Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-08 · Heft 41 (8.10.1878) · p. Seite 643

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 41 (8.10.1878)
Date
1878-10-08
Page
Seite 643 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227219--36600-3306662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

643 haben? und welche Autorität wird in ihm bestehen? Er bejedem der 360 Götzenbilder, welche die sämmtlichen Stämme kämpft zunächst die antidogmatische Partei, welche das Christen-, der Araber vorstellten: „die Wahrheit ist gekommen", sagte er, thum von allen Dogmen befreit haben will, und nur aus j „die Lüge verschwinde!" Und die gläubigen Muselmanen Gefühlsrückstchten dem Gottesdienste und sittlichen Vorschriften , stürzten die Götzenbilder und zerbrachen ste vor seinen Füßen, anhängt. Es sei dies ein „christlicher Deismus". Er sagt „Lob dem Allerhöchsten", wiederholt Mohammed unaufhörlich; hier: „Wohlan, wenn Ihr aus dem philosophischen Deismus „ich bin nur ein Mensch, der zu Euch gesandt worden!" — herauskommen. Eurer Religion einigen Bestand, einige Größe; Was Jesus betrifft, so verhält es sich ganz anders. Er be- und einiges Leben schaffen wollt, so könnt Ihr zwischen zwei>gnügt stch nicht mit dem Glauben an den einzigen Gott, er posttiven Religionen» wählen, die alle beide, es ist wahr, stch! verlangt in gleichem Maße den Glauben an seine Person, auf Offenbarungen, aber deren Theologie sich nur auf die| „Ihr glaubet an Gott, so glaubet auch an mich." Mit diesem großen Principien des natürlichen Gesetzes, auf Gott, die; Worte kann das Evangelium niemals das Buch wahrhafter Seele und die Unsterblichkeit stützen. Ich, für mein Theil,! Deisten sein. Jesus erfüllt das Evangelium völlig gleich wie würde, was auch die Vorurtheile der Welt sein mögen —; Gott : seine Person versperrt hier die unmittelbare Verbindung. was haben die Vorurtheile der Welt mit den Fragen der Seele und der Ewigkeit zu thun? — keinen Augenblick anstehen, wenn ich Theist in einem posttiven und lebendigen der Seele mit ihrem Gotte. Er predigt unablässig stch selbst. „Wer seinen Vater oder seine Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht Werth." Um das ewige Leben zu besitzen Sinne sein wollte, dies nicht mit den spiritualistischen Philoj darf man es nicht direct in Gott, sondern in ihm, in dem sophen, noch weniger mit den christlichen Deisten zu sein, sonj materiellen Theile seiner selbst suchen. Er kündigt den Menschen dern ich würde es mit den Juden und den Muselmännern sein, j an, daß er noch einmal vom Himmel herabsteigen und die zweien Religionen, die nicht aus dem abstracten Gehirn eines! Menschen richten werde. Er schreibt stch die Ewigkeit des Träumers, sondern aus dem kräftigen Innern des semitischen! Daseins zu. Wenn irgend ein Mensch sich selbst vergöttert Patriarchen hervorgegangen sind, die eine mit Jsaac, die andere; hat, so war er es! Hierüber täuschten sich die wahrhaften mit Jsmael, oder vielmehr — weil die erstere über der zweiten wie das fteie Weib über der Sclavin steht — ich würde mich in den Schatten der Synagoge setzen; Franzose von Geburt, Jude nach der Religion, würde ich mich an den Theismus der Offenbarung und des Wunders schließen, würde mit Israel diesen Gott Moses', der größer als Plato's Gott ist, diesen Jehovah anbeten, der sich selbst genannt hat: Ich bin Monotheisten jener Zeit, die Juden, keineswegs, sie, welche aus dem Monotheismus nicht eine Beschäftigung müßiger Stunden, in einem gelehrten Buche oder einer beredten Rede machten, sondern die ihn lebendig in den heißen Ueberzeugungen ihrer Seele trugen. Sie sagten zu Jesus, daß er Gott lästere, „weil du, der du nur ein Mensch bist, dich zum Gotte machst" (Joh. 10, 33).—" Dies sind die Worte des P. Hyacinthe, der, der ich bin. — Wenn Jesus nicht Gott ist, so sind Moses und er schildert hierauf die ganze Scene vor dem Sanhedrin, und Mohammed viel größer als er, weil ste mehr als er sich! in welcher er das Recht auf Seiten der Juden findet, da sie vor Gott gedemüthigt (effaces) haben. Kennt Ihr etwas Schöneres in der religiösen Weltgeschichte, als Moses, herabsteigend von den Höhen des Sinai, das Angesicht noch strahlend von der Nähe der göttlichen Majestät, in den Armen die Bundestafeln, die er plötzlich im Angesicht des Schauspiels, das er am Fuße des Berges erblickt, vor Zorn und Schmerz zerbricht? Das Volk tanzte und sang um das goldene Kalb! — Und wenn Ihr mir erlaubt, dem göttlichen Propheten der Hebräer den menschlichen Propheten der Araber an die Seite zu setzen, Mahommed war nicht immer ein falscher Prophet, er war es nicht an dem Tage, wo er in Mekka einzog, siegreich über den heißen Widerstand des semitischen Heidenthums. Man hat gesagt, daß die Wüste monotheistisch sei: die Araber eben die Gottheit Jesu nicht anerkannten, nicht anerkennen konnten. Er ftägt nun, ob Jesus nur eine legendäre oder eine historische Person sei? Die Beantwortung dieser Frage ist aber höchst mangelhaft. Sein Argument gegen den legendären Charakter beschränkt stch darauf, daß man in diesem Falle das Evangelium nicht länger der Jugend lehren dürfe, folglich sei Jesus historisch. Auf diesem schwächlichen Untergründe nimmt er das ganze kirchlich-dogmatische Gebäude an und wendet sich nur gegen die römische Hierarchie, was uns an dieser Stelle nicht interesstrt. Jedenfalls spricht P. Hyacinthe an der angeführten Stelle einfach und klar die Wahrheit aus, wie wir ste bei Gelegenheit immer bekannt haben. Sobald Jemand die christlichen Dogmen: die Göttlichkeit Jesu, waren die Söhne der Wüste und doch Götzendiener; man hat die Dreieinigkeit, die Erbsünde, die Erlösung durch den Glauben gesagt, daß der semitische Genius monotheistisch wäre: die an den Tod Jesu und dessen Bedeutung, das göttliche Gericht und die Araber waren die Söhne Abraham's, und dennoch seit Jahr-j Wiederbelebung der Todten durch Jesus :c.nicht anerkennt und sich Hunderten Götzendiener. Siegreich durch das Schwert — es! vondemnüchternen rationalistischen, individuellen Deismus nicht bewar dies das Gesetz der Zeit — zog Mahommed um den friedigt fühlt, so ist das Judenthumseine einzige Zuflucht, das wahre nationalen Tempel, die alte Kaaba, den Stab erhebend vor JHeiligthum der lebendigen Ueberzeugung von dem einzigen Gotte! 41*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.