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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-17 · Heft 38 (17.9.1878) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 38 (17.9.1878)
Date
1878-09-17
Page
Seite 600 (sequence 8)
Language
German
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600 Das erste Stück, wodurch er die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog, war eine geschickte Combination, durch die er den Preis des Weizenmehls in kurzer Zeit von 8 auf 40 Dollars per Barrel steigerte: die Goldgräber waren wüthend, tobten und schimpften, Friedländer und seine Freunde hatten aber eine Million Dollars erworben. Zu jener Zeit bestand sein Geschäft im Getreide- und Mehlimport, hauptsächlich von Chili: er erkannte jedoch bald, daß Californien selbst ein reiches Productionsgebiet sei, ließ aus Oregon, das damals für das beste Weizengebiet der Vereinigten Staaten gehalten wurde, Samen kommen und begann selbst Ackerbau zu treiben und Andere durch sein Beispiel zu ermuntern. In Getreide im Großen speculiren, ist immer ein etwas gewagtes Spiel, und auch Friedländer begegnete es anfangs der sechsziger Jahre einmal, als er allein sich den gesammten übrigen Speculanten gegenüber stellte, daß er seine Zahlungen suspendiren mußte. Das Vertrauen in die Elasticität von Friedländers speculativem Geiste war indeß schon zu jener Zeit so groß, daß seine Gläubiger ihm bereitwilligst zu Hilfe kamen und ihm das Arrangement zu erleichtern suchten. Bald darauf stand Friedländer wieder groß da, und obschon er hierzu nach dem Arrangement keine Verpflichtung hatte, zahlte er doch seine zahlreichen Gläubiger bis auf den letzten Dollar aus. Der Getreidebau hatte sich um jene Zeit schon so entwickelt, daß Calisornien, statt zu importiren, nun Weizen und Mehl — denn Friedländer hatte auch großartige Dampfmühlen angelegt — zu exportiren begann. Friedländer war es, der dann zuerst, theils auf seine eigenen Kosten, die Schifffahrtsverbindungen für Getreideexport einleitete, die seitdem so bedeutende Dimensionen angenommen haben; drei Viertheile des von Californien ausgeführten Getreides aber ging durch die Hände der Firma Falkner, Bell & Co., deren Chef eben Friedländer war. Von vielleicht noch größerem Umfange, als seine kaufmännische Wirksamkeit, war seine Thätigkeit als Grundeigenthümer und Farmer, in welcher er besonders der Bewäfferung rege Aufmerksamkeit zuwendete. Seine große Stockfarm für Rindvieh und Schafe in San Joaquim-Vallev umfaßte in einer Einzäunung über hunderttausend Acker Landes; seine übrigen Besitzungen für Weizenland rc. waren so bedeutend, daß der Berichterstatter der „Times", denen wir diese Notizen entnehmen, sagt, Friedländer habe mehr Grundeigenthum hinterlaffen, als der Landesherr seiner Heimath „regiert habe. Ueber die Energie und die sonstigen geistigen Fähigkeiten eines solchen Mannes kann natürlich nur ein Urtheil sein; besonders wird aber an Friedländer auch erwähnt, daß er von großer Ehrenhaftigkeit in Geschäften, verbunden mit vieler Menschenfreundlichkeit, durchdrungen war. Immigranten erhielten von ihm Land zu sehr billigen Bedingungen und wurden sonst von ihm mit Rath und Thal unterstützt, und die Armen und Hilfsbedürftigen in Calffornien haben einen treuen Freund und Helfer an ihm verloren. Ein großer Geist wohnt oft in einem kleinen Körper; im vorliegenden Falle aber entsprach auch der äußere dem inneren Menschen, denn Friedländer war von wahrhaft herkulischem Körperbau; er maß seine vollen 6 Fuß 7 Zoll, sein Gewicht betrug dreihundert Pfund, und er war sonach in mehr als einer Beziehung eine ungewöhnliche Erscheinung zu nennen. — — Wir erhalten von Krappitz (Schlesien) unter dem 3. September folgende Bemerkung: „Zur Biographie des Profesior Lebert (Nr. 35 der Zeitung des Judenthums) erlaube ich mir zu bemerken, daß derselbe, als er in Breslau docirte, nicht mehr Jude war." (Wir danken dem Herrn Einsender für diese Mittheilung; wäre uns früher dieser Umstand bekannt gewesen, so hätten wir grundsätzlich die biographische Notiz nicht ausgenommen. Redaction.) Man schreibt uns aus Frankfurt am Main vom 5. Sept.: Die hiesige israel. Gemeinde hat gestern einen Verlust erlitten. Rabbi Salomon Geiger, der älteste Bruder der sel. Abrah. Geiger und s. Z. deffen Lehrer, ist im Alter von 86 Jahren und 3 Monaten gestorben. (Der Verstorbene war in früheren Zeiten Vorbeter in Frankfurt und hat mehrere geachtete Schriften in hebräischer Sprache, namentlich liturgischen Inhalts verfaßt. Redaction.) — Die „N. fr. Pr." schreibt: In Ischl ist vorgestern der Reichsraths-Abgeordnete Jsaac Ru bin st ein im Alter von 74 Jahren gestorben. Rubinstein gehörte der Verfaffungspartei an; in Czernowitz, deffen Handelskammer ihn in den Reichsrath entsendete, hat Rubinstein mehrere Ehrenstellen, zu welchen ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berief, bekleidet. Auf dem uns zugesendeten Partezettel befindet sich auch die leidtragende Tochter des Verblichenen,!)^ phil. Susanna Rubinstein, verzeichnet. Der Leichnam des verstorbenen Reichsraths-Abgeordneten wird nach Czernowitz überführt, um daselbst in der Familiengruft beigesetzt zu werden. — Aus New-Orleans lauten die Nachrichten noch immer traurig. Das gelbe Fieber richtet noch immer große Verheerungen an. Verhältnißmäßig haben die dortigen Israeliten noch weniger Opfer der Seuche gehabt; jüngst ist jedoch der sehr beliebte Rabbiner Davidson daran verstorben. Bonn, 8. September. (Literarische Notizen.) Die Zahl der jüdischen Zeitschriften in Amerika wächst ununterbrochen an und würde, bald Legion sein, wenn nicht viele derselben nach kurzem Leben wieder entschliefen. Wir hoffen dies nicht von der seit Kurzem in Chicago erscheinenden Wochenschrift „The Jewish Advance", die nach der uns vorliegenden Nummer nicht, wie viele amerikanische jüdische Zeitschriften, den größten Theil ihrer Spalten mit, dem Judenthume ganz ftemden Allotriis füllt, sondern nur jüdischen Jntereffen dient und einen recht mannigfaltigen intereffanten Inhalt hat. — Diejenigen, welche sich dafür interessiren, machen wir auf eine vortreffliche Abhandlung: L’Ethnographie et le dixieme

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