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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-17 · Heft 38 (17.9.1878) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 38 (17.9.1878)
Date
1878-09-17
Page
Seite 604 (sequence 12)
Language
German
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604 diejenigen sumerischen Lehnwörter im Assyrischen, die von Babylonien aus auch zu den Hebräern gewandert sind, und die man deshalb bisher auch nie befriedigend aus dem Semi-: tischen erklären konnte; sie gehören zu den sichersten Errungenj schäften der Assyriologie. Einige der wichtigsten sind: hebräisch! hekal „Palast" (assyrisch ikallu) aus dem sumerischen e-gal' „großes Haus", hebräisch mallach „Schiffer' '(assyrisch malachu) { aus dem sumerischen ma-lach „Schiffführer", hebräisch asclitoreth I „Astarte" aus dem sumerischen Isch-rar, dieser Hauptgottheit j der alten Sumerier, und hebräisch Scheol, „Hades", aus dem sumerischen schu-al, letzteres eine besonders für die Religionsgeschichte bedeutsame Entlehnung, die in uralte Zeit Zurückreicht. Daß auch die anderen Götter des affyrischen Pantheon sich allein durch die Form ihrer Namen als sumerischen Ur- > sprungs ausgewiesen, wurde oben schon erwähnt. Da wir bei j der Unterwelt angelangt sind, so mag hier ein anderes interessantes Wort notirt werden, nämlich das affyrische sehidu, was einmal die vor den Palastthoren aufgestellten Stiercoloffe (Synou, Kirubu. woher der Plural Cherubim im A. T.H dann aber in den mythologischen Inschriften auch eine Species der bösen Geister bezeichnet; es ist dies das hebräische schedim, „Götzen", während das im Arabischen lautlich entsprechende ^asilck spanisch cid) die allgemeine Bedeutung „Herr" angenommen hat. Merkwürdigerweise heißt im Syrischen dasselbe Wort schida „Teufel", „Dämon". Ein anderes syrisches Wort für Teufel, nämlich akel-kartsa. eigentlich „der Verleumder", ö dicißo/.oc, findet sich ebenfalls der äußeren Form wie der Bedeutung nach, genau dem Syrischen entsprechend, in den Keilinschriften, wo akil kartsi als Synonymum von zwei anderen Wörtern, die in der Bedeutung „Verleumder'" gesichert sind, erscheint; im links stehenden Sumerischen entspricht ihm eme-kucku, „Zungenfresser", was auch wirklich die ursprüngliche Bedeutung des affyrischen wie des syrischen Wortes ist." __ vermischtes. Ein Pseudo-J ude. Tem„R. Mir." meldet man folgenden Vorfall aus Mo h il ew: In Mohilew trat unlängst ein schmucker Gardesoldat aus welcher erzählte, er sei Jude, habe in St. Petersburg in einem! Garde-Regiment seine Zeit abgedient und beabsichtige sich mit einer j wohlhabenden Same zu verheirathen, um sich dann dauernd in Mohilem niederzulaffen. Da der Gardist eine hübsche stattliche Erscheinung war, so hatte er auch bald eine paffende Partie gesunden und war in kurzer Zeit mit einem wohlhabenden Judenmädchen verlobt. Der Verlobung folgte auf das > Drängen des zärtlichen Bräutigams in ungewöhnlich kurzer Zeit die Hochzeit und die Neuvermählten lebten in Freuden und in Wonne. Da theilte eines Morgens der Ehemann seiner jungen Frau mit, daß er seit mehreren Jahren bereits zum Christenthum übergetreten sei und wies dabei auch die betreffenden Papiere vor. Große Bestürzung sowohl bei der jungen Frau und deren Verwandtschaft, als auch bei der ganzen jüdischen Gemeinde'. Die junge Frau faßte sich zuerst und erklärte der entrüsteten Verwandtschaft, daß sie ihren Mann nicht verlaffen wolle. Trotz der Liebe zu ihrem Manne will sich die junge Frau aber nicht taufen laffen. Fürs Erste ist gegen den Pseudo-Juden eine Klage auf Betrug erhoben worden und derselbe sieht im Gesängniß der gerichtlichen Entscheidung über sein Schicksal entgegen, auf welche übrigens die ganze Judengemeinde sehr gespannt ist. Juden im mittleren Arabien. In der ersten Sitzung des internationalen ethnographischen Congresses zu Paris berichtete Herr Joseph Haldvy über die Sitten der Stämme des centralen Arabiens und besonders I über das alte Königreich Saba, wohin er einzudringen ver-! mochte. In dieser Gegend, welche jetzt zu drei Vierteln barbarisch! und unbebaut ist, zeigen sich bei jedem Schritt die Ruinen! aus einer Civilisation, die schon seit Jahrhunderten verschwunj den ist. Aber H. Halövy wollte vor Allem die Sitten der j Araber, der Söhne der ehemaligen Bewohner von Seba, beschreiben, j Aus seinen sehr anziehenden Erzählungen entnehmen wir folj gende Details: In Centralarabien, das in eine große An- ' zahl Stämme zerfällt, die unter einander in fast beständigem! Kriege leben, sindet man beinah überall drei Kasten: eine! Art von Adel, eine Klaffe Arbeiter und Juden. Die Juden; allein können die eigentlichen Handwerke ausüben, sie sind ein-!fach Sclaven, aber Sclaven, welche sich ihren Herrn, ja 'mehrere Herren wählen können, die ihnen dafür ihren Schutz i versprechen, und was sonderbar erscheinen mag, auch alle Wort j halten. (Arch. isr.) Der „Semite." Die europäischen Publizisten haben sich in der jüngsten Zeit betreffs des Earl Beaconsfield geradezu lächerlich gemacht. Seine von Freund und Feind bewunderten Erfolge setzten sie in die größte Verlegenheit, da man sie in irgend einer Weise doch anfaffen wollte. „Jude" wollten sie nicht sagen, „getaufter Jude" wäre zu lang und in seiner Wiederholung zu sonderbar. Sie wählten als Ausweg „der Semite", und nun kann der bedeutendste wie der unbedeutendste Journalist von Beaconssield nicht sprechen, ohne „Semite" oder „semitisch" hinzuzufügen. Wir werden es nach dieser neuesten Erfindung erleben, daß, wenn ein Jude etwas Böses vollbringt, er als „Jude", sobald er sich ein Verdienst erwirbt, als „Semite" bezeichnet wird._

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