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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-10 · Heft 37 (10.9.1878) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 37 (10.9.1878)
Date
1878-09-10
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
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584 Erklärung, welche auch der „Lemberger Israelin bringt, und aus der wir folgende Stellen hervorheben: „Die Führung der israelitischen Matrikelbücher wurde in Lemberg nie der Cultusgemeinde (Kahal) überlassen, im Gegentheil existirt seit 1. Januar 1878 gemäß der gesetzlichen Vorschriften ein vollkommen abgesondertes Matrikelamt, welches in keiner Hinsicht dem Einflüsse der israelitischen Cultusgemeinde oder des Cultusgemeinde-Vorstandes unterliegt. Der Lemberger Magistrat ernannte und bestellte selbst die Matrikelführer, welche nur der politischen Behörde verantwortlich sind, obwohl zur Bequemlichkeit der Pateien das Matrikelamt in einem Theil der Localitäten der Gemeinde-Kanzlei untergebracht ist. Das Matrikelamt als solches hat keine rechtliche Verbindlichkeit, irgend einen Einfluß auf die Art der Eheschließung auszuüben, sondern ist nur verpflichtet, die zu seiner Kenntniß gelangenden Trauungen, welche durch den Rabbiner, Prediger oder Religionsweiser vorgenommen wurden, in die Trauungsbücher einzutragen. Uebrigens geben sich die mit der Leitung des Matrikelamtes betrauten Personen die Mühe, das Volk nach Möglichkeit von der Nothwendigkeit der Beobachtung des Gesetzes und der Schließung legaler Ehen zu belehren. Die schlimmen Folgen der ungesetzlichen Ehen hat der Gemeinde- Vorstand schon in früherer Zeit in populären Broschüren dargestellt, welche man, leider mit geringem Erfolge, maffenhast verbreitete und auch in die Provinz versendete; es wird jedoch kein vernünftiger Mensch dem Cultusvorstande oder dem Matrikelamte die Schuld zuschreiben, daß feit Jahrhunderten dauernde Uebel nicht in einem Augenblicke beseitigt wurden. Der Cultusvorstand hätte übrigens gar nichts gegen die Einführung von Civil-Standes-Büchern, deren Führung man Staats- oder Gemeinde-Beamten anvertrauen würde, wovon der Umstand Beweis genug ist, daß der Cultusvorstand selbst, schon mehrere Male bei den hohen Behörden für die Einfüh-! rung von dergleichen Civil-Standes-Registern eingestanden ist. § Ebenso ist es den hohen Behörden bekannt, daß man bereits! sorgniß, daß mit dem Gelangen der liberalen Partei (wie man seit mehr als vier Jahrzehnten den Matrikelführern eine vor-! diese hier versteht) zur Macht, die Begräbnißfrage zu einer unschristswidrige Führung der Bücher nicht vorwerfen kann." günstigen Entscheidung kommen werde, scheint sich bald erfüllen zu Pest, im August. (Privatmitth.) In den ungarischen! sollen, und die hiesigen Israeliten vermögen nichts mehr dagegen girten aus verschiedenen Ländern liegt weniger in den Berathungen und Beschlüssen, als in der Thatsache einer solchen Vereinigung selbst, die sich gewiß noch einer weiteren Entwicklung in der Zukunft zu erfreuen haben wird. Um die Ergebniffe vorläufig kurz zusammenzufafien, so wurde der Antrag des Großrabbinen Astruc dahin angenommen, daß eine Denkmünze auf die Beschlüsse des Berliner Congrefies hergestellt werden und das Centralcomite bestimmen soll, welchen Personen ein Exemplar derselben übersandt werden soll. Die verschiedenen Anträge auf Veränderungen in der Organisation der Alliance riefen lebhafte Debatten hervor, wurden aber, besonders nach einer liebenswürdigen Ansprache Cremieux', fallen gelaffen. Auch die beantragte Herstellung von Unterrichtsanstalten in Rumänien bewirkte, daß ganz entgegengesetzte Ansichten in der Versammlung hervortraten, von denen die eine den Anschluß an die rumänischen Schulanstalten, die andere die Errichtung jüdischer Lehranstalten befürwortete. Es wurde beschloffen, die Gründung einer Normalschule (d. i. Lehrerseminar) zu Bukarest in's Auge zu fassen. Für die Fragen, welche Palästina betreffen, wurde die Einsetzung einer Commission beschloffen, welche dieselben studieren, namentlich die Herstellung einer großen Lehranstalt in Jaffa, verbunden mit einem Waisenhause, berathen solle. Endlich wurde auch eine Adreffe an den Kaiser von Rußland beschloffen, ihm den Dank für seine Protektion der Juden in den Donauländern auf dem Berliner Congreffe auszusprechen und einige Wünsche zur Verbefferung der Lage der russischen Juden vorzutragen. Man kann nicht genug den Geist der Eintracht und der gegenseitigen Achtung rühmen, der durch alle Versammlungen dieser Zusammenkunft wehete. Belgien. Brüssel, 1. Sept. (Privatmitth.) Die begründete Be- Reichstag ist nachträglich noch ein Jude gewählt: Herr Felix Mende, Redacteur des „Fügetlen Ilirlap“; derselbe gehört zu thun. Der Minister erklärte kürzlich dem Consistorium, daß er, ohne ein neues Gesetz einzubringen, das -Nöthige schon der äußersten Linken an. Es haben somit 5 Juden Sitz im! veranlaßen werde, um den Juden unmöglich zu machen, sich ungarischen Parlament. Auch Ignaz Helfy, der Führer der! anderswo bestatten zu lassen, als auf dem allgemeinen Begräbäußersten Linken, ist Jude, hat sich aber confessionslos erklärt.j nißplatz in der Reihenfolge. Wir sind allerdings begierig, zu erfahren, wie der Minister dies machen will, ohne den äußersten Act administerieller Gewaltthätigkeit zu üben. Jndeß da er Frankreich.; jedenfalls die, wenn auch knappe Mehrheit in den Kammern! für sich hat, kann er Alles wagen. Dies ist die liberale Par- Paris, 28. August. (Privatmitth.) Die eigentliche! tei im liberalen Belgien! Gewalt von den Klerikalen, Gewalt Wichtigkeit der Generalversammlung der Alliance und Delevon den Liberalen — Freiheit auf keiner Seite!

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