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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-17 · Heft 38 (17.9.1878) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 38 (17.9.1878)
Date
1878-09-17
Page
Seite 599 (sequence 7)
Language
German
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599 Italien. Turin, 25. August. (Areh. isr.) Bei seiner jüngsten Anwesenheit hier empfing König Hubert auch den Profeyor Ghiron, Verweser des hiesigen Rabbinats, in Audienz und unterhielt sich mit ihm in liebenswürdigster Weise. Am Schlüsse sagte Se. Majestät zu H. Ghiron: „Ich bin überzeugt, daß ich in den Israeliten Italiens Bürger habe, welche dem Vaterlande und meiner Familie treu ergeben sind." — In der Angelegenheit der jungen Teglio, welche unter dem Vorwände, getauft worden zu sein, in einem Kloster zurückgehalten wurde, hat der Casiationshof das Urtheil des Gerichtes annullirt und die Angelegenheit vor den Gerichtshof von Genua verwiesen. Dieser hat zu Gunsten der Familie Teglio entschieden und das• junge Mädchen den Ihrigen zurückgegeben. Schon aber spricht man wieder von einem ähnlichen Vorfall in Rom, wo zwei junge jüdische Mädchen im Nonnenkloster von Monti zurückgehalten werden sollen. Näheres ist abzuwarten. Bosnien. Lemberg, im Sept. Ter „Lemberg. Israel" schreibt: Berichten aus Serajewo zufolge hatte Hadschi Loja (vor dem Einzuge der Oesterreicher) der dortigen jüdischen Gemeinde eine Kriegskontribution von 6000 Ducaten auferlegt. (In Bosnien wohnen ungefähr 6000 Juden, sie betreiben großen Handel und haben bedeutende Fabriken. Ihr religiöses Oberhaupt ist der Chacham Baschi in Serajewo, dem auch die Rabbinen in Jrawnik, Moftar, Banjaluka und Nowi-Bazack unterstehen. In der Herzegowina wohnen auch nur wenige Juden; in j Mostar etwa 800 und in andern Ortschaften circa 1200). Serajewo, 27. August. Gleich nach dem Einmarsch der' Oesterreicher erließ der Oberfeldherr unter Anderm eine Pro-! clamation, in der er die Freiheit aller Culte und die fteie; Ausübung aller religiösen Gebräuche verkündete. Der Eindruck i war ein allgemein guter. Der Verkehr hebt sich schnell in dieser Hauptstadt Bosniens. Rumänien. Hamburg, 1. Sept. (Privatmitth.) Ich beeile mich Ihnen mitzutheilen, daß nunmehr alle politischen Parteien Rumäniens in Betreff der Judenftage sich dahin geeinigt haben, daß zur Austragung dieser Frage die Einberufung einer Constituante unbedingt nöthig sei. Ich laffe den diesbezüglichen Wortlaut des „Romanul" vom 27. v. M. hier folgen. „Wir haben es gesagt und wiederholen es, daß der Artikel 7 der Constitution, der kategorisch abgefaßt ist, dahin lautend, daß nur Christen rumänische Bürger werden können, unmöglich von einer gewöhnlichen Kammer abrogirt und den Juden diese Qualität zugestanden werden könne. In Betreff dieses Punktes stimmen wir mit der Opposition vollkommen überein, daß die Erledigung dieser Frage einer Constituante bedarf." Wir dürfen also bereits in nächster Zeit die Constituante einberufen sehen und werde ich Ihnen sodann von der Thätigkeit derselben genau Bericht erstatten. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, hat eine Anzahl jüdischer Notablen in Bukarest eine Versammlung gehalten, in welcher beschloffen wurde, dem Fürsten Karl durch eine Deputation eine Adresse zu überreichen. In derselben soll der Fürst ersucht werden, für die Ausführung des Congreßbeschluffes, welcher die rumänische Preffe sich entgegen stemmt, zu wirken, und der Entschluß ausgesprochen, ihre bürgerliche Gleichstellung mit allen Kräften zu erstreben. Ich halte eine solche Adreffe für verfrüht, da man sich doch zuerst an die gesetzgebenden Kammern zu wenden hätte. I. Freimann. Amerika. New-Orleans. 4. Sept. (Privatmitth.) Nach den neuesten Nachrichten hat das gelbe Fieber noch immer nicht an Heftigkeit abgenommen, verbreitet sich vielmehr nach immer : mehr Städten des Südens. Jetzt — gegen frühere Nachrichten (s. „Notizen" d. Nr.) — sind auch schon viele israelitische Familien davon betroffen worden. Dadurch tritt auch ein großer Nothftand ein, und der Hülferuf erhebt sich von allen Seiten. Er findet auch Anklang, und aus den jüdischen Gemeinden des Nordens und Westens, namentlich auch aus San Francisco, laufen beträchtliche Summen ein. In diesem Augenblick fangen auch die Logen der Bne Berith an, für diesen Zweck zu wirken, und man erhofft den besten Erfolg. Möge der „Arzt alles Fleisches" der verheerenden Seuche bald Einhalt thun! Bonn, 8. Sept. (Notizen.) Wir haben bereits von dem Tode eines merkwürdigen Mannes, Jsaac Friedländer berichtet, der in den Vereinigten Staaten den Namen „Getreidekönig" (Th6 Grain-king) führte. Die Times bringen eine ausführliche Notiz über ihn, die wir hier wiedergeben. Jsaac Friedländer war 1823 von israelitischen Ellern geboren, kam aber schon als kleines Kind nach New-Pork und wendete sich später nach dem Süden, von wo er 1849 nach den damals entdeckten Goldminen in Californien wanderte. Vom Glück begünstigt, erwarb er in kurzer Zeit so viel, daß er dem wüsten Leben entsagen konnte; er wandte sich nach San Francisco, wohin er Frau und Kinder, die er anfangs im Süden zurückgelaffen, hatte Nachkommen laffen, ließ sich dort dauernd nieder und begann nun seine wunderbare Thätigkeit im Gebiete der Landwirthschaft und des Handels zu entfalten.

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