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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-08 · Heft 41 (8.10.1878) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 41 (8.10.1878)
Date
1878-10-08
Page
Seite 647 (sequence 7)
Language
German
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647 richtig, nicht, ob sie besser und edler geworden, sondern nurideshalb bei jedem VorurtheilSlosen nur Zustimmung finden, ob sie sich auf der Höhe erhalten hat, auf welche sie im Anfang Mögen sie fort und fort blühen, ihre Anhängerkreise erweitern dieses seit Nathan der Weise verflossenen Jahrhunderts gebracht und unter Gottes Segen die Früchte ihrer Anstrengungen worden, ob sie wenigstens eine gleich bedeutende, der wahren! immer mehr reifen sehen! Kunst und Gesittung entsprechende Richtung verfolgt, ob sie > Leipzig, 22. Sept. (Privatmitth.) Einige russische dem Aufschwünge der Nation mit der Gründung des deutschen Blätter haben über die Sedanfeier berichtet, zu welcher sich Reiches gleichkomme? Alle diese Fragen müssen wir, so! in Nischnei Rovgorod deutsche Männer, die daselbst zur schmerzlich es uns ist, verneinen. Statt vieler Beweise sehen jMesse waren, am Abend des zweiten Sept. vereinigt hatten, wir nur z. B. einen Artikel in der uns vorliegenden Nummer j Unter diesen waren es zwei Leipziger, welche durch ihre 18 der „Gegenwart" ein: „Vom deutschen Theater", wo von i Reden dem Feste die Weihe und den Schwung verliehen. Die den Novitäten in den Wiener und Berliner großen Theatern 1 eigentliche Festrede hielt nemlich Herr Kaufmann Bernhard die Rede ist. Da lesen wir über Augier, Mariage d’Olympe Bodek von hier (Israelit), der den patriotischen Gefühlen in und Les Fourcbambault. über Goudinet's Les vieilles zündender Weise Ausdruck gab und einen wahrhaften Enthucoucbes und Filles d’Eva; wir lesen über das englische Our siasmus hervorrief. Wir erwähnen dies als einen abermaligen Boys, wir erfahren, daß in Berlin ein chinesisches Drama! Beweis, wie aufrichtig und warm der patriotische Geist in den nächstens aufgeführt werde. Das sind gegenwärtig die Kassen-> israelitischen Söhnen Deutschlands lebt. stücke der großen deutschen Theater! Der große Kampf, den Lessing geführt, um das deutsche Theater von der französischen Knechtschaft zu befleien, und auf die eigenen Füße zu stellen, ein Kampf, der von so großartigen Resultaten begleitet war, wie ist er in unserer Zeit verlaufen?! Und welch' ein Unterschied noch zwischen dem sog. klassischen Drama der Franzosen von damals und den gegenwärtigen Dumas, Sardou, Augier etc. bei denen die sittenlosesten Erscheiuungen der Demimonde zur künstlerischen Darstellung gebracht werden. In solcher Zeit vermochte auch ein Richard Wagner die Blutschande und den Ehebruch dramatisch und musikalisch zu verherrlichen und dies als nationales Kunstwerk Deutschlands preisen zu lassen. Bei solcher Verwilderung ist es ein Trost, wenn der Herr Kritiker versichert, daß auch die Jugend den Worten Lessings andächtig gelauscht habe. Bonn, 25. Sept. (Privatmitth.) Einigkeit macht stark! Es ist eine der erfreulichsten Erscheinungen unserer Zeit, daß sich auch unter unseren Glaubensgenossen der Geist der Association Raum geschaffen hat, und Vereine, welche nicht örtliche, sondern weite geographische Grenzen oder solche gar nicht haben, gebildet haben, bestehen und wirksam sind. Hierfür geben uns so eben zwei uns zugekommene Druckschriften be. redtes Zeugniß: Reunion convoquee par l’Alliance israe. lite universelle en Aout 1878. Paris, 1878, und Proceedings of theCouncil of tbe U nion of American Hebrew CongTegations at its fifth Annnal Session, held in Milwaukee, "Wis. July 10, 11. 1878. Cincinnati, O. Wir haben über diese beiden Versammlungen das Bedeutendste und Interessanteste in Correspondenzen bereits mitgetheilt und waren ihre Resultate befriedigend. Ihre größte Stärke finden diese Vereine in der unbedingten Lauterkeit ihrer Zwecke und Bestrebungen, die überall nur auf die verständlichsten und einfachsten Ziele hinausgehen, dem Staate und der ganzen Gesellschaft in keiner Weise zu nahe treten, sondern zum Nutzen gereichen, und Breslau, 18. September. (Privatmitth.) So ungern auch die „A. Z. d. I." sich mit den professionellen Judenbekehrern befaßt, natürlich nicht weil sie dieselben fürchtet, sondern weil sie sie ihrem Wesen nach für abgethan, ihre Argumente für längst widerlegt und überwunden hält: so sieht man sich doch zuweilen genöthigt, die Zudringlichen abzuweisen. Die Herren werden dieses letztere Beiwort nicht verübeln, da sie diese Eigenschaft sich gerade zum Lobe rechnen und als ihre Aufgabe betrachten. Wir erhielten dieser Tage Nr. 9 und 10 der „Stimmen der Wahrheit", eines Missionsblattes, zugesandt. Wir gestehen offen, daß in einer so tiefernsten Sache, wie die Bekehrung von einer Religion zur andern ist, ein solches leeres, inhaltsloses, oft kindisches Gewäsch, womit diese Nummern zum größeren Theile angefüllt find, uns doch in Verwunderung setzte. Wir übergehen den ersten Artikel: „Wie viele Juden werden jährlich getauft?" Den unzählige Male den Judenbekehrungsgesellschaften gemachten Vorwurf ihrer Erfolglosigkeit versuchen sie jetzt dadurch zu beseitigen, daß sie eine möglichst große Zahl vollzogener Taufen herausrechnen. Daß hiervon der allergeringste Theil auf die Judenmissionen fällt, verschweigen sie, aber die ganze Berechnung ist falsch, da sie selbst eingestehen, daß ihnen die wirklichen Zahlen nur aus den wenigsten Ländern zu Gebote stehen, welche Lücken sie dann willkürlich aus Voraussetzungen und Bevölkerungsverhältnisfen nach ihrem Geschmack ausfüllen. Diese statistischen Fälschungen find erst in Nr. 37 S. 582 der „A. Z. d. I." ad absurdum geführt worden, und ich kann daher hier darüber hinweggehen. Einen ernsteren Gegenstand bietet uns der Artikel: „Zur Proselytenftage im Judenthum". Der Verf. macht den neueren Lehrern des Judenthums den Vorwurf, daß sie „das Judenthum für berufen erklären, die allgemeine Weltreligion zu werden, und doch nichts Ihnen, um das Judenthum zu verbreiten." Er sagt: „Dem Christenthum und der christlichen Kirche hat es keine Ruhe gelassen, ihren religiösen Schatz in

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