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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-01 · Heft 40 (1.10.1878) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 40 (1.10.1878)
Date
1878-10-01
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 Algerien 86,000, in England, Italien, Belgien, Holland, > lionen Muhamedanern — abgesehen von den 740 Millionen Dänemark, Schweden und der Schweiz 145,000, in der europäischen und asiatischen Türkei, die hierher zu rechnen kein Einwand erhoben werden kann, 200,000, und im englischen Indien 20,000, endlich in Amerika und Australien 350,000. Dies macht zusammen ca 2Millionen, welche in den Staaten leben, die die Gleichberechtigung aller ihrer Angehörigen vor hem Gesetze, ohne Berücksichtigung der Religion und Confession zum Grundsatz erhoben haben. Diesen gegenüber stehen die Staaten und Länder, in welchen die Juden noch mehr oder weniger Ausnahmegesetzen und ausschließenden Beschränkungen unterworfen find. Wir haben hier die oben angeführten Zahlen im russischen Reiche, wozu ca. 2000 in Portugal und Spanien kommen, dann Persien, Arabien und die übrigen asiatischen Länder, Marokko und das übrige Afrika mit Ausschluß Algeriens. Zusammen können wir sie auf etwa 150,000 über 3 Millionen anschlagen. Besonders notiren müsien wir noch die Länder, für welche der Berliner Congreß die Gleichstellung beschloffen hat, so daß die Juden, die daselbst ansässig sind, als der Emancipation in nächster Zukunft entgegengehend angesehen werden können. Es find dies 250,000 in Rumänien und ca. 12,000 in Serbien, Bulgarien und Ostrumelien, also 262,000. — Wir sehen hieraus, daß die Zahl auf der einen und auf der anderen Seite ziemlich balancirt, und dürfen wohl hieraus den Schluß ziehen, daß bei der fortschreitenden Bewegung, welche die Verwirklichung des Rechtes und der Humanität eingeschlagen hat und noch immer einhält, die Zukunft nicht fern sein werde, in welcher Ungleichheit und Ausschließung nur noch bei den halbbarbarischen Völkern gefunden werden wird. Allerdings ist diese Bewegung bei den europäischen Völkern erst spät eingetreten und hat fast Brahminen, Buddhisten rc. und 117 Millionen Heiden — lebend, hielt man diese 6 Millionen Juden für überreife Körner, die, zwischen Mahlsteine gelegt, auf's Leichteste zu Staub zerrieben würden — aber an Festigkeit glichen sie dem Demant, der den Stein ritzt und sich ihm eindrückt, statt sich zermalmen zu lasten. - Dann, als die Völker von der mittelalterlichen Barbarei sich frei machten, erstanden auch sie zur bürgerlichen und staatlichen Freiheit. Philippsou's Lehrbuch -er israelitischen Religion für die oberen Elaffeu -er Mittelschulen na- Gymnasien, sowie für den Eoufirmauden-Uuterricht *). Mit dem nahen Beginn des Wintersemesters eröffnet sich auch eine neue Anstrengung der Lehrthätigkeit in allen Zweigen des Unterrichtswesens, und daß in diesem dem Religionsunterrichte eine kräftige Entwicklung eingeräumt werden müffe, ist wohl unter den besonnenen Pädagogen und Schulmännern unzweifelhaft. Wenn eine Hauptsorge auf diesem Felde in dem angemestenen religiösen Unterricht der Jugend innerhalb der Volksschule besteht, so glauben wir, daß sich die Erkenntniß der Nothwendigkeit destelben in den höheren Lehranstalten immer mehr Bahn brechen werde. Eine lange Zeit hindurch hat man ihn in denselben vernachlässigt. Man traute den classischen Studien die genügende Fähigkeit zu, um die Jugend auch in sittlicher Beziehung zur Reife zu bringen. Der Erfolg sprach nicht sehr zu Gunsten dieser Ansicht, und von jüdischer Seite besonders hat man den religiösen Jndifferentismus, wenn ein Jahrhundert bedurft, um zur gegenwärtigen Höhe zu ge-' nicht Unglauben zu beklagen, der sich gerade des wiffenschastlich langen. Die Gleichstellung wurde zuerst in der amerikanischen! gebildeten Theils unserer Glaubensgenosten bemächtigt hat. Union 1786 beschlosten, obschon auch da ihre Verwirklichung i Hierüber ist man so weit zur Einsicht gelangt, daß man selbst für die Juden in den einzelnen Staaten noch bis 1820 zu kämpfen hatte. Dann trat sie zunächst in Frankreich 1793 ein und vollendete sich daselbst 1830, in Holland 1796, in Belgien 1830; in den übrigen Staaten ist sie noch jüngeren Datums, meist 1848 mit weiterer Ausführung in den Jahren von Seiten der Aufsichtsbehörden das Bedürfniß anerkennt, auch der jüdischen Jugend in den oberen Elasten der höheren Lehranstalten eine angemestene religiöse Unterweisung zu verschaffen. Für diesen Zweck ist das oben angeführte Lehrbuch bestimmt. Daß es diesem Zweck entspricht, darüber haben 1866, 1869 und 1870, wie z. B. in dem zum früheren bereits mehrfache höchste Behörden für Schulangelegenheiten, Kirchenstaat gehörenden Lande. Daß in einigen Staaten die!insbesondere auch die beiden einzigen israelitischen Ober- Verwaltung längere Zeit die vollständige Ausführung ver-1 behörden in Deutschland, die Württembergs und Badens, ihr zögerte, auch jetzt wohl noch in manchen Zweigen des öffent-' günstiges Urtheil ausgesprochen und das Lehrbuch zur Einlichen Dienstes zurückhält, ist bekannt. Das aber wollen wir sührung dringend empfohlen. noch hervorheben, daß in keinem Staate bis jetzt die Gleich-! Wir werden bald Gelegenheit haben, noch von anderen siellung irgend wieder zurückgenommen oder theilweise auf-| Unterrichtsministerien gleiche Approbationen zu veröffentlichen. gehoben worden ist, selbst wenn in derselben zeitweise die Reaction sich des Steuerruders wieder bemächtigt hatte. Aber dieses Resultat hat der jüdische Stamm auch redlich verdient! Unter beinah 400 Millionen Christen und 180 Mil- Hierauf gestützt und im Jntereste der heiligen Sache gestatten wir uns, auf dieses Lehrbuch die allgemeine Aufmerksamkeit zu richten. Wenn auch in der für den Schulgebrauch an- 1) Wien, Holder, 1878.

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