Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1878)
- Date
- 1878-09-03
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
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562 aufrecht, bis er der unermeßlichen Uebermacht erlag — erlag! Stadttheilen in das von ihnen besonders bewohnte Delta, inals Staat und Volk, nicht aber in seinem Glauben und in seiner Sitte. Das Resultat war, daß er nach drei und einem halben Jahrtausend noch besteht, alle Kämpfe und Verfolgungen abwehrte und erst heute wieder die Stellung freier Staatsbürger und patriotischer Volksgenossen errungen hat. Da ist es denn auch keine neue Erscheinung, daß jüdische Abgeordnete bei den Machthabern des Tages bittend sich einstellten. Es waren sehr verschiedene Verhältnisie- und Conjuncturen, in welchen diese Vertreter ihrer Glaubensgenossen dem man sich ihrer Häuser mit all' ihrem Inhalte bemächtigte; man umlagerte dieses Viertel, um sie auszuhungern, ließ unter dem Vorwände, nach Waffen zu suchen, römische Cohorten eindringen, plündern und morden; man berief ihre Vorsteher nach dem Stadthause, geißelte und tödtete sie, verbrannte ihre Synagogen und übte die ärgsten Schändlichkeiten aus. In dieser Bedrängniß beschlosien die alerandrinischen Juden, Gesandte an Caligula zu senden, um ihm die Sachlage vorzustellen. Philo selbst war unter ihnen, und die Erlebnisse dieser in den Palästen der Mächtigen erschienen. Aber Eines cha-! Abgeordneten sind in dem. Philo zugeschriebenen Buche j/fy; rakterisirt sie durch alle Zeit: sie verlangten niemals etwas j Ttotcßtius noö? räi'ov erzählt, das freilich sehr weitläufig Anderes als Freiheit, als Rechtsschutz gegen grausame Unter-! auch über moralische Gegenstände handelt. Die Audienz drückung und Mißhandlung! Von Moses und Aaron an, die als Gesandte des hebräischen Stammes vor Pharao standen, um die Freiheit vom Sclavenjoche, um die Freiheit, aus dem reichen Aegypten in die dürre Wüste zu ziehen, zu erbitten — bis zu den Vertretern der Judenheit, welche Recht und Gerechtigkeit vom Berliner Eongreffe forderten, haben die jüdischen Gesandtschaften an die höchsten Träger der Gewalt niemals etwas Anderes beabsichtigt und zu erreichen gestrebt. Wir wollen zur Eremplisicirung hier nur einen Fall aus der langen Reihe ähnlicher Ereigniffe hervorheben. In Alexandrien war bekanntlich durch den Gründer der Stadt und besonders unter den Ptolemäern die jüdische Eolonie zu großem Umfang und hoher Blüthe gelangt. Wissenschaftliche Bildung zeichnete die höhere Elaste, emsigster Gewerbsleiß, Sittlichkeit und selbst militärische Befähigung die Maste der Juden daselbst aus. Sie waren mit den Aegyptern und Griechen gleichgestellt und auf ehernen Tafeln war ihnen dieses verbrieft. Um so neidischer und feindlicher waren ihnen (40 nach der geiv. Zeitr?, die sie bei Caligula hatten, und bei der auch die Gegner der Juden, die von Alexandrien herdeigeeilt waren, sich gegenwärtig befanden, wird gegen Ende dieses Buches beschrieben (t'. 1040 slg. cd. Höschel). Der Kaiser empsing sie, als er die beiden Gärten des Mäcenas und Lamias mit den darin besindlichen Villen besichtigte. Als die jüdischen Gesandten eintraten und ihm ihre Ehrfurcht bezeugt hatten, schrie er sie an: „Seid ihr die Gottverhaßten, die ihr mich, den alle für einen Gott erklären, allein verachtet und euren Namenlosen verehren wollt V' Dabei erhob er die Hände und stieß den heiligsten Namen Gottes mit Schmähungen aus, worüber die Gegner aufjauchzten und ihn mit allen -Namen der Götter belegten. Denn dies war das eigentliche Vergehen der Juden in den Augen des wahnwitzigen Cäsars, daß sie seine Bildsäule im Tempel zu Jerusalem und in den Synagogen nicht aufstellen und als Gott anbeten wollten. Die Gegner erinnerten den Cäsar, daß, während alle Völker ihm Opfer brächten, die Juden dies verweigerten. Die Gedie Griechen gesinnt und regten wiederholt den Pöbel Wider; sandten erwiederten: „Dies ist Verleumdung; wir haben dreisie auf. Der Thron der julischen Cäsaren war gegründet; mal Opfer dargebracht und nicht, wie es andere thun, das doch bald machte sich aus ihm der Cäsarenwahn, verbunden; Fleisch nach Hause gebracht und verspeist, sondern die ganzen mit der ausschweifendsten Lasterhaftigkeit und Grausamkeit j Opfer dem heiligen Feuer übergeben, einmal als du den Thron fühlbar. Tiberius halte seinen Günstling Flaccus zur Verwaltung Aegyptens nach Alexandrien gesandt, und dieser übte bis zu besten Tode seine unbeschränkte Gewalt mit Mäßigung und Gerechtigkeit aus. Im Bewußtsein jedoch, daß er bei dem Nachfolger des Tiberius, dem C. Caligula, in Ungunst stehe, fürchtete Flaccus, daß irgend eine Klage über ihn nach Rom gelange, und ergab sich griechischen Agitatoren der schlimmsten Art, wie dem Gerichtsschreiber Isidor, den das Volk „Blutfeder" nannte, und dem sittenlosen Lampo, zu denen sich Apion gesellte, welcher die erste Schmähschrift gegen die Juden ausgehen ließ. Von hier ab begannen die heftigsten Verfolgungen gegen die alexandrinischen Juden, die in dem Buche;juw«z-/W. das den Namen Philo's trägt, so ergreifend geschildert werden. Man erklärte die Gleichberechtigung der Juden für null und nichtig; man vertrieb sie aus den übrigen bestiegst, das andere Mal, als du von schwerer Krankheit erstandest, zuletzt bei deinem Siege über die Germanen." Er antwortete: „Was nützt dies, ihr habt einem Anderen geopfert, aber nicht mir!" Er sprach dies so grimmig, daß die Gesandten sich bereits verloren glaubten, er aber lies unterdeß nach den Villen, besichtigte die Höfe und Gemächer, ordnete dies und jenes an, und fragte jene mit einem Male: „Warum estet ihr kein Schweinefleisch d" Bei dieser Frage erhoben unsere Gegner, erzählt Philo, abennals ein so lautes Gelächter, daß einer vom Hofe sie zur Ruhe verwies. Als wir antworteten, daß andere Völker andere Sitten hätten und auch unseren Gegnern der Gebrauch von mancherlei Dingen untersagt sei, ein anderer aber hinzufügte, viele esten nicht einmal Böcke, lachte Caligula und sagte: „Wohl! denn die sind unangenehm." In unserer Angst lachten wir selbst bei diesen