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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-03 · Heft 36 (3.9.1878) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 36 (3.9.1878)
Date
1878-09-03
Page
Seite 563 (sequence 3)
Language
German
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Nichtigkeiten mit. Dann sprach er wieder: „Ich möchte wissen, worauf ihr das Bürgerrecht jener Stadt beansprucht?" Kaum' aber hatten wir die Antwort begonnen, die Triftiges vorzu-: bringen den Anschein hatte, als er zornig abbrach und davon-! lief. Nach einiger Zeit, in der er neue Anordnungen wegen! Fenster u. dergl. getroffen, ging er langsamer und fragte uns j ruhiger: „Was sagt ihr?" Sofort jedoch, als wir mit größter : Bündigkeit unsere Sache vorzutragcn angefangen, lief er in! ein anderes Gemach, wo er alte Gemälde anzubringen befahl. Wir verzagten nicht blos um unsere Sache, sondern um unser Leben, sagt Philo, und nahmen in unserm Herzen unsere Zuflucht zürn wahren Gotte, daß er uns aus der Gewalt dieses sich fälschlich Gott Nennenden errette. Endlich sprach Ealigula: „Diese Menschen scheinen mir nicht so schlecht wie armselig! und unverständig, daß sie in mir die göttliche Natur nicht zu! erkennen vermögen", und entließ uns. — Weiter erfahren wir j von dem Erfolge dieser Gesandtschaft nichts, doch soll ber j Bruder Philo's, der Alabarch Alexander, in's Gefängniß ge-j worfen worden fein. Jndeß hatte eine höhere Macht bereits i entschieden. Flaccus wurde auf Befehl Ealigula's seines « Amtes entsetzt und nach kurzer Zeit getödtet. Caligul selbsta > starb schon am 24. Januar des folgenden Jahres (41) unter den Mörderhänden zweier Hauptleute, Chärea und Sabinus. Der Nachfolger des Flaccus in Alexandrien, Basius, stellte die Ruhe wieder her, wenn auch die Frage über das Bürgerrecht der Juden unentschieden blieb J]. Es war eine schlimme Zeit, aber noch schlimmere kamen,! in welchen stch Scenen ähnlicher Art und mit noch brutalerem AuSgange wiederholten. Beinahe achtzehn und ein halbes Jahrhundert sind verflossen, seitdem der unsterbliche Vhilo vor dem wahnwitzigen Cäsar gestanden, um das einfache Recht seiner Glaubensgenossen als Bürger des Staates zu fordern: und wiederum standen Vertreter derselben vor den Europa lenkenden Staatsmännern. Der Empfang war ein freundlicher, der Erfolg ein vollständiger. Der Geist der Humanität,! des Rechtes und der Freiheit hat eben, wenn auch nur 1) Daß man sich bewußt war. es handele sich bei dieser Ge- > sandlschaft nicht blos um das Schicksal der alerandrinischen Juden. I sondern and) um die Lage der damals schon im ganzen römischen! Reiche ansässigen, geht aus mehrsachen Stellen des citirten Buches! hervor. Interessant ist besonders folgende Stelle, in welcher Philo über die Ausdehnung der jüdischen Kolonien außerhalb des heiligen Landes — es war drei Jahrzehnte vor der Zerstörung Jerusalems — spricht (f. iu;»l ed. Höschel). Von Jerusalem aus seien Colonien nicht blos in das benachbarte Aegypten, Phönicien, Syrien, auch Eölesyrien geführt worden, sondern auch in das entlegenere Pamphylieu, Cilicien und die meisten Länder von Asien bis nach Bithynicn und die Länder des Pontus: ebenso in Europa nach Thessalien, Böotien, Macedonien, Aetolien, Attica, Argos, Eorinth und den meisten Theilcn des Peloponnes, und nicht blos die Provinzen des Festlandes seien voll jüdischer Colonien. sondern auch die berühmtesten Inseln, wie Euböa. Eypern, .Ureta-. und nun erst in den Ländern jenseits des Euphrat, denn ausgenommen eines kleinen Theiles von Babylon und anderen Satrapien seien all« Städte, welche guten Acker haben, von Inden bewohnt. allmälig und seit verhältnißmaßig kurzer Zeit die finsteren Dämonen des Fanatismus, der Unterdrückung und Gewaltthätigkeit, wenigstens nach dieser Richtung hin, überwunden. Doch müssen wir unparteiisch sein. So sehr wir jenen Staatsmännern dankbar sind, so ist cS doch nicht ihre persönliche Ansicht allein, welcher wir dieses günstige Resultat schuldig sind. Es ist die Macht der Berhältnisie, die starker ist als dic Menschen, d. h. richtiger, eS ist die göttliche Weltordnung, welche die Berhältnisie so fügt, daß das Recht zur Herrschaft kommt, auM wo die Menschen noch zögern würden. Daß es sich um die Pacisication von Ländern handelte, in welchen i Muselmänner, Katholiken, Griechen, Bulgaren, Armenier und! noch andere religiöse Secten unter einander wohnen und in glühendem Hasie dic Macht, die ihnen zeitweise wird, zu blutiger Verfolgung der Andersgläubigen verwenden, machte es erforderlich, daß der Eongreß entschieden die völlige Religionsfreiheit und Rechtsgleichheit für Alle beschließe und zum Gesetz für diese Länder mache. Hierunter mußten auch die Juden eingeschlosien werden, und nachdem man diese Grundsätze für Bulgarien, Serbien, Montenegro und die ganze Türkei proclamirt hatte, dursten sie für Rumänien nicht fehlen. Die Protokolle des Serliner Longresses im Originaltexte. (Schluß.) Die Sitzung vom 4. Juli (Protocoll Nr. 12 beginnt mit folgendem Zwischenfall. 1,6 President t'ait mention des petitions de la liste J'i>. 9 et notamment de la communication adressee au (’ongres par M. Kistitc-h, faisant savoir au (Jongres <pie le Printe Milan l'a autorise a declarer que le gouvernement Serbe saisira la premiere occasion. apres la eonclusion de la paix, pour abolir par la voie legale la derniere restrietion qui existe encore en Serbie relativenient ä la position des Israelites. S. A. S., sans vouloir entrer dans Texamen de la question, tait remarquer quo les mots ..la voie legale“ semblent nne reserve q» il signale a l’attention de la haute Assemblre. Le Printe de Bismarck croit devoir constater quen aucun eas eette reserve ne saurait infirmer lautorit*’ des decisions du Congres. Da dieser Tbatsache noch nirgends Erwähnung geschehen, geben wir die Uebersetzung des obigen Satzes: „Ter Vorsitzende erwähnt einer Mittheilung, welche Herr Ristitch «Vertreter Serbiens) an den Eongreß gerichtet bat, nämlich daß der Fürst Milan ihn autorisirt habe, zu erklären, daß die serbische , Regierung die erste Gelegenheit nach dem Friedensschlüsse 36*

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