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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-17 · Heft 38 (17.9.1878) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 38 (17.9.1878)
Date
1878-09-17
Page
Seite 603 (sequence 11)
Language
German
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nommen wird, so werden wir heute nicht mehr mit dem Fidschi-Insulaner und dem Sieger von Guinea ein vorzeitiges Desectiren der Seele annehmen, sondern wir sagen uns, daß, die Erschütterung des Gehirns den großen Unbekannten, den Denk-' Mechanismus „verrückt und arbeitsunsähig gemacht hat." Was sind das sür Beweise 'i Jeder dieser Sätze läßt sich durch einen Gegenj beweis widerlegen, der die Abhängigkeit des Körpers von der Seele zeigt. Wenn die Seele durch Sorgen, Trauer oder: Leidenschaft krankt, so unterliegt bald auch der stärkste Körper, ja oft gerade ein solcher am schnellsten. Verliert der Geist seine Schnellkraft, so erlahmt auch der Leib und altert hin. Welchen Einfluß auf den Leib Schrecken, Angst und Furchtj üben, wie sie ihn lähmen und schädigen, weiß Jedermann aus Erfahrung. Unter Sorgen und Trauer schmecken auch Speise und Trank nicht. Niemand empstndet leibliches Wohlbefinden, wenn seine Seele von schmerzlichen Gefühlen occupirt ist. Die Sinnesfunctionen verlieren jede Bedeutung, wenn die Aufmerksamkeit der Seele abgclenkt ist: das Auge sieht nicht und wird zu einem blos mechanischen Spiegel, das Ohr hört nicht und wird zu einem blos mechanischen Schallloch. Verliert die Seele das Bewußtsein, sei es auch durch eine Seelenbewegung, so hört alle Bewegungskraft des Körpers auf. Welche Einwirkung ein aufreibendes Geistesleben aus die Beschaffenheit des Körpers hat, kann Jedermann sehen. Die Abhängigkeit des Körpers von der Seele ist also ebenso, entschieden erwiesen wie die Abhängigkeit der Seele vom Körper Die letztere kann also nichts gegen die Selbständigkeit der Seele erweisen oder man muß zugeoen, daß die erstere ebenso nachdrücklich für die Selbständigkeit der Seele zeugt. Viel-! mehr geht aus beiden nur die innige Harmonie, der enge Zusammenhang hervor, in welchem beide, Seele und Körper, mit einander stehen. Die „Wissenschaft" kann doch nun die ge-! dachten energischen Einflüsse des Geistes auf den Körper eben-1 sowenig leugnen, wie ihr die Abhängigkeit der Seele vom Körper entgeht. Vor diesem Räthsel bleibt die Wiffenschaft stehen; sie kann das Gehirn und die Nerven als die Organe bezeichnen, in welchen und durch welche diese Verbindung besteht und agirt, so daß von der Beschaffenheit dieser Organe die Thätigkeit Beider abhängt — weiter aber nichts. Herr Brockhoff treibt aber seine Frivolität noch weiter. Erschließt: „Sollte im Lause der Zeiten der Unsterblichkeitsglaube die Menschen verlaßen, so wird's darum nicht schlechter werden auf Erden. Der Pslichtinstinkt, welcher die ganze Thierwelt beherrscht und sür die Menschheit die Quelle des Rechts, der Sitte und Religion ist, wird jenen Glauben überleben." Der „Pflichtinstinkt" beherrscht die ganze Thierwelt und ebenso den Menschen! Was ist das sür ein Pflichtinstinkt, der die Thierwelt beherrschte Nichts weiter als daß das Thier zerreißt, zerkaut und ftißt, was es zu seiner Leibesnahrung braucht — derselbe Pflichtinstinkt, der die Menschen ursprünglich und viele Stämme noch heute ihre Mitmenschen fressen laßt und zwar als die delikateste Speise, der noch heute die Faust des Räubers und Mörders bewaffnet und z. B. in diesen Tagen auf der Balkanhalbinsel eine so blutige Orgie feiert. Dies ist es, was den „thierischen Pflichtinstinkt" ausmacht. Das Einzige außerdem wäre noch die Fürsorge für die Jungen, von welchem Pflichtinstinkte sich aber auch mehrere Thierärten freihalten, indem sie ihre Jungen lieber verspeisen, sowie es auch unter den Menschen genug Erempel giebt, welche von diesem Pflichtinstinkte keine Ahnung haben. An sich aber ist selbst dieser Pflichtinstinkt der Thiere auch nur ein Trieb für das, was sie als ihren eigenen Theil fühlen. Sobald dies aufhört, sobald das Junge für sich selbst zu eristiren vermag, hört jede Beziehung zwischen ihnen auf. Wehe dem Menschen, wenn er auf solchen Pflichtinstinkt beschränkt wäre! In diesen Literaten muß in der That das thierische Gefühl sehr lebhaft sein, daß fie sich so gern mit den Thieren identisiziren. Wirklich, der Humbug, der gegenwärtig in Deutschland mehr als irgendwo j mit und in der „Wiffenschaft" getrieben wird, ist traurig. Die Bedeutung des Assyrischen. Aus einer Abhandlung „Ueber den gegenwärtigen Stand der Keilschrift-Forschung von Dr. Fr. H omme l" in der Beilage zur A. A. Z. vom 20. Juni c. entnehmen wir folgende Stelle: „Für die Interpretation des alten Testaments ist in gleicher Weise das Affyrische eine jetzt nicht mehr zu umgehende Hülfswiffenschaft, und dies nicht blos wegen der sachlichen und geschichtlichen Berührungen von der Zeit Abrahams an bis zu der der Könige und dem babylonischen Exil. Tenn viele hebräische, bis jetzt gar nicht oder ungenügend erklärte Wörter haben erst durch das Affyrische ihre richtige Deutung oder etymologische Erklärung gefunden und sind nun aus ihrer Jsolirung im Semitischen plötzlich herausgeriffen worden. Für letztere sei nur hingewiesen auf hebräisch me'od „sehr", assyrisch rna'du „viel" und auf hebräisch Inn „übernachten", assyrisch lünu „Söller" (also nicht, alle Lautgesetze umstoßend, ■ von lail „Nacht" abzuleiten), von ersteren nur statt vieler ein wichtiger Thiername erwähnt, nämlich der von den alten Bibelübersetzungen mit „Einhorn" wiedergegebene r> öin, der so die Quelle jener später besonders durch das in zwölf abendländische Sprachen übersetzte Naturbuch Physioloyus verbreiteten Fabeln wurde, während die assyrischen Inschriften im Verein mit den bildlichen Darstellungen klar beweisen, daß dieses Thier (im Affyrischen rimu genannt) nur der wilde Ochs sein kann, dieser schwere, starke, aber trotzdem gewandt!die Berge erklimmende Gesell, von dem das Buch Hiob eine j so herrliche Schilderung entwirft. Am merkwürdigsten sind

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