Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1878)
- Date
- 1878-09-24
- Page
- Seite 618 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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618 thut dies heute in der hier nicht mehr ungewöhnlichen Form von Briefen, die er sich aus mehreren Dörfern schreiben und in welchen er sich von biederen Landleulen Dank und tausend Dank sagen läßt für den hohen Muth und den hehren Patriotismus, mit welchem er die Rumänen gegen die Juden vertheidigt. Unter diesen heutigen Briefen befindet sich auch einer von den zarten Händen einer „nicht genannt sein wollenden" Dame aus der Provinz, die den Verfasier der Artikel gegen die Juden beglückwünscht und demselben die trostreiche Versicherung gibt, daß, wenn er „das Glück haben sollte", von den Juden auch selbst todtgeschlagen zu werden — was diese Juden zu thun sehr leicht im Stande sind — alle rumänischen Frauen ihn in ihren Thränen baden, ihn in Blumenkränze einwickeln und so geschmückt ins Grab legen werden. Diese Sprache hat schier den Anschein des Lächerlichen, ist jedoch, in die Massen der Viertelgebildeten und in die Menge des Janhagels hinausgeschleudert, so sehr nach dem Geschmacke dieser Massen zubereitet, daß Herr Rosetti sehr gut daran thun würde — auch schon im Interesse seines eigenen Vaterlandes —, die Blätter seiner national-liberalen Partei, wenn er als Minister die Preßfreiheit (?) nicht beschränken kann, so doch als oberster Chef dieser Partei auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die dieser Stein, den man jetzt offenbar inS Rollen bringen will, über das Vaterland bringen kann. Bonn, 15. Sept. (Notizen.) —Wie uns aus Cassel * vom 15. geschrieben wird, ist einem dortigen achtbaren Gemeindemitgliede von dem Director einer städtischen Lehranstalt, die der Sohn jenes besucht, aufgegeben worden, den Knaben nicht länger an dem Privatunterrichte des, sich als orthodox gerirenden Privatlehrers Dr. Ehrmann theilnehmen zu lassen, weil er sonst aus der Lehranstalt nachsichtslos entlassen würde, da sich ergeben habe, daß der Unterricht des Dr. E. auf die Sittlichkeit nachtheilig wirke! Es ist dies factisch, und eine solche Verwarnung spricht durch sich selbst. — Bonn 15. Sept. (Literarische Notizen.) In dem Maiheft der deutschen Monatsschrift „Nord und Süd" befindet sich ein lesenswerther Aufsatz von Franz Delitzsch: „Der Talmud und die Farben." Wenn auch nicht erschöpfender Weise, wird der Gegenstand anziehend und mit großer Belesenheit und in jenem Geiste wissenschaftlicher Besonnenheit be- I e it i f Eine gegenseitige Rettung. Einer wahren Begebenheit nacherzählt von Leon Menüeisburg in Koretz (Volbynien). Es war ein milder, sonniger Herbst, der des Jahres 186*. Die Erde hatte ihren Kindern eine reiche Ernte verliehen, und der goldene Sonnenschein vom blauen Himmel legte sich handelt, der die Großartigkeit des Talmuds anerkennt, ohne sie zu übertreiben und über ihre Grenzen hinaus zu heben. Was uns auffiel, war gleich am Anfang seiner Betrachtung über die Farben bei den Talmudisten. Er sagte: „Die Talmüde enthalten inmitten ihrer juristischen Prosa Ausdrücke und Beschreibungen, in denen sich hingebende und genaue Naturbeobachtung, verbunden mit poetischer Auffassung kund giebt. So lautet z. B. eine übliche Zeitbestimmung „von der Hindin der Morgenröthe bis der Osten sich lichtet." Die ersten Strahlen der Morgensonne, durch die sie, ohne noch selbst sichtbar zu sein, ihr Erscheinen ankündigt, werden mit dem gabelförmigen Geweih des Edelhirsches verglichen, und diese Lichterscheinung hieß die Hindin der Morgenröthe, weil ihr Strahlengeweih dem Frühroth voraus geht, welches den Uebergang zum Sonnenaufgang bildet." Ist es nicht zu verwundern, daß dem bibelfesten Delitzsch nicht alsbald einfiel, wie dieses Bild nicht den Talmudisten gehört, sondern von ihnen aus der Überschrift des 22. Psalm's "int?” b? entnommen ist, welche auch Targum auf die Zeit des Morgenopfers, wo dieser Psalm zu singen sei, deutet. (S. unsere Auslegung der schwierigen Worte in der Einleitung zu den Psalmen B. III. S. 864 unseres Bibelwerkes.) — Leipzig, 11. Sept. (Literarische Notizen.) Leben und Wirken Salomon L Rapoports, Oberrabbiners zu Prag, in metrischer Form dargestellt, von Jacob H. Sperling, 1. Theil, Lemberg 1878. (Selbstverlag des Verfassers). In schwungvoller und bilderreicher Sprache, und begeistert vom Gegenstand seiner Dichtung, schildert Herr Sperling in 146 achtzeiligen hübschen Strophen das Leben und Wirken des vor zehn Jahren verstorbenen bekannten und bahnbrechenden historischen Kritikers Rapoport, und gleichzeitig seine eigene weihevolle und elegische Gemüthsstimmung bei der Trauerkunde vom Ableben dieses intimen Freundes und nahen Verwandten desselben. In der Einleitung verspricht Autor, in dem folgenden zweiten Theil seinen Briefwechsel mit R. nebst biographischen Notizen und einige Mittheilungen aus dessen noch ungedruckten Schriften zu veröffentlichen. Den Freunden der neuhebräischen Poesie sowohl, als besonders den Verehrern Rapoports, empfehlen wir diese hübsche j Gedichtsammlung aufs beste. F. M. feto n. [ in alle Menschenherzen. Familienverhälmisse hatten mich nach der schönen Stadt N., ungefähr 90 Werst von meiner Heimat, geführt und andere drängten mich wieder noch vor den letzten Tagen des Laubhüttenfestes zu Frau und Kindern zurück. Dazu war aber nur noch kurze Zeit; denn am folgenden Tage schon war Hoschanah rabbah und da wollte ich nicht zu Hause j fehlen. Es war gegen Abend schon, als ich eifrig nach einer