Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1878)
- Date
- 1878-10-08
- Page
- Seite 651 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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651 Ist also überhaupt kaum zu vermuthen, daß er noch bei seinen Lebzeiten seine Grabschrist verfaßt habe, so ist, selbst wenn er dies gethan hatte, nicht anzunehmen, daß er den Namen seines Vaters unerwähnt gelassen und stch selbst das Prädicat E2n“ beigelegt hätte. Die Grabschrift wurde demzufolge erst nach Mendelssohn's Tode und zwar gemäß einer Ansicht, die er einmal hierüber geäußert haben mag, in den prunklosen Worten verfaßt, in denen die Copie Lebrechts sie (S. 8) uns vorführt. Die Zahl die auf derselben Mendelsohn's Geburtsjahr darstellt, rührt daher, daß der Schreiber, dem die Daten dictirt wurden, für das ähnlichlautende JTSD zu hören glaubte, das dann in den Denkstein eingegraben wurde, ohne daß man nach besten Aufstellung den Fehler zu verbestern für nöthig hielt, demnach ist auch t2"£n in Euchel's Biographie (S. 19) nicht Druckfehler, wie Lebrecht (S. 11) darauf hin, daß daselbst (S. 124) M's. Lebenszeit auf 57 Jahre und 5 Monate bemesten wird, vermuthet, sondern vielmehr, in letzerer Angabe ein Rechenfehler anzunehmen, besten der Biograph sich schuldig gemacht hat. Das läßt sich auch dadurch beweisen, daß in Euchel's Biographie auch zwei andere Daten nicht stimmen. S. 20 wird nämlich erzählt, daß Mendelssohn im I. öT~ ' füglich ein Mann von 33 Jahren genannt werden. Auch bezüglich des ersteren Factums steht es fest, daß er, als er nach Berlin kam, bereits lange das 13. Lebenjahr hinter sich haben mußte, da, wie er selbst berichtet, (a. a. O.) Frankel im I. 1743 J) nach Berlin übersiedelte und er erst einige Zeit darauf sich dahin begab. Wir können daher nur vermuthen, daß Euchel sich entweder in der Ausrechnung des von M. erreichten Lebensalters um ein Jahr geirrt, oder daß n:t? 1*3, wie es in seinem Manuscripte hieß, im Laufe des Druckes fälschlich r: gelesen und demnach in “wt? DtffliTl »uw >'Ew aufgelöst wurde. Es geht aus der bisherigen Darlegung zur Genüge hervor, daß die Absicht Lebrecht's, Mendelssohn's Biographen in einem Punkte zu berichtigen, so wohlgemeint sie war, doch ziemlich überflüssig gewesen ist; das Verdienst wird jedoch seiner Schrift nicht abgesprochen werden können, daß in ihr die Zweifel, die hier noch erhoben werden konnten, mit aller Schärfe vorgetragen wurden und so noch zu rechter Zeit dazu Gelegenheit gegeben wurde, sie zu entkräften und hinweg zu räumen. Dr. N. Brüll. 1) Seltsam ist es, daß in drei Abdrücken des autobiographi- 503 naeb iüd ^eitreckmuna im Alter von 14 ^xabren l Seltsam ist es, dap nt drei m r ' pw. .ö«iiwgrain0 im uuei von >zayren Brieses Mendelssohn's die Zahl 1713 in 1745 umgewandelt seinem Lehrer David Frankel nach Berlin gefolgt sei und S. t erscheint. In den „Münzbelustigungen" selbst, in die ich Einsicht 31 berichtet, daß er sich im I. 4522 im Alter von 33 Jahren!"^.' steht ausdrücklich 1743. Salomon der mir einen der se- „ . i „ ,p ’ /_ , „ „ _ „ cundaren Texte gekannt zu haben scheint, glaubte sich auf das trrtge verheirathet habe. Diese Angaben haben offenbar das I. 1<29 „1745" stützen zu dürfen, um „abweichend von allen Biographen" °l» M's Geburtsjahr zur V°i°uss°tzung. M. war zur Zeit j£Vin™Ätm seiner Verheiratung etwa 32 I. 10 Monate alt und konnte innerung S. s Anm.) Ieuilleton. Nahe! Mayer. In nächster Zeit erscheint bei Brockhaus in Leipzig ein stattlicher Band: „Die jüdischen Frauen in der Literatur, Geschichte und Kunst" von Dr. M. Kayserling. Wir geben daraus schon jetzt folgende Biographie. Eine geistreiche Schriftstellerin, die für Seelengemälde in kulturhistorischer Einfaffung ein bedeutendes Talent bewährt, ist: Rahel Meyer, geborene Weiß, welche den 11. März 1806 in Danzig geboren wurde. Ihr Vater war ein angesehener Kaufmann, der nach außen human und wohlthätig, in der eigenen Familie einen herrischen, beschränkenden Einfluß übte. Früh verlor Rahel ihre Mutter, und ihre Stiefmutter, eine sanfte, Weiche, liebende Natur, hatte in der Sorge für zahlreiche Kinder nicht Zeit, auf die aus der ersten Ehe stammenden Töchter, Friderike und Rahel, einzuwirken, sodaß es den jungen Mädchen fast gänzlich an geistiger Anregung fehlte. Mit desto glühenderm Jntereste und größerer Dankbarkeit folgte sie jeder Anregung, die ihrem lebhaften Geiste Nahrung bot. Rahel wurde alles durch stch selbst. Schon in der Schule waren die Lehrer von ihren Aussätzen überrascht, und das Mistrauen derselben, ob sie auch selbstständig von ihr gedacht und ausgearbeitet seien, verletzten nicht selten das überaus empfindliche Kind. Rahel war ihrem innern Wesen nach früh dem Idealen zugewendet. Die ganze Wärme ihres Gefühlslebens concentrirte sie aus ihre ältere Schwester Friderike, die eine blendende Schönheit, im Character der schroffste Gegensatz zn Rahel, leidenschaftlich erregten Gefühls und schrankenlos in ihren Neigungen war, und auf eine Freundin, anderen scharfem Geiste und ausgeprägtem Charakter sich der ihre stärkte und entwickelte. Wir kommen auf diese ihre Freundin, eine bedeutende Erscheinung, noch zurück. Der Sitte der Zeit gemäß und den Wünschen ihrer Aeltern pietätsvoll sich fügend, reichte Rahel einige Jahre nach dem frühen Tode ihrer genannten Schwester dem von ihr stets verehrten Schwager die Hand. Sie lebte mit ihrem Gatten, einem braven, gebildeten Manne, in der glücklichsten Ehe. Sein Geschäft, der Bernsteinhandel, führte ihn oft auf J längere Zeit nach Constantinopel, woselbst er in den ange- 41*