch der Religionshaß auf Staatenbildung und Bildung im Staate Anspruch lehre zu erhalten, zu bezeugen, zu vertheidigen. Dies bewirkten die politischen Conjuncturen, welche den ruhigen Bestand in jenem Lande für jetzt und für die folgenden Zeiten nicht mehr erheben oder Einstuß üben. Der Syllabus ist ein Phantom, - gestatteten. Wie einst der Zwang der Sclaverei das israelitische aus dem Grabe der Vergangenheit in die lebensvolle Gegenj Volk aus Aegypten drängte, so jetzt der Zwang der römischen wart eingeschlichen, und jeder Versuch, ihm den Schein des § Waffen aus dem Lande des Bekenntnisses in alle Welt. Aber Lebens zu geben, endet mit kläglicher Niederlage derer, welche j die Mittel für den Fortbestand waren bereits vorbereitet. Im ihn unternahmen. — Allerdings müssen wir uns hüten, diesen Lehrsatz der Vergeltung in kleinlicher, engherziger Weise aufzufaffen und anzuwenden. Nicht an Personen und Zeiten dürfen wir ihn Innern durch den Kitt des traditionellen Gesetzes und deffen steigender Entfaltung zusammengehalten, fand der jüdische Stamm in allen Ländern bereits eine so starke jüdische Colonisation vor, daß er sich überall ansiedeln konnte. Der Römer Schritt vor Schritt verwirklicht sehen wollen. Weithin müffen: hatte keinen National- und Neligionshaß; der Kampf war nur um wir über die Epochen den Blick tragen, um in ihm einen j die Reinerhaltung de§ jüdischen Monotheismus gegen die heid- Schlüffel für die Räthsel der Weltgeschichte zu finden. deicht! nische Menschenvergötterung geführt worden. Nach der Beist die Vergeltung der alleinige Factor der Völkergeschicke. Es wirken da mehrfache zusammen und in einander, um die großen Resultate der Weltgeschichte hervorzubringen. Aber ich wollte eben ihn nur sichtbar machen und Hinweisen darauf, daß wir diesen Ariadnefaden durch das Labyrinth der histosiegung und Zerstreuung hatte jener nichts mehr gegen die Niederlaffung der Juden, denen er sogar das römische Bürgerrecht verlieh. Die Frage war nun: werden sich die Juden mitten im Christenthume und Islam den ganzen und reinen Monotheismus treulich erhalten, und hierfür ein mehr als rischen Thatsachen uns nicht aus der Hand gleiten lassen. — tausendjähriges Martyrium ertragen 'k Sie haben es gethan. Hier schwebt Ihnen nun sicher die Frage auf den Lippen:! Aber wie die Abschließung im heiligen Lande mit der religiösen wie stellt sich uns die Geschichte des jüdischen Stammes aus! Idee sich durch einen beständigen Kampf gegen die heidnischen diesem Gesichtspunkte der Vergeltung dar? Der Gedankengang,! Dynasten und Völker und schließlich durch den nationalen den die Propheten nach dem Vorbilde Mosis hierbei verfolgen, Untergang gewiffermaßen rächte, so vergalt sich dieselbe Absagt uns, daß das Volk Israel in das verheißene Land ein- > schließung innerhalb der christlichen und mohamedanischen Welt gesetzt worden, um „den Ewigen zu lieben, zu ehrfürchten, in! durch Ausschließung, Unterdrückung, Verfolgung aller Art, bis seinen Wegen zu wandeln und ihm zu dienen mit ganzem, eine erleuchtetere Zeit die Gesetze der Gerechtigkeit und Hu- Herzen und mit ganzer Seele", d. h. den einzigen Gott zu I manität zur Herrschaft brachte und die Juden für ihre unerbekennen und anzubeten, aufrichtig, indem es das Recht und J schütterliche Ueberzeugungstreue mit der Gleichberechtigung und die Liebe übe im ganzen Umfange, wozu das ihm gegebene j Bürgerfreiheit belohnte, nach den Worten: „der aber Gnade Gesetz zur Richtschnur dienen sollte. Beides vollbrachte Israel! übt bis in's tausendste Geschlecht denen, die mich lieben und nur in schwachem und schwankendem Maße, da es oft dem Heidenthume verfiel und in gesellschaftliche und sittliche Entartung versank, oder eine heuchlerische Frömmigkeit übte, die mit Ausschweifung und Gewaltthat verbunden war (Jes. Kap. 1). In Folge deffen fiel es der Verbannung, Knechtung und Mißhandlung anheim, an deren Ende die Wiedererhebung und Läuterung des Volkes und hiermit die Wiederherstellung gezeigt wurde. Der Gedanke der Vergeltung war hier also durchaus verwendet. In die moderne Begriffs- und Ausdrucksweise übertragen, schauen wir dies so an. Mitten in der heidnischen Welt hatte der jüdische Stamm, in sein Binnenland eingeschloffen, die religiöse Idee, die monotheistische Gotteslehre, meine Gebote bewabren." — Eine neue Verfolgung in Rumänien. Aus Bottusch an vom 2. October kommt telegraphisch folgende betrübende Kunde: „In dem am 28. September vor dem Schwurgerichte zu Dorohoj zu Ende geführten Processe wegen des Dorobaner Judenkraw alles wurden sämmtliche Angeklagte freigesprochen, die Kläger hingegen zur Zahlung der Gerichtskosten verurtheilt. Das Urtheil wirkte depriinirend auf die mit welcher die höchste Sittlichkeit identisch ist, zu erhalten > jüdische Landbevölkerung." und zu pflegen. Als aber diese Idee, wenigstens in einigen j An der tatsächlichen Nichtigkeit dieser Nachricht ist kaum ihrer Hauptzüge, in die entwickeltere und gereiftere Menschen-! zu zweifeln. Eine nähere Kenntniß der vom offieiellen Staatswelt, in das Abendwie in das Morgenland hinaustreten, anwalt und von den Bertheidigern der angeklagten Mordsollte, da mußte auch der jüdische Stamm aus seinem ab-! brenner verwendeten Mittel, um das rumänische Schwurgericht geschloffenen Lande hinausgeführt werden in alle Welt, um , zur Freisprechung zu bewegen, ist auch nicht nöthig. Tie

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