Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1878)
- Date
- 1878-09-24
- Page
- Seite 611 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227177-3227217--36566-3306626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
611 Menschen kaum noch ein Groß oder Klein, wenn sein Auge läge der Sittlichkeit suchen wollen, so antworten sie: in dem auf die Größen der Weltkörper oder die Billionen der mikros- Gewissen. In diesem, der Menschenseele einwohnenden Gefühl kopischen Körper fällt, wie viel weniger im Geistigen und des Rechts und des Unrechts. Nun, wir wollen in diesem Sittlichen! Wir meinen die, welche sich auf die Erfahrung Augenblick nicht über die Unzulänglichkeit und Unsicherheit stützen, um die Vergeltung zu leugnen. Es ist dies etwas dieses natürlichen Gefühls sprechen, das erst der Entwicklung sehr Altes. Aber der Erfahrung die Erfahrung gegenüber-' und Bildung durch die in Gott ihre Quelle findende Sittengestellt! Nur eine kleinliche Anschauung, welche wie die Kinder . lehre erfordert. Aber ist es nicht eine unbedingte Forderung auf jede gute oder böse That eine greifbare Folge von Lohn dieses Gewissens, daß eine sittliche Weltordnung besteht, in oder Strafe sucht, kann die Vergeltung verkennen, welche sicht-. welcher das Gute und das Böse zur Ausgleichung kommt und bar durch das Leben der Völker und der Individuen schreitet, die durch das Unsittliche bewirkte Disharmonie zum Einklang und welche sich nicht just an die Sohlen dieser oder jener zurückgeführt werde? Und diese sittliche Weltordnung ist eben Handlung heftet, sondern an die ganze Richtung, an die Eon-1 nichts anderes als die göttliche Vergeltung, sequenz der Handlungsweise. Wie der Verschwender nicht durch! So nehmen wir mit Dank die segensreiche Gabe unserer eine einzelne Vergeudung ein Vermögen verliert, sicher aber Religion an, welche dem Drommetenfeste als Neujahr durch sein fortgesetztes Treiben: so hängt sich das Geschick nicht gerade an eine einzelne sittliche That, um die Vergeltung zu üben, sondern läßt im Guten wie im Bösen dem Handelnden einen weiten Spielraum, seinen Charakter zu entfalten. Ja, es ist sogar falsch, da die Folge einer einzelnen That hervorzuheben, wo die entscheidende Wirkung an eine solche sich geknüpft hat, während sie doch nur die Wirkung einer langen Reihe von Handlungen war. Napoleon ist nicht durch den! russischen Feldzug gefallen, sondern durch die ganze Folge seiner aus Herrschsucht, aus grenzenlosem Ehrgeiz, aus unbegrenzter Verachtung der Völker und der Menschen überhaupt geslosienen Thaten der Bedrückung, empörenden Willkür und Aussaugung. — Und dann, nicht die Vergeltung ist das alleinige Princip der göttlichen Weltordnung. Es besteht noch ein höheres, wie schon das alte Buch Hiob uns andeutet: der Mensch lebt, um sich zu entfalten, zu entwickeln, um die den Gedanken an das göttliche Gericht einpflanzte, und durch ihn uns zur Selbstprüfung und Selbsterkenntniß erwecken will! Die Volksschule in Preußen vom religiösen ätaudpuukte. An die Einbringung, Berathung und Vollendung des, von der Verfasiung verheißenen, mehrmals vom jeweiligen Unterrichtsminister im Entwurf ausgearbeiteten, auch von dem gegenwärtigen Minister verfaßten Unterrichtsgesetzes ist jetzt nicht zu denken, und möchte dasselbe wohl noch lange nicht in Aussicht stehen. Da der neue Entwurf noch gänzlich unbekannt ist, das Staatsministerium noch nicht passirt, des Königs Willensmeinung über ihn sich noch nicht kundgegeben hat, und ihm schlummernden Kräfte seines Geistes aus der Knospe zur! dann erst der heftige Kampf der Parteien in den beiden Häu- Blüthe zu bringen, aus der Blüthe zur Frucht, die Frucht zur! fern des Landtags, die sämmtlich gerade bei dem Unterrichts- Reife. Hierzu bedarf er eines weiten Spielraums und wirkj gesetze in unerbittlicher Schärfe hervortreten würden, bevorsteht, licher Freiheit des Willens; hierzu bedarf er eines wechselnden man also gar nicht wissen kann, was für ein Produkt schließlich Geschickes, der Versuchung und Prüfung. Dies ist der höhere hervorgehen würde: so ist man nicht einmal gewiß, ob man Zweck des Menschenlebens. Und darum darf weder die Verüber diese Verschleppung klagen solle. Konnte man doch immer geltung der Willensfteiheit des Menschen durch sichtbare Erzufrieden sein, daß ein solches Unterrichtsgesetz unter den früheren theilung von Lohn und Strafe auf jede Handlung einengende Schranken setzen, noch das Geschick des Menschen glücklicher und begünstigender Momente für den Bösen und schwerer Leiden für den Guten entbehren. Dies sind die heiligen Uebel des Lebens, die dem Menschen das weite Gebiet der sittlichen Arbeit eröffnen. Aber diese höhere Waltung, die ihren Zweck ebenso in sich trägt, wie einen solchen Selbstzweck Hiob in jedem Gebilde der Natur nachweist, schließt die Vergeltung nicht aus, sondern beide in ihrer Einheit geben uns die Lösung für die Räthsel des Lebens, beleuchten den Pfad, den die Vorsehung uns wandeln läßt, soweit für den Menschen das Licht bestimmt ist. Wie? Fragen wir diese Leugner, worin sie die Grund- Unterrichtsministern Ladenburg, Raumer, Mühler, nicht entstanden ist, vermochte man doch erst einige Hoffnung auf ein gutes derartiges Gesetz unter dem jetzigen Minister Di-. Falk zu fassen — die Umstände sind gegenwärtig nicht angethan, um auf die Austragung fteisinniger Ideen im neuen Unterrichtsgesetze sicher rechnen zu dürfen. Ohne hierauf weiter einzugeben, leuchtet es uns darum ein, daß wir auf die jetzt im preußischen Unterrichtswesen obwaltende Auffassung wohl zu achten und jede Kundgebung derselben zu berücksichtigen haben. Hierüber giebt uns nun ein Aufsatz im Juni- und Juli-Heft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichts-Verwaltung in Preußen" Ausschluß. Dieses Blatt wird bekanntlich im Ministerium selbst herausgegeben, und der bezügliche Aufsatz ist auf Grund der 39*