Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1878)
- Date
- 1878-10-15
- Page
- Seite 658 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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658 i! k {ii i i i k: als bei den Völkerindividuen Beispiele genug, wie ich auch Stämmen bildete sich die französische Nation. Wie sehr auch noch darauf zurückkommen werde. Die Geschichte, wenn wir > die Germanen die Wenden und Slaven zurückdrängten, schließsie im großen Ganzen, in ihrem weitergreifenden Zusammen-; lich machte sich im Staate kein rechtlicher Unterschied geltend hange durchforschen, giebt uns für diese Lehre die vollständigen! und die deutsche Nation, so viele, ursprünglich verschiedene Beweise. Wodurch, um zu unsrem Ausgangspunkte zurück- Stämme sie vereinigt, erkennt doch die Gleichberechtigung Aller zukehren, sind die Türken nicht blos die Herren, sondern auch vollständig an; in Deutschland konnten die Dynastien wohl die Besitzer dieser Balkanhalbinsel geworden? Aus dem Innern Krieg gegen einander führen, nicht aber die Stämme. Eine Asiens hervorgedrungen, haben sie vor vier Jahrhunderten Ausnahme macht Spanien, das die maurische Bevölkerung diese Länder mit dem Schwerte erobert, haben sie verheert,! mehr noch aus Stammeshaß als aus religiösem Fanatismus in Besitz genommen, die Bewohner geknechtet, niedergemetzelt verbannte und ausrottet e. Die Vergeltung ist hier durch die und ausgeplündert; rotteten sie die ansässigen Völkerschaften! innere Abschwächung und Erniedrigung genügend vollzogen nicht ganz aus, so geschah dies nicht, wie ihre jetzigen Staatsworden. — Es kommt hier die Nationalitätsftage herein, Männer glauben machen wollen, aus Toleranz und Humanität, welche in unsrem Jahrhundert eine so wichtige politische Rolle sondern weil diese Herren auch Knechte brauchten, und die spielt. Dem vorurtheilslofen Beobachter kann es nicht ent- Landschaft aller ihrer bisherigen Bewohner berauben, ihnen; gehen, daß das Nationalitätsprincip immerhin eine große selbst den Hungertod bereitet hätte. Dies war das Verfahren! Bedeutung besitzt. Denn trotz des kosmopolitischen Charakters ihrer Väter, und so trifft die späten Enkel daffelbe Geschick, vieler menschlichen Bestrebungen kann doch die Eigenart einer das sie den Vorfahren derer bereiteten, welche jetzt das traurige! Nation nur durch die Pflege des nationalen Wesens zu schöner Amt der Vergeltung üben, natürlich, um sich mit derselben Blüthe gebracht werden. Aber überall, wo das Nationalitäts- Sündenschuld zu beladen, die jetzt gesühnt wird. Denn auch princip auf Ausschließung und Unterdrückung ausgeht, ist es das sprechen die Propheten oft genug aus, daß die Werkzeuge! vom Uebel und unberechtigt. Darum darf es in einem wirkeiner solchen Vergeltung nicht besser sind als diejenigen, „welche die Strafe mit Wagenseilen herbeigezogen Habens und auch ihrerseits des kommenden Gerichtes nicht entbehren werden. Die türkischen Herren haben aber durch diese vier Jahrhunderte hindurch nichts gethan, um die an den rechtmäßigen Besitzern verübten Gräuel auszugleichen; sie sind sortgewandelt aus den Wegen der Unterdrückung und Aussaugung und, wenn man in der Stunde der war es zu spät. lich freien Staate keine politischen Ansprüche erheben. Wenn in der Schweiz z. B. drei Nationalitäten, die deutsche, französische und italienische, innerhalb der fteisinnigen Bundesverfaffung vereinigt und gleichberechtigt neben einander bestehen, so wäre es Wahnsinn, das Nationalitätsprincip so zu betonen, daß es diese Vereinigung sprenge oder auslöse. Wenn im österreichischen Staate auf dem Boden der Verfaffung die Noth in Stambul an Reformen dachte, so! Gleichberechtigung aller Nationalitäten und die fteie Entfaltung und der Ernst und die Dauerhaftigkeit des! jedes nationalen Wesens gegeben ist, so haben die einzelnen Wollens und Könnens zweifelhaft. — Ich glaube, hiermit ist! Nationalitäten kein politisches Recht, sich isoliren und vom die Frage über das Verhalten jener Vorgänge zur sittlichen : Reiche abtrennen zu wollen. Wie gesagt, das Nationalitäts- Weltordnung beantwortet. Was die Forderungen der Humanität princip bat nur da ein politisches Recht, wo eine Nationalität an die civilisirtcn Nationen betrifft, so haben wir es hier eben unterdrückt und der staatlichen Rechte beraubt wird, sonst aber nicht mit civilisirten Völkerschaften zu thun, und weder die, nicht. — Diese Anschauung hat sich glänzend in der nordzu Bulgaren und Montenegriner, noch ein Theil der russischen Völker können auf diesen Titel Anspruch machen. So weit aber sind die europäischen Staaten noch nicht vorgeschritten, um derartige Vorgänge in entlegenen Gegenden des Welttheils m amerikanischen Union bewährt. Hier hat nicht allein von vornherein die nationale Abstammung in der staatlichen Gesellschaft keine Differenzen hervorgebracht, und wo eine derartige Tendenz zeitweise zu Tage trat, verschwand sie vor dem allzwischen halbbarbarischen Völkerstämmen verhindern zu können.! gemeinen Geiste bald wieder und spurlos — sondern selbst Zu unsrem Tröste können wir auf Beispiele ganz anderer der Racenunterschied wurde als staatsrechtliches Moment über- Art Hinweisen und behaupten, daß die bis jetzt wirklich civi- Wunden; die Union vermochte um diesen Preis den schwersten, liprten Völker aus einem gegentheiligen Verfahren hervorungeheure Opfer kostenden Kampf zu bestehen. Wenn auch in gegangen sind, nämlich daß die Sieger und Besiegten sich ver- > Nordamerika die Ureinwohner allmählig verschwinden, so geht mischten und ein einheitliches Volk bildeten. So haben die Nor- , dies nach dem Naturproceß vor sich: die Uncultur weicht vor mannen England erobert, die Angelsachsen in die Enge und in der Cultur zurück, wie Dorn und Distel vor dem Ackerfelde ein untergeordnetes Verhältnis gebracht; dann aber haben sich! und das Gewild vor der Viehherde. Anders war es in beide Volksstämme vermischt und daraus ist das freie England Mittel- und Südamerika, wo die Spanier die Ausrottung der erstanden. Nicht minder sind die Unterschiede zwischen den j Indianer mit Gewalt bewirkten, und der Zustand dieser Länder Franken und den Galliern geschwunden und aus beiden giebt noch heute Zeugniß, daß Gewalt nur Gewalt gebiert und