Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-08 · Heft 41 (8.10.1878) · p. Seite 650

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 41 (8.10.1878)
Date
1878-10-08
Page
Seite 650 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227219--36607-3306669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

650 um für einen geschenkten Kreuzer Zucker zu kaufen. Als man wegen dieses winzigen Geschäftes den Knaben lange stehen ließ und unterdessen erst alle anderen Kunden bediente, wurde der Laden leer. ,Zetzt lasse mich erst ausrechnen, wie viel ich im Augenblicke eingenommen habe," sprach der Geschäfts- Inhaber zu dem Knaben. „Das kann ich Ihnen ohnedies gleich sagen," fiel rasch der Knabe ein, und nannte dem verblüfften Kaufmann bei Heller und Pfennig die einige hundert Gulden betragende Summe, welche von den Kunden in Gegenwart des Rechenkünstlers eingenommen worden war. Der Ruf die anderen Behörden wohnten der Einweihung bei. Die Straßen, durch welche fich der Festzug bewegte, prangten in einem reichen Flaggenschmuck. Es zeigte sich hierbei, daß der vor einiger Zeit durch ein hiesiges Blättchen gemachte Versuch, die christliche Bevölkerung gegen die Juden auszuhetzen, gänzlich gescheitert war. Diese Ztg. hat darüber berichtet. Sehr bezeichnend ist, daß der Redacteur des sauberen Blattes, das seinen Lesern jenen Schmähartikel aufgetischt, die Ausnahme des Festprogramms in sein Blatt verweigerte, und das Festj comite sich veranlaßt sah, in das andere, in Lingen erscheinende des kleinen Dase war natürlich bald gemacht. Der kaum! Kreisblatt folgende Bekanntmachung einrücken zu lasten: fünfjährige Knabe fühlt sich übrigens schon als moderner Künstler, denn er fragte beim Verlassen unseres Bureaus artig, ob auch die Zeitung von ihm sprechen werde. Für einen jungen Mann, der des Lesens wie des Schreibens noch unkundig ist, beweist dies jedenfalls eine beachtenswerthe Kenntniß vom Werth der gedruckten öffentlichen Meinung. — Aus Bunzla u schreibt man uns vom 18. Sept.: Gestern beging die hiesige Gemeinde die Einweihungsfeier ihrer neuen, in allen Theilen sehr gelungenen Synagoge. Die Theilnahme an derselben erstreckte sich nicht blos auf die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, sondern bekundete sich auch durch die Anwesenheit der Spitzen und Vertreter der Kön. und Provinzialbehörden, der Collegien der städtischen Behörden, der evangelischen Geistlichkeit, der Collegien der Schulanstalten u. s. w. Die Weiherede wurde in schwungvoller und tiesergreifender Weise von dem Herrn Rabbiner Dr. Freund aus Görlitz zu wahrhafter Erbauung aller Anwesenden gehalten. Den Einweihungsceremonien stand in würdigster Weise Herr Cantor Ti ntn er! vor, der auch einige schöne Gebete sprach. Nicht minder war die Ausführung des musikalischen Theiles gelungen. Eine solche Einweihung macht stets einen lebhaften Eindruck, weil hier zugleich ein Zeugniß von der Opserwilligkeit der Gemeindemitglieder und der treuen Hingebung ihres Vorstandes gegeben wird, das den Vorwurf der materiellen Geistesrichtung unserer Zeit zurückweist. — Man schreibt uns aus Meppen vom 24. Sept.: Was ein eifriges, redliches Streben nach einem hohen Ziele, was ein fteudiges, einmüthiges Wirken für ein gottgeweihtes Werk auszurichten im Stande ist, das hat sich „Wir laden hiermit die Leser des „Lingener Volksboten" zu unseren Festlichkeiten freundlichst ein, da uns die Aufnahme unseres Festprogramms Seitens der Expedition des Volksboten verweigert worden ist. Das Comite rc." Bedarf dieses Factum eines weiteren Conrmentars? Kennzeichnet und richtet es sich nicht selbst? — Die Festrede hielt Herr Landrabbiner Dr. Buchholz aus Emden, die allseits einen tiefergreifenden Eindruck hervorbrachte. Es war ihr als Text zu Grunde gelegt: 4. B. M. Kap. 27 V. 9 und 10, in Verbindung mit Kap. 30 V. 15 und 16. Wir sprechen im Namen Vieler den Wunsch aus, der hochgeschätzte Redner möchte diese Rede durch den Druck auch weiteren Kreisen zugänglich machen. I. Herzberg. Frankfurt am Main, im Sept. (Literarische Notizen.) Herr Rabbiner Dr. N. Brüll sandte uns eine Widerlegung des F. Lebrecht'schen Schriftchens zum 150. Geburtstage Moses Mendelssohn's ein, als bereits die Erwiederung Kayserling's in Nr. 36 d. Bl. unter der Preffe war. Herr Dr. Brüll stimmt in allen Punkten mit K. überein, so daß wir, um Wiederholung zu vermeiden, hier nur die zweite Hälfte des Artikels des Herrn Dr. Brüll geben wollen, weil diese noch einige Momente ausführlicher bespricht. Herr Dr- Brüll fährt fort: Es läßt sich gar nicht denken, daß diese brieflichen Mittheilungen Mendelssohn's an Spieß, aus der die Angaben seiner Biographen stammen, Hrn. Lebrecht unbekannt geblieben ist, oder sollte er diese gewiß sichere Nachricht gegenüber dem Zeugniste der Grabschrift nicht der Beachtung für Werth geauf eine herrliche Weise in unserer Nachbargemeinde Lingen! sunden haben? Möglich ist es schon, da L. von der Vorausbewährt. Diese Gemeinde, die ebenso schwach an Zahl wie l setzung ausgeht, „daß der erste Theil der nur hebräisch ausan Mitteln ist, hatte es sich zur Aufgabe gestellt, ein würdiges! geführten Inschrift wahrscheinlich von der Hand des demuths- Gotteshaus zu bauen. Groß waren die Opfer, welche der! vollen Philosophen selbst hinterlaffen" worden sei (S. 7, 8). Verwirklichung gebracht wurden, denn äußerst gering waren j Bei wahrer Einsicht zeigt es sich jedoch, daß dieselbe durchaus die Hülfsmittel, die von anderen Seiten dieser Gemeinde zu-, ungerechtfertigt ist. Mendelssohn stand, als er aus dem Leben floffen. Am 19. d. M. fand nun die feierliche Einweihung! schied^ noch nicht in dem Alter, in dem man derartige Bordes neuen Gotteshauses statt, das wegen seiner Zweckmäßigkeit! kehrungen für den Todesfall zu treffen pflegt, er hatte selbst und Würdigkeit eine allseitige Bewunderung hervorruft. Der! während der zweitägigen Krankheit, die seinem Hinscheiden protestantische Geistliche (der katholische Geistliche war geladen,! voranging, keine Ahnung davon, daß er dem Grabe nahe jedoch nicht erschienen), der Magistrat in corpore, sowie auch sei (vergl. Kayserling, Moses Mendelssohn S. 465—468).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.